Klosterkreuzberg
Wirtewallfahrt

Jesus und die Wirte: So machen sie es richtig

Bei der Wirtewallfahrt auf den Kreuzberg hält Domkapitular em. Jürgen Lenssen den Gottesdienst
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Mit Fahnen zogen die unterfränkischen Wirte in die Klosterkirche am Kreuzberg ein.  Foto: Marion Eckert
Mit Fahnen zogen die unterfränkischen Wirte in die Klosterkirche am Kreuzberg ein. Foto: Marion Eckert
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Dass es immer weniger gastronomische Betriebe in der Region gibt, machte sich auch bei der unterfränkischen Wirtewallfahrt zum Kreuzberg bemerkbar. War vor einigen Jahren kaum ein Sitzplatz in der Kirche oder beim anschließenden Beisammensein im Antoniussaal zu bekommen, gab es heuer diesbezüglich keine Probleme. Auch die Prozession zu Beginn des Gottesdienstes fiel deutlich kleiner aus.

Dennoch ließen sich die Gastwirte nicht entmutigen und feierten mit Domkapitular em. Jürgen Lenssen, der vor einigen Jahren die Nachfolge des emeritierten Weihbischofs Helmut Bauer angetreten hat, den Dankgottesdienst.

Zuvor begrüßte Pater Georg Andlinger die Wirtsleute zum Gottesdienst. Wer mit Leidenschaft und Begeisterung Gastwirt sei, der setze sich oft mit seiner ganzen Kraft ein, vor allem, wenn es sich um einen Familienbetrieb handele. Man könne in diesem Beruf aufgehen, aber auch in der Arbeit untergehen. Da sei es gut, wenn sich die Gastwirte einmal im Jahr auf dem Kreuzberg treffen, zum Gottesdienst und zum Austausch und einem gemeinsamen Essen.

Bedeutung der Gastronomen

Auch Jürgen Lenssen griff die Bedeutung der Gastronomen für die Gesellschaft und den hohen Stellenwert, den ihr Beruf genießen sollte, auf. Dabei entwarf er auch ein Stück weit ein romantisches Bild von einem Gasthaus. Gut erinnere er sich an seinen Onkel, der Gastwirt war und in dessen Gemeinde geschimpft wurde, dass die Gastronomen am Sonntag nicht zum Gottesdienst kommen. "Müssen sie auch nicht. Sie kümmern sich in dieser Zeit um ihre Gäste, auf das sie Freude im Urlaub haben", meinte Lenssen und begründete diese Auffassung mit einer Bibelstelle, in der Jesus den Pharisäern, die sich über die Jünger ärgerten, die am Sabbat Ähren sammelten, um ihren Hunger zu stillen, klar gemacht habe, dass die Stillung des Hungers vor den Gesetzen komme.

So habe die Arbeit eines Gastwirts eine biblische Grundlage, die Lenssen mit dem Satz zusammenfasste: "Menschen Gutes tun." Wer sich dies zur Aufgabe mache, der lebe als Christ authentisch. Oft am Wichtigsten sei es für viele Gäste, dass sie in einem Gasthaus auf ein offenes Ohr stoßen. "Viele Menschen hoffen, dass ihnen jemand zuhört. Das ist ein häufiger Grund, warum jemand in ein Gasthaus geht. Da kann ich mit allem hingehen, nicht nur mit meinem Geldbeutel, sondern auch mit Sorgen und Ängsten."

Wirte als Beichtvater

Wirte seien dabei oftmals in der Rolle eine Beichtvaters. Der Vergleich mit der Kirche falle aber sicherlich zu Gunsten der Wirte aus, meinte Lenssen. Denn es gebe ein direktes Gegenüber, der Mensch werde angehört und es werde nicht gleich die moralische Keule geschwungen und verurteilt.

Ein Gasthaus könne Heimat geben und das Heimatempfinden stärken. Wenn auf der Speisekarte regionale Gerichte zu finden seien, die an die Küche der Großmutter und Mutter erinnern, dann sei auch dies ein wichtiger Baustein für die Wirtshauskultur und den Menschen. "Dann ist ein Gasthaus nicht austauschbar." Dies setze sich in einer fränkischen Gestaltung der Wirtsstube fort. "Dann wird Heimat geschaffen." Der Gast werde nicht nur abgespeist, sondern erhalte körperliche, geistige und ästhetische Nahrung. So ein Gastwirt handele ganz im Sinne Jesus.

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