Gräfendorf
Skulpturen

Kunst am künstlichen Bach

Der Gräfendorfer Kettensägenkünstler Bernhard Försch arbeitet an einem neuen Projekt
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Vögel, Insekten, Fische - Kettensägenkünstler Bernhard Försch bildet Tiere nach, die am Saale-Ufer in Gräfendorf zu sehen sind.
Vögel, Insekten, Fische - Kettensägenkünstler Bernhard Försch bildet Tiere nach, die am Saale-Ufer in Gräfendorf zu sehen sind.
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Einer neuen Aufgabe stellt sich der Gräfendorfer Kettensägenkünstler Bernhard Försch. Mit seinem groben Werkzeug hat er die feinsten Weihnachts- und Gartendekorationen geschaffen, hat schon sieben Meter hohe Figuren aus Stammholz geschnitten und zehn Tonnen schwere Blöcke mit seinen verschiedenen Motorsägen bearbeitet. Jetzt gestaltet er eine Figurengruppe für den Graben, der um das Wasserkraftwerk an der Saale in Gräfendorf führt und den Fischen als Umgehung dient.

15 Figuren geplant

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Sieben bis zu etwa einem Meter große Figuren sind fertig und diebstahlsicher auf Edelstahlstangen in Felsbrocken montiert, fünf davon in dem künstlichen Bachlauf, 15 sollen es insgesamt werden. Ein Mäusebussard, ein Kormoran, eine Riesenlibelle und zwei Fische sitzen dort, mit den verschiedenen Sägen zumeist aus haltbarem Lärchenholz geschnitten.

Bernhard Försch erzählt, auf die Idee sei er bei einem Besuch im Schwarzwald gekommen; dort habe er ähnliche Figuren in einem Bach gesehen, hübsch anzuschauen und eine Attraktion für den Ort. Jetzt bildet er Tiere nach, die hinter dem E-Werk im Wald und davor auf den Wiesen und an der Saale vielfach vorkommen.

Als Waldarbeiter übernahm Bernhard Försch Spezialaufträge wie das Freischneiden von Hochspannungsleitungen oder Fällungen in Steillagen. Die bis zu 25 Kilogramm schweren Motorsägen und der Umgang mit Holz wurden ihm außerdem zum Hobby. Sein Anwesen nahe dem Gräfendorfer Bahnübergang ist innen wie außen mit zahlreichen Figuren und anderen meist witzigen Darstellungen geschmückt.

Seit einem Vierteljahrhundert sägt der Mann, der dem Äußeren nach nicht von ungefähr nach dem Filmhelden Bud Spencer den Spitznamen Banana-Joe bekommen hat, Skulpturen: Menschen, Hände, Tiere, Gesichter, Totempfähle - realistisch, leicht abstrahiert oder fantasievoll abgewandelt. Dank so viel Erfahrung arbeitet der Gräfendorfer nur nach Gefühl, braucht weder eine Skizze noch Modelle. Das Augenmaß genügt.

Das ist angesichts des groben Werkzeugs und der damit entstehenden wohl proportionierten und detailreichen Ergebnisse kaum zu glauben.

Die Plastiken des 64-Jährigen sind weit verbreitet, nicht nur im Saaletal. So manche Skulptur hat einen weiten Weg zurückgelegt. Ein Balken mit Köpfen ziert ein Restaurant im französischen Saint-Malo, US-amerikanische Touristen nahmen Indianerköpfe mit in ihre Heimat. Försch, der seit kurzem Rentner ist, kann sich jetzt seinem neuen aufwendigen Projekt, der Figurengruppe, widmen.

Den Bach im Blick

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Ein bisschen Eigennutz ist dabei, denn er wartet das Wasserkraftwerk und hat daher den Umgehungsbach stets im Blick. Den hat er zusammen mit dem Kraftwerksbesitzer Gerhard Rauch 2004 selbst gebaut. Die Bundsandsteinbrocken im Bächlein, das mindestens 500 Liter je Sekunde aus der Saale ableitet, mindern die Strömung und bewirken zugleich eine Belüftung des Wassers. Jetzt dienen die Brocken außerdem den Holzfiguren als Sockel. Försch hofft, dass sich die Wanderer - ob zu Fuß, per Rad oder Boot - an den Figuren erfreuen und er keinen Vandalismus erleben muss. Abwegig wäre das nicht, denn der 64-Jährige hält nicht nur das E-Werk in Schuss und den Bach von Verbuschung frei, sondern er sammelt auch den Müll rund um das Kraftwerk ein: wöchentlich mindestens einen Schubkarren voll! Da sind Büchsen von Fischködern der Angler darunter, vor allem aber Bierflaschen und anderer Müll der Bootstouristen und der Leute, die am Saaleufer Picknick machen. Nach der Mahd der angrenzenden Wiesen habe der Bauer oft Glasscherben in den Heuballen fürs Vieh!

Zu viele Boote?

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Neulich seien in einem Konvoi an die 200 Boote die Saale herabgekommen - ob die Insassen Müll im und am Fluss zurückgelassen haben, weiß Försch nicht, aber er vermutet, dass der Bootstourismus auf der Saale aus Naturschutzgründen bald eingeschränkt werden könnte, wenn er überhandnimmt. Und das, so schimpft der 64-Jährige, nur wegen der Unvernunft Einzelner, die das Naturidyll nicht zu schätzen wissen. Michael Fillies



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