Kilianshof

Von Siebenschläfer bis Rehkitz: Unterfränkische Wildstation päppelt kranke und verletzte Tiere auf

Die Wildtierstation Rhön-Saale hat in Kilianshof eine neue Heimat gefunden. Der Aufbau ist gerade in vollem Gange. Bislang war die Station in Roth untergebracht. Wir verraten, warum der Umzug notwendig war.
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Theresa Kneuer kontrolliert die Pupillen eines Mäusebussards, der gegen ein Auto geprallt ist. In der Tierauffangstation in Kilianshof werden verletzte Tiere betreut, die nach ihrer Gesundung wieder in die Freiheit entlassen werden sollen. Foto: Lucas Kneuer
Theresa Kneuer kontrolliert die Pupillen eines Mäusebussards, der gegen ein Auto geprallt ist. In der Tierauffangstation in Kilianshof werden verletzte Tiere betreut, die nach ihrer Gesundung wieder in die Freiheit entlassen werden sollen. Foto: Lucas Kneuer
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Wildtierstation Rhön-Saale zieht von Roth (Markt Bad Bocklet) nach Kilianshof (Landkreis Rhön-Grabfeld): Der Vorsitzende der Wildtierstation Rhön-Saale, Karl-Heinz Kolb, und Theresa Kneuer sind froh. Auch wenn noch viel Arbeit vor ihnen liegt, so sind sie doch glücklich, hier in Kilianshof zu sein. "Wir haben hier einfach mehr Platz als in Roth, wo wir vorher waren", freut sich Theresa Kneuer. Hier in Kilianshof werden in Zukunft Wildtiere betreut, die verletzt oder erkrankt sind.

Tierische Patienten sollen aufgepäppelt und freigelassen werden

Als man mit der Wildvogelstation Rhön-Saale 2013 begann, hatte man im Schnitt 20 bis 50 Tiere im Jahr zu betreuen. "Die Zahl unserer Schützlinge wuchs allerdings exponentiell. So hatten wir von Anfang 2019 bis Juli 2019 300 Tiere, die von uns betreut wurden", so Kneuer.

Ein Umzug war schon lange überfällig, zumal man in Roth nicht mehr expandieren konnte. Jetzt ist man dabei, die Station in Kilianshof aufzubauen. Vom Zaunkönig bis zum Graureiher, vom Siebenschläfer bis zum Rehkitz sollen erkrankte Tiere aufgepäppelt und wieder in die Natur entlassen werden.

Der Verein hat mehrere Außenstellen; in Kilianshof soll demnächst die Quarantänestation errichtet werden, ein Ort, den alle eingelieferten Pfleglinge durchlaufen. "In Roth war die Quarantänestation mit rund 20 Quadratmetern viel zu klein. Außerdem befanden wir uns dort mitten im Wohngebiet, so dass wir hier kaum Möglichkeiten hatten, die Tiere auszuwildern", sagt Theresa Kneuer.

Artgerechte Unterbringung wichtig - "Jedes Tier hat gewisse Ansprüche"

Ihr war es wichtig, dass die Tiere artgerecht untergebracht werden. "Jedes Tier hat gewisse Ansprüche, die wir bestmöglich erfüllen wollen", erläutert Karl-Heinz Kolb, der studierter Biologie mit Schwerpunkt Zoologie ist.

Ein Grund, nach Kilianshof zu ziehen war, dass die Lage perfekt ist, um die gesund gepflegten Tiere wieder in die Natur zu entlassen, ist die Ortschaft doch vom Staatsforst umgeben und liegt im Biosphärenreservat. "Die Lage ist so dezentral, dass es für die Auswilderung perfekt ist. Außerdem liegt Kilianshof an der Schnittstelle der beiden Landkreise, was für unsere Arbeit optimal ist", freut sich Theresa Kneuer.

Drei Monate Dauer: Umzug macht Arbeit

Der Umzug machte natürlich eine Menge Arbeit: Rund drei Monate brauchte man, bis in Roth alles abgebaut und in Kilianshof eingelagert war. "Wir hoffen, im Frühjahr wieder die Arbeit aufnehmen zu können, wenn auch zunächst eingeschränkt. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun", so Kneuer.

Dennoch freut sie sich, jetzt in Kilianshof zu sein. Sie und ihr Mann haben das Anwesen, ein großes Zweifamilienhaus mit Nebengebäude, gekauft, und wohnen hier auch. "Das war eine Voraussetzung. Schließlich müssen unsere Schützlinge in der Nacht alle zwei Stunden gefüttert werden", erläutert Kneuer. Dies kann sie nur deshalb umsetzen, da ihr Arbeitgeber sehr entgegenkommend ist.

Vorsitzender: Wildtierstation mit offenen Armen empfangen

Der Vorsitzende der Wildtierstation, Karl-Heinz Kolb, freut sich, dass man hier mit offenen Armen empfangen worden ist. "Bewohner aus dem Dorf haben uns überhaupt erst auf das Objekt aufmerksam gemacht. Wir wurden sogar von der Bürgermeisterin persönlich begrüßt und auch der Gemeinderat hat uns seine Unterstützung angeboten", freut er sich.

Im Sandberger Kindergarten konnte die Wildtierstation bereits ein erstes Projekt umsetzen. Hier veranstaltete sie einen Projekttag rund um den Igel, bei dem die Kindergartenkinder hautnah etwas über die Pfleglinge der Station lernen durften.

"Die Umweltpädagogik ist uns eine Herzensangelegenheit", sagt Theresa Kneuer. Die Aktion im Kindergarten wurde sehr positiv aufgenommen. Später sollen die Räumlichkeiten so eingerichtet werden, dass man Umweltbildung mit Kindern und Schulklassen vor Ort machen kann.

Nächstes Ziel: Wildtierstation funktionsfähig machen

Doch jetzt gilt es erst einmal, die Wildtierstation aufzubauen und funktionsfähig zu machen. Die Quarantänestation soll hier 140 Quadratmeter groß werden. Die unterschiedlichen Innengehege sollen in der Scheune entstehen. In der zweiten Etage im Scheunenbereich ist ebenso noch Platz. "Hier ist ein Seminarraum angedacht. Wie wollen nämlich Kindergärten und Schulen vor Ort holen. Viele Tiere kann man nämlich nur hier zeigen", erläutert Theresa Kneuer.

Am wichtigsten sei aber, im Frühjahr arbeitsfähig zu sein, so dass man für die Bevölkerung eine Anlaufstation bieten kann. "Arten- und Wildtierschutz sind mir sehr wichtig. Es gibt derzeit keine andere Anlaufstation für verletzte Wildtiere als uns", betont Kneuer. Man will deshalb zuerst einen kleinen Teil ausbauen, um arbeitsfähig zu sein.

Umsetzung: Verein ist auf Spenden angewiesen

Um die Planungen umzusetzen, ist man auf Spenden angewiesen. Der gemeinnützige Verein kann dabei auf die Unterstützung der Bevölkerung bauen. "Die Baufirma Schick hat sich hier verdient gemacht und in der Vergangenheit auch Sachleistungen erbracht", freut sich Kneuer. Für das aktuelle Projekt hat die Baufirma ebenso schon ihre Hilfe angeboten.

Was laut Theresa Kneuer vor allem fehlt, seien große Sponsoren und Firmen, die das Projekt Wildtierstation mit Spenden und Sachleistungen unterstützen. "Aber natürlich sind wir auf jede noch so kleine Spende aus der Bevölkerung angewiesen und für jede Unterstützung dankbar", sagt Theresa Kneuer.

Denn nur so kann sich der Verein seinem Anliegen, dem Retten von Wildtieren, weiter widmen. Mit dem Umzug nach Kilianshof hat man dazu einen großen und wichtigen Schritt gemacht. Und wenn man Theresa Kneuer zuhört und merkt, mit welcher Begeisterung sie und die Mitglieder des Vereins bei der Sache sind, dann kann man sicher sein, dass die verletzten Wildtiere in Kilianshof gut untergebracht sind.

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