Steinach an der Saale
Stolperstein

Jüdischer Handwerker im Visier der Gestapo

Im Würzburger Stadtgebiet wurden am Dienstag 20 weitere Stolpersteine für Opfer der Nationalsozialisten verlegt. Einer davon ist für den in Steinach geborenen Adolf Stern.
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In Würzburg hat der Künstler Gunter Demnig (das Bild zeigt ihn bei einer Aktion in Bad Kissingen) jetzt wieder Stolpersteine verlegt. Einer davon ist für den in Steinach geborenen Adolf Stern. Foto: Archiv Siegfried Farkas
In Würzburg hat der Künstler Gunter Demnig (das Bild zeigt ihn bei einer Aktion in Bad Kissingen) jetzt wieder Stolpersteine verlegt. Einer davon ist für den in Steinach geborenen Adolf Stern. Foto: Archiv Siegfried Farkas

Zum 27. Mal kam am Dienstag der Künstler Gunter Demnig nach Würzburg, um zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus 20 weitere Stolpersteine im Würzburger Stadtgebiet zu verlegen. Dieses Mal stehen jüdische Handwerker im Mittelpunkt der Aktion. Einer dieser Handwerker war Adolf Stern. Er wurde am 9. Januar 1890 in Steinach/Saale geboren.

Aufgrund einer Erkrankung war er seit seiner Kindheit taubstumm. Im Alter von 16 Jahren begann Adolf Stern eine Lehre als Graveur in Mannheim, wo er als Graveurgehilfe von 1910 bis 1912 arbeitete. Adolf Stern kam 1919 nach Würzburg. Er trat hier eine Stelle bei der Gravieranstalt Kilian Ruckert an, ging dann noch mal für kurze Zeit unter anderem nach Homburg, um schließlich ab 1924 endgültig in Würzburg zu bleiben.

Im Zuge der Verhaftungswelle während der Pogromnacht 1938 wurde Adolf Stern am 10. November verhaftet und am 11. November in Würzburg verhört. In diesem Verhör bestätigt er, dass er seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet und seit Jahren bei einer Würzburger Firma beschäftigt ist. Alfred Stern bat um die Entlassung aus der Haft, da er sich um seinen Lebensunterhalt kümmern müsse. Der Bitte wurde nicht entsprochen und er wurde ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

Während die Würzburger Gestapo Adolf Sterns "Sprechvermögen und Sprachaufnahme" als "sehr gut" beschrieb und ihn für haftfähig erklärte, kam der Lagerarzt in Buchenwald zu einer anderen Einschätzung: In einem Telegramm vom 12. Dezember 1938 an die "Stapo Würzburg" wird diese aufgefordert, Adolf Stern abzuholen, da er wegen seiner Gehörlosigkeit als für "nicht haftfähig" befunden wurde. Am 15. Dezember 1938 erfolgte seine Entlassung. Bei der Gestapo Würzburg musste er sich fortan regelmäßig melden.

Adolf Stern entging zunächst dem Schicksal vieler jüdischer Würzburger, die nach der Pogromnacht ihre Geschäfte aufgeben mussten, ihre Arbeit verloren oder schon verloren hatten und später vielfach zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Sein Arbeitgeber, bei dem er erstmals 1919 beziehungsweise dann ununterbrochen seit 1924 tätig war, konnte dafür sorgen, dass er seinen von ihm geschätzten Arbeiter weiter beschäftigen durfte.

Zuverlässig und fleißig

Seit 6. November 1939 wohnte Stern in der Glockengasse 6, einem der "Judenhäuser" Würzburgs. Im Zuge der Anfang Dezember 1940 erfolgenden Hausdurchsuchungen von Wohnungen jüdischer Bürger nach eventueller "Hamsterware", wurde auch seine Wohnung ergebnislos durchsucht. Die Gestapo befragte in diesem Zusammenhang seinen Arbeitgeber, der hervorhob, dass er ihn nun seit 20 Jahren beschäftige und dieser sehr "zuverlässig und fleißig" sei. Mitte Mai 1941 stellte Kilian Ruckert den Antrag an die Gestapo, Adolf Stern von der Pflicht, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, zu entbinden, da er ihn "sehr dringend" benötigte. Die Genehmigung wurde für drei Monate erteilt.

Bis in den November 1941 blieb Adolf Stern bei Kilian Ruckert beschäftigt, der ihm noch am 22. November 1941, fünf Tage vor der Deportation, ein Arbeitszeugnis ausstellte, in dem er seinem Mitarbeiter höchstes Lob zollte und betonte, ihn ungern zu verlieren.

Am 23. November wurde Adolf Stern seine Evakuierung nach "Ostland" eröffnet. Er musste sich am 26. November in der Stadthalle (Schrannenhalle) einfinden, um dann am 27. November nach Nürnberg und von dort aus am 29. November nach Riga-Jungfernhof transportiert zu werden. Ob er sofort erschossen wurde oder noch Zwangsarbeit leisten musste oder in einer anderen Tötungsaktion ermordet wurde, ist nicht festzustellen.

Der Stolperstein für Adolf Stern wurde in der Gertraudgasse 4 in Würzburg verlegt. Karl -Georg Rötter

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