Bad Kissingen
Antragsdiskussion

Kein Glyphosat auf der eigenen Fläche des Landkreises Bad Kissingen

Der Umgang mit Glyphosat auf Äckern und Grünflächen wird derzeit in den Kommunen heftig diskutiert.
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Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat dürfen auf Flächen das Landkreises Bad Kissingen nun nicht mehr eingesetzt werden. Julian Stratenschulte/dpa
Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat dürfen auf Flächen das Landkreises Bad Kissingen nun nicht mehr eingesetzt werden. Julian Stratenschulte/dpa
Auch im Kissinger Kreistag stand das Thema im Dezember schon einmal obenan, nachdem die Fraktion B'90/Die Grünen/Bürger für Umwelt (BfU) beantragt hatte, auf landkreiseigenen Flächen auf den Herbizid-Wirkstoff zu verzichten.

Doch seinerzeit konnten sich 28 der 51 Kreisrätinnen und Kreisräte nicht aufraffen, ad hoc über einen Verzicht auf das fragliche "Pflanzenschutzmittel" zu entscheiden. Das Thema wurde an den Wirtschafts- und Umweltausschuss delegiert.


Auf Forderungen beharrt

Dort hat die Fraktion B' 90/Grüne/ BfU nun ihr Anliegen erneuert. Auch die ÖDP zog mit einem Antrag gleich. Landrat Thomas Bold (CSU) versicherte, dass der Kreis auf seinen Flächen kein Glyphosat verwende. Das gelte auch für grüne Bereiche rund um Schulen, Jugendzeltplätze und an Kreisstraßen. Nach Bolds Angaben würden vom Landkreis nur wenige Flächen klassisch verpachtet. Auf nur 1,3 Hektar Land würde ein Verbotsantrag Anwendung finden.B'90/Die Grünen/BfU und ÖDP beharrten jedoch im Ausschuss auf ihren Forderungen, die weitgehende Übereinstimmungen aufwiesen: Der Landkreis soll "ab sofort bei allen Flächen unter seiner Bewirtschaftung" auf den Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden verzichten, heißt es in den beiden Anträgen. Nach Meinung der Fraktionen sollen auch die für den Kreis auf diesen Flächen tätigen Unternehmen, sowie die Pächter, vertraglich auf einen Verzicht des Herbizids verpflichtet werden.


Kein Glyphosat bei Privatleuten

Zudem sollen Beratungseinrichtungen des Kreises Privatleute darauf hinweisen, dass sie auch in ihren Gärten auf Glyphosat verzichten. Neu aufgenommen hatten Grüne/BfU in ihrem Antrag die Forderung, dass der Kreis den Kommunen empfehlen möge, das Herbizid auf ihren Flächen zu verbannen.

Für Jürgen Englert (SPD) war klar, dass man verantwortungsvoll handeln und den Verzicht auf Glyphosat beschließen sollte. Gotthard Schlereth (FW) verband mit dem Glyphosat-Verbot eine "Signalwirkung nach außen". Er erinnerte an die seit 1. Januar gültigen neuen Richtlinien zur Trinkwasser-Untersuchung, in denen auch Glyphosat eine Rolle spiele.

Die CSU tat sich mit der Diskussion schwer. Lediglich Fuchsstadts Bürgermeister Peter Hart wies darauf hin, dass sich die Natur bereits durch den nachhaltigen Einsatz von schädlichen Herbiziden wie Glyphosat verändert habe. Auf lange Sicht schlage sich Glyphosat auch im Trinkwasser nieder, meinte er. "Es ist alles ein Kreislauf." Für CSU-Fraktionschef Siegfried Erhard hingegen war noch "vieles unklar". Er habe sich ausführlich über Glyphosat informiert, sagte er. Selbst führende Institutionen wie die WHO würden sich nicht für ein klares Verbot des Wirkstoffs aussprechen. Erhard kritisierte zudem Ungenauigkeiten im Antrag von Grünen/BfU.


ÖDP-Antrag fällt knapp durch

Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner schlug in die gleiche Kerbe und erinnerte daran, dass Glyphosat von Fachstellen wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als nicht bedenklich eingestuft worden sei. Andererseits habe der Landtag beschlossen, langfristig Alternativen zu Glyphosat zu finden.Landrat Bold schien ob der langwierigen Diskussion ungeduldig. Für ihn war das Hin und Her im Ausschuss offensichtlich Zeitverschwendung.

In beiden Anträgen wurden Formulierungen geringfügig abgeändert. Der ÖDP-Antrag fiel bei der Abstimmung mit 6:8 Stimmen durch, weil es dort hieß, dass Pächter kreiseigener Flächen sich zu "ökologischem Landbau" verpflichten sollten. Dem Antrag von B'90/Die Grünen/BfU stimmten alle zu. Isolde Krapf

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