Hammelburg
Gastronomie

Keller künftig in privater Hand

Stephan Merz übernimmt die Vinothek und den Weinkeller von der Winzergemeinschaft Franken. Für ihn heißt es, 2000 Quadratmeter Untergrund mit Leben zu füllen.
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Stephan Merz übernimmt den Winzerkeller in Hammelburg.  Foto: Wolfgang Dünnebier
Stephan Merz übernimmt den Winzerkeller in Hammelburg. Foto: Wolfgang Dünnebier
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Die riesige Kelleranlage unter dem Kellereischloss ist eines der größten Gewölbe in Unterfranken. Im Zuge von Umstrukturierungen trennt sich die Winzergemeinschaft (GWF) mit Sitz in Repperndorf von der Bewirtschaftung. Das touristische Potenzial hat Stephan Merz erkannt. Der 51-Jährige Winzersohn springt als Pächter ein.

Für ihn ist das ein großer Schritt. Aber auch für das Saaletal. Denn bereits seit Gründung der örtlichen Genossenschaft 1904 hatte sie die Keller vom Freistaat gemietet. Sie gelten als identitätsstiftend für die ganze Region.

Alteingesessene Winzerfamilie

"Einen Leerstand mag man sich gar nicht vorstellen", sagt Merz. Dem Sohn einer alteingesessenen Winzerfamilie liegen nach seinen Worten Weinbau, Tourismus und das Hammelburger Nachtleben am Herzen. Seit 2013 ist der gelernte Kaufmann bei der Winzergemeinschaft angestellt und mit den Aufgaben der Niederlassung in dem historischen Gemäuer bestens vertraut.

Sie reichen vom Weinverkauf über Weinproben bis zu Kellerführungen auch in Zusammenarbeit mit den Gästeführern der Stadt Hammelburg. Künftig werden zusätzlich Hausmeisterpflichten auf den neuen Herrn des Kellers zukommen. Gerne hätte er das Objekt etwas kleiner genommen. Aber: Wegen des zusammenhängenden Leitungssystems war es nur als Ganzes zu haben und erstreckt sich unter allen vier Flügeln des Gebäudes.

Techno im Bocksbeutelkeller

Einen ersten gastronomischen Akzent setzt Merz bereits. Seit wenigen Wochen laufen samstags die Techno-Abende im abgetrennten Bocksbeutelkeller. "Jugendliche sind es gar nicht mehr gewöhnt, in Hammelburg so eine Ausgeh-Möglichkeit zu haben", sagt Merz. In seiner Jugend war das noch anders. Da konnte man abends in der Stadt öfter als heute die Kneipe wechseln. Ältere Semester stehen seit jeher eher auf das legendäre Schöppeln an den Freitagabenden im Fasskeller.

Da stört es auch nicht, dass die übermannsgroßen Behälter mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 100 000 Litern statt mit Wein nur noch mit geschwefeltem Wasser gefüllt sind. "Wenn die Fässer austrocknen, fallen sie zusammen", weiß Merz. Ihre Spitzenzeiten erlebte die Bewirtung des Fasskellers in den 1980er Jahren. Bis zu 400 Gäste tummelten sich zwischen den Behältern. "Wir haben Stammgäste, die zum Teil seit den 1960er Jahren kommen", freut sich Merz. Mangels Sitzgelegenheiten musste man seinen Wein früher im Stehen trinken. Weil der Wein seinerzeit direkt in den Kellern reifte, hatte der Kellermeister vor dem Einlass der Besucher den Kohlenmonoxidgehalt in der Luft zu testen.

Doch das war eine andere Zeit. Die Vermarktung steckte noch in den Kinderschuhen. Direktkunden mussten schon mal beim Kellermeister klingeln, um nach dem Einlass direkt aus den Weinkisten bedient zu werden. Erst 1996 eröffnete die damals noch selbstständige Winzergemeinschaft Hammelburg ihre Vinothek im Schloss mit angemessener Präsentation ihrer Weinflaschen. 2003 gab es dann eine größere Zäsur. Die Hammelburger Winzergenossenschaft fusionierte mit der GWF.

Heute strömen die Gäste etwas verhaltener in den Keller. Vor allem über die Wintermonate ist es ruhiger. Und aus Sicherheitsgründen ist die Zahl der Gäste auf 199 limitiert. Dafür gibt es jetzt Biertischgarnituren zum Setzen und sogar eine größere Lounge-Garnitur.

Noch einige Ideen

Kunstausstellungen lockern die ansonsten romantische, aber auch etwas spartanische Lokalität auf. Aber die älteste Weinstadt Frankens lässt sich kaum woanders so authentisch erleben.

Im Saaletal ist dieser Effekt überdeutlich. Mit ihrem Rückzug auch aus Vinotheken in anderen Weinorten reagiert die Winzergemeinschaft Franken auf den altersbedingten Rückgang von Genossenschaftswinzern. Viele ihrer kleinen, im Nebenerwerb betriebenen Flächen, haben inzwischen hauptberufliche Kollegen übernommen.

Im Saaletal ist dieser Effekt überdeutlich. Hier bewirtschafteten in den 1990er Jahren noch 109 Mitglieder 33 Hektar Fläche auch in Ramsthal und Wirmsthal. Heute sind es gerade noch 14 genossenschaftlich aufgestellte Winzer mit 10 Hektar Fläche. Neun davon in Hammelburg, drei in Ramsthal und zwei in Wirmsthal.

Unter dem Eindruck dieser Zahlen findet Christiane Schmid den Rückzug der GWF aus ihrer Repräsentanz im Saaletal verständlich. Die Hammelburgerin ist seit 2003 als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende die Saaletaler Stimme in der GWF. Dass Vinothek und Keller künftig privat betrieben werden, biete große Chancen, zumal ohne Zentralismus schneller Entscheidungen getroffen werden können, findet Schmid.

Stephan Merz lässt durchblicken, dass er noch die eine oder andere Idee hat, wenn der Betrieb unter seiner Führung erfolgreich angelaufen ist.

Alleine beleuchtungstechnisch sei noch einiges zu machen. "Wichtig ist es, in Hammelburg was anzubieten", sagt er, "wichtig ist es aber auch, dass die Menschen das erkennen", wirbt er für sein Vorhaben. Wolfgang Dünnebier

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