Bad Kissingen
Gedenken

Landkreis Bad Kissingen: Ein Rucksack für den DenkOrt

Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence wirkt seit 2015 an der Projektgruppe "Wir wollen erinnern" mit. Das Team hat unter anderem den DenkOrt Aumühle geplant.
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Deportationsnummer 656: Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence zeigt die Nachbildung des Rucksacks einer gewissen Regina Berney aus Oberthulba.  Isolde Krapf
Deportationsnummer 656: Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence zeigt die Nachbildung des Rucksacks einer gewissen Regina Berney aus Oberthulba. Isolde Krapf

Es gibt nur noch wenige Zeugen aus der Zeit, in der Juden in Konzentrationslager deportiert wurden. "Wir müssen etwas für die nächste Generation schaffen, das die Geschehnisse von damals greifbar macht." Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence (Hammelburg) ließ sich deshalb 2015 nicht lang bitten, als die Würzburger Projektgruppe "Wir wollen erinnern" sie bei der Entwicklung einer Erinnerungskultur dabei haben wollte. Unter anderem hat das Projekt-Team einen DenkOrt Aumühle geplant - zur Erinnerung an die 2069 von dort aus deportierten Juden aus Unterfranken. In dieser Angelegenheit ist Cornelia Mence jetzt im Landkreis Bad Kissingen unterwegs, um bei den Kommunen für eine Beteiligung zu werben.

Der gleichnamige Güterbahnhof in Würzburg war ab 1941 der zentrale Punkt, von dem aus unterfränkische Juden nach Auschwitz-Birkenau, Theresienstadt, Krasniczyn, Izbica und Riga-Jungferndorf deportiert wurden.

Zwei gleiche Gepäckstücke

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Man plante in Würzburg zunächst, am Aufgang zum früheren Aumühl-Ladehof, Gepäckstücke aus allen 109 Orten in Unterfranken, in denen es 1933 noch eine jüdische Gemeinde gab, künstlerisch zu platzieren. Jede Kommune soll dabei nicht nur ein Gepäckstück für die Aumühle herstellen lassen, sondern ein weiteres für das eigene Dorf oder die eigene Stadt.

Für Cornelia Mence mag dieses Projekt, bezogen auf den Landkreis Bad Kissingen, so etwas wie die Abrundung eigener Bemühungen sein. Denn seit Jahrzehnten ist sie, zusammen mit ihrem Mann Michael, bestrebt, die Geschichte der Juden im Landkreis aufzuarbeiten. Wo lebten diese Menschen? Wie hießen sie? Wohin wurden sie deportiert? Die Mences forschten in Archiven nach, sprachen mit heutigen Ortsbewohnern und jüdischen Nachfahren in Übersee. Sie gingen sogar in den einstigen Konzentrationslagern auf Spurensuche und setzten die Puzzleteile ihrer Recherchen in zwei Büchern zu einer komplexen Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Landkreis zusammen.

109 jüdische Gemeinden gab es in Unterfranken. Davon sollen 48 nun am DenkOrt Aumühle eingebunden werden. Von den 15 jüdischen Gemeinden, die es im Landkreis Bad Kissingen gab, werden neun mit einem Gepäckstück in Würzburg vertreten sein, weiß Cornelia Mence. Dabei steht es jeder Kommune frei, ob sie einen Koffer, einen Rucksack oder eine Deckenrolle fertigen lässt. Die Maße für die Gepäckstücke sind von der Projektgruppe allerdings festgelegt.

Für den exemplarischen Rucksack mit der Deportationsnummer 656 stand übrigens das einstige Gepäckstück der Jüdin Regina Berney aus Oberthulba Pate, erzählt Cornelia Mence. Den Rucksack hatte im Jahr 1942 der örtliche Sattler Karl Kleinhenz, der auch mal Bürgermeister im Ort war, für Berney gemacht. "Das haben wir 1988 herausgefunden. Da lebte er noch und wir haben ihn gebeten, einen originalgetreuen Rucksack herzustellen."

Wache Erinnerung

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Kleinhenz, der selbst gegen die Nazis war, habe sich noch an sehr vieles aus diesen Tagen erinnert. "Er erzählte zum Beispiel, wie damals ein großer Lastwagen nach Oberthulba kam und vor der Kirche hielt. Die Ortsbewohner mussten mit ansehen, wie die Juden mitsamt ihrem Gepäck auf den Lkw geschubst wurden."

Das Gerüst für die Gepäckstücke, das der Würzburger Architekt Matthias Braun fertigen wird, sollte demnächst am Aufgang zum Aumühl-Ladehof stehen. Dass sich die Ausführung verzögerte, hat auch damit zu tun, dass das Fundament für den DenkOrt unlängst überprüft wurde. Wie sich dabei herausstellte, fließt darunter die Pleichach in einem maroden Tunnel. Der Aufgang könne auf keinen Fall bebaut werden, hieß es. Daraufhin wurden mehrere neue Standorte untersucht. Die besten Chancen hat der DenkOrt, nach Angaben der Projektgruppe, jetzt wohl am Vorplatz des Hauptbahnhofs.

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