Bad Kissingen
Wirtschaftsausschuss

Landrat fordert "seriöse Prüfung" der P 43

Landkreis plant Resolution gegen aktuell geplante Wechselstromtrasse der Bundesnetzagentur
Artikel drucken Artikel einbetten

Nicht nur die Gleichstromtrasse Südlink wird den Landkreis Bad Kissingen berühren, wenn es nach dem aktuellen Planungsstand geht. Auch die Wechselstromtrasse P 43, die nun laut Planung der Bundesnetzagentur festgezurrt zu sein scheint, soll mitten durch den Landkreis führen. Der Landkreis sowie seine Städte und Gemeinden wollen diesem Projekt nun mit einer Resolution entgegentreten, die am Freitag in der Bürgermeister-Dienstbesprechung verabschiedet werden soll. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Kreis-Wirtschafts- und Umweltausschusses einstimmig beschlossen.

Wie bereits Anfang Juni berichtet, ist die Wechselstrom-Trasse P 43 momentan die einzige Variante, die noch im Gespräch ist. Die Taskforce Netzausbau Bayern des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie hatte zuvor darüber informiert, dass die Trasse P 44 (von Altfeld/Thüringen nach Grafenrheinfeld), die ursprünglich noch mit in der Planung war, mitsamt der Alternativen entfallen war. Die komplett durch Hessen verlaufende Variante zur P 43 (sogenannte "P 43/mod" (von Mecklar über Dipperz nach Urberach) wurde damals ebenfalls verworfen.

Allein in der Wertung ist jetzt also die P 43 (von Mecklar über Dipperz nach Grafenrheinfeld). Diese Trasse würde aber den Landkreis Bad Kissingen erheblich belasten, sagte Landrat Thomas Bold. Die "modifizierte" P 43 hätte hingegen Hessen stärker in Mitleidenschaft gezogen. Vorschläge für den Netzentwicklungsplan Strom des Bundes werden alle paar Jahre neu eingearbeitet, sagte Regierungsdirektor Thomas Schoenwald in der Sitzung. Irgendwann werde daraus der Bundesbedarfsplan fortgeschrieben. Schoenwald: "Die P 43 droht jetzt dort aufgenommen zu werden, dann ist sie Gesetz." Die Verlautbarung der Planer, man könne auch die Wechselstromtrasse vielleicht unter der Erde bauen, sei ziemlicher Nonsens. Vielmehr müsse man mit dem Neubau einer Freileitung rechnen, sagte Schoenwald.

Als man 2015 bezüglich der Gleichstromtrasse Südlink entschied, dass die Leitungen unter die Erde kommen, sei auch vereinbart worden, den inzwischen stark belasteten Netzknotenpunkt Grafenrheinfeld zu entlasten, sagte Bold. Wenn die P 43 also gebaut werde, führe sie mitten durchs Biosphärenreservat Rhön und ende bei Grafenrheinfeld. Früher habe die Bundesnetzagentur behauptet, die P 43 sei übertragungstechnisch nur gemeinsam mit der P 44 umsetzbar. Bold: "Das scheint ja nun nicht mehr der Fall zu sein."

Seine Forderung ans Bayerische Wirtschaftsministerium lautet deshalb: "Der Bedarf von P 43 muss nochmals objektiv untersucht und für den Bürger verständlich dargelegt werden." Er forderte eine "seriöse Prüfung". Damit übte er auch Kritik am Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der den angeblichen Bedarf der Wechselstromtrasse P 43 bei den Gesprächen mit dem Bund und den Nachbarländern Hessen und Thüringen Mitte Mai 2019 ausgehandelt hatte - zu Lasten von Grafenrheinfeld. Beim Netzausbau müsse die Last aber auf mehrere Schultern verteilt werden, hatten im Mai die MdB Anja Weisgerber und Dorothee Bär (beide CSU) gefordert. Bereits jetzt träfen am Netzknoten sieben Höchst- und Hochspannungsleitungen sowie zahlreiche weitere Leitungen aus allen Richtungen aufeinander. ikr

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren