Bad Kissingen
Jugendhilfe-Ausschuss

Jugendberatung immer wichtiger

Seit 1997 müssen die Landkreise Bestand, Bedarf und Projektierung von Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe selbst aktiv ermitteln.
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Die Einflüsse, die heutzutage auf junge Leute einprasseln, werden stets vielfältiger und diffuser. Deshalb sorgt man im Rahmen der Jugendhilfeplanung dafür, dass Kinder und Jugendliche Ansprechpartner haben. Foto: Patty Varasano
Die Einflüsse, die heutzutage auf junge Leute einprasseln, werden stets vielfältiger und diffuser. Deshalb sorgt man im Rahmen der Jugendhilfeplanung dafür, dass Kinder und Jugendliche Ansprechpartner haben. Foto: Patty Varasano

Das muss man in der Jugendhilfeplanung bedenken: Junge Leute brauchen künftig vielleicht mehr qualifizierte Ansprechpartner in einer Welt, die stets komplexer wird. Kinder und Jugendliche stehen heute vielfach unter Leistungsdruck, müssen in der Schule stark sein, den Idealen der Eltern entsprechen und im sozialen Umgang glänzen. Probleme, Sorgen, Ängste bleiben da nicht aus. Doch so leicht suchen junge Menschen keine offizielle Beratungsstelle auf, wenn sie sich ihrer Probleme denn überhaupt bewusst werden. Sie sprechen vielleicht mit dem Freund aus der Karateschule, dem Fußballtrainer oder dem Leiter vom örtlichen Jugendtreff über das, was ihnen Sorgen macht. Bei der Kommunalen Jugendhilfeplanung geht man davon aus, dass "Jugendberatung" so funktionieren kann, und deshalb der gesetzliche Auftrag des Landkreises (SGB VIII) erfüllt wird.

Seit 1997 müssen die Landkreise Bestand, Bedarf und Projektierung von Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe selbst aktiv ermitteln. Diese Jugendhilfeplanung hat sich etabliert und gute Ergebnisse gezeitigt. 2001 wurde die Jugendberatung als neuer Planungsbereich aufgenommen. Im jüngsten Jugendhilfe-Ausschuss stellte Kreisjugendpflegerin Melanie Schäfer die Fortschreibung vor. Jugendberatung ist ihren Ausführungen zufolge eine allgemeine Beratung von Ehrenamtlichen aus Gruppen, Verbänden und Vereinen der Jugendarbeit.

Auch Hauptamtliche aus Kommunen (Jugendpfleger) oder Kirche (Jugendseelsorger) können Jugendberatung leisten. Ein solches Angebot ist an den "individuellen, persönlichen Problemlagen" der jungen Menschen orientiert und setzt "keine akute Notlage" voraus, heißt es im neu aufgelegten Planungsbericht. Die Beratung soll niedrigschwellig erfolgen und "nahezu unbewusst im Rahmen von Gesprächen".

Vielschichtige Anforderungen

Liegen akute Problemlagen vor, müssen die jeweiligen Gesprächspartner die jungen Leute an professionelle Stellen weiterleiten. Bei der Suche nach der richtigen Beratungsstelle kann dann die HELP-Broschüre des Landkreises weiterhelfen, in der das breit gefächerte Beratungsangebot im Landkreis umfassend dargestellt ist.

Aus dem neusten Planungsbericht geht dennoch klar hervor: Jugendberatung wird immer wichtiger. Denn die gesellschaftlichen Strukturen verändern sich, werden vielschichtiger und undurchsichtiger. Die Großfamilie, in der man früher zahlreiche Ansprechpartner hatte, gibt es nicht mehr. Oft werden Kinder und Jugendliche durch die Trennung oder Scheidung ihrer Eltern aus dem persönlichen Lebensumfeld gerissen und müssen umziehen. Und nicht zuletzt sind da die digitalen Medien, die eine unübersichtliche Welt bieten, in der sich die jungen Leute zurechtfinden müssen.

Bei einem Netzwerktreffen verschiedener Institutionen sei klar geworden, dass es eine Vielzahl verschiedener qualifizierter Beratungsmöglichkeiten im Landkreis gibt, sagte Schäfer im Ausschuss. Und dennoch würden bestimmte Problembereiche bei diesen Beratungsstellen noch nicht erfasst. Dazu gehörten Themen wie selbstverletzendes Verhalten, Ess-Störungen, psychische Auffälligkeiten oder die Aufklärungsarbeit hinsichtlich sexueller Gewalt.

Eine allgemeine, hauptamtliche Jugendberatung gibt es derzeit nur bei der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes in Form einer wöchentlichen offenen Jugendsprechstunde.

Akuter Handlungsbedarf, eine Jugendberatungsstelle einzurichten, gebe es derzeit nicht, heißt es im Planungsbericht. Dennoch könne sich das irgendwann ändern. Dann empfehlen die Planer dem Landkreis, gleich an mehreren Stellen im Landkreis - konkret in Bad Brückenau, Bad Kissingen und Hammelburg - Jugendberatungsstellen einzurichten. ikr

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