Bad Kissingen
Ruhestand

Jurist mit Gespür für Zwischentöne

Lange hatte Manfred Gerlach an verantwortungsvoller Stelle im Landratsamt die Fäden in der Hand. Jetzt geht er in Ruhestand.
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Regierungsdirektor Manfred Gerlach geht Ende Mai in Ruhestand. Unser Bild zeigt ihn an einer seiner Wirkungsstätten, der Deponie bei Wirmsthal, vor dem mit Folie bedeckten Müllkörper.  Isolde Krapf
Regierungsdirektor Manfred Gerlach geht Ende Mai in Ruhestand. Unser Bild zeigt ihn an einer seiner Wirkungsstätten, der Deponie bei Wirmsthal, vor dem mit Folie bedeckten Müllkörper. Isolde Krapf
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Mehr als 30 Jahre lang war Manfred Gerlach im Büro des Landrats Vertreter des Kreischefs. Im Kreistag galt er, als bestellter juristischer Berater, für viele stets als ruhender Pol, wenn es in strittigen Fällen um rechtliche Details ging. Er begleitete sechs Kreistagsgremien und arbeitete mit drei Landräten zusammen. Ende Mai geht der Regierungsdirektor in Ruhestand.

Der unbegrenzten Freizeit, die folgt, sieht der 65-Jährige gelassen entgegen, denn jetzt wird er endlich Zeit haben, mit seiner Frau Gertrud zu verreisen, seine vier Kinder öfter zu besuchen und sich ausführlich mit seinem Hobby, der Geschichte des Abendlandes, zu befassen.

"Schönes Berufsleben"

Es falle einem nur leicht, mit der Arbeit aufzuhören, wenn sie einem auch Spaß gemacht hat, sagt Gerlach und lehnt sich entspannt im Sessel zurück. "Ich hatte ein schönes Berufsleben und habe, was mich selbst angeht, im Rückblick immer die richtigen Entscheidungen getroffen, so dass ich nichts bereue." Gelegentlich bekam Gerlach auch andere berufliche Angebote. "Die Regierung fragte mal bei mir an, ob ich nicht Richter am Verwaltungsgericht werden wolle." Ein andermal stellte ihm ein Münchner Ministerium den Posten des Geschäftsführers in einem Zweckverband in Aussicht. Aber das sei für ihn nicht in Frage gekommen. "Ich hab mich in Bad Kissingen immer sehr wohl gefühlt. Meine Arbeit war interessant und abwechslungsreich."

Das Schöne an seinem Beruf: Er habe in all den Jahren zahlreiche Begegnungen gehabt, aus denen oft Freundschaften entstanden. Als Beispiel nennt der Jurist den Kreistag: "Dort traf ich auf lauter Menschen, die sich um den Landkreis sorgten. Gute Ideen wurden aufgegriffen, die Sache stand stets im Vordergrund und es gab immer eine sachliche, von Respekt geprägte Diskussion zu den Themen. Das hat mich schon beeindruckt, weil es nicht selbstverständlich ist."

Das Spektrum seiner Aufgaben war vielfältig, sagt Gerlach. Manches sei einfach deshalb interessant gewesen, weil es Neuland war und man, zusammen mit anderen, Verträge aufsetzen und neue Finanzierungsmodelle entwickeln musste, wie zum Beispiel damals, als die Staatsbad Bad Kissingen GmbH gegründet wurde und es darum ging, dass auch die Stadt Bad Kissingen als Partner mit einsteigt. Ein spannendes Projekt sei auch die Gründung der KissSalis Therme gewesen. "Wie geht so eine Therme? Kann man solch ein Unternehmen langfristig überhaupt über die Einnahmen der Stadtwerke finanzieren?" Dass tatsächlich 900 Besucher pro Tag dort schwimmen gehen würden, wie damals prognostiziert wurde, erschien so manchem zweifelhaft, sagt Gerlach und lacht. "Heute wissen wir, dass es sehr wohl möglich ist."

Außergewöhnliche Aufgaben

Außergewöhnlich war damals auch, als durch die Fußball-Weltmeisterschaft zwei Mannschaften in den Landkreis kamen und hier trainierten - Kroatien war in Bad Brückenau und Ecuador in Bad Kissingen. Der Landkreis überlegte damals, ob und wie der sich eventuell finanziell an der Vermarktung beteiligt, sagt Gerlach. Es wurde dann eine Vermarktungsgesellschaft gegründet und auch der Kreis brachte 100 000 Euro in diese Gesellschaft ein. "Rückblickend gesehen, hat sich das dann aber nicht ausgezahlt."

Spannend sei an seinem Beruf gewesen, dass man immer hautnah bei Entscheidungen dabei war, sagt Gerlach. Egal, ob es beispielsweise um die Privatisierung des Hammelburger Krankenhauses oder um die Überführung des Kreisomnibusbetriebs in eine GmbH mit der OVF ging - man kannte die Fakten und bemühte sich um Lösungen.

Und dann beschäftigte den Kreistag natürlich immer wieder die Frage, wie man die Deponie letztendlich bezahlen sollte, ob mit oder ohne Fremdmüll. Eine spannende Zeit, die jedoch auch Nerven und so manch schlaflose Nacht kostete, gesteht Gerlach schmunzelnd. Heute hingegen ist klar, dass die Ausgliederung der Abfallwirtschaft aus dem Kreis-Haushalt und die Gründung eines Eigenbetriebs, der schließlich in ein Kommunalunternehmen mündete, die beste Lösung war, sagt Gerlach. Denn die durch den Deponiebau Anfang der 1990er Jahre entstandenen hohen Schulden konnten so aus dem Kreishaushalt schließlich herausgenommen und in den folgenden Jahrzehnten im Kommunalunternehmen kontinuierlich abgebaut werden. Der Eigenbetrieb hatte damals 7,6 Millionen Euro Altschulden aus dem Deponiebau übernommen, die Ende 2018 getilgt waren.

Verglichen mit der finanziellen Situation in den 1990er Jahren stehe der Landkreis heute sehr gut da, sagt Gerlach. Wenn man an solch einem Konsolidierungsprozess mitgewirkt hat, gebe einem das ein sehr gutes Gefühl. "Man sieht einfach im Rückblick, dass man etwas Produktives gemacht hat."

Isolde Krapf

Werdegang Nach dem Jurastudium in Würzburg und Referendariat in Bamberg bewarb Manfred Gerlach sich bei der Regierung von Unterfranken in Würzburg. Vier Jahren dort folgten zweieinhalb Jahre als Abteilungsleiter im Landratsamt Schweinfurt. Am 1. Oktober 1987 war sein erster Arbeitstag als Regierungsrat im Landratsamt Bad Kissingen. 1987 übernahm er gleich mit der Kommunalaufsicht einer der vier großen Abteilungen im Landratsamt. 2003 wechselte er, dann schon als Regierungsdirektor, zur Abteilung Zentrale Angelegenheiten über und wurde damals auch zum Werkleiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft bestellt. 2005 wurde er Vorstand des damals neu gegründeten Kommunalunternehmens.

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