Bad Kissingen
Natur

Innehalten unter Bäumen

Den Menschen Wege zu sich selbst zu zeigen, ist Ziel des Waldes für die Seele, den die Stiftung Bewusstseinswissenschaften jetzt offiziell eröffnet hat.
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Initiator des Projekts ist Dr. Joachim Galuska.  Fotos: Siegfried Farkas
Initiator des Projekts ist Dr. Joachim Galuska. Fotos: Siegfried Farkas
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Wer in Bad Kissingen in den Wald geht, kann mehr finden als Erholung, Naturerlebnisse und Pilze. Der Wald der Seele bietet dem Menschen jetzt auch Wege zu sich selbst. Der Nutzen, den Bad Kissingen aus seinen Wäldern zieht, lässt sich nur bedingt in Euro und Cent bemessen. Das Grün in der Stadt und darum herum liefert zwar auch Furnierholz, Bauholz und Brennholz. Seinen wahren Mehrwert entfaltet der Wald jedoch jenseits der Festmeter.


Nah am Klaushof

Wer Naturerlebnisse, Erholung oder Pilze sucht, findet sie dort ebenfalls. Und wer einen Weg zu sich selbst sucht, findet den unter Umständen künftig nicht weit vom Klaushof. Den Menschen Wege zu sich selbst zu zeigen, ist Ziel des Waldes für die Seele, den die Stiftung Bewusstseinswissenschaften am Donnerstag dort offiziell eröffnet hat. Initiator des Projekts ist Dr. Joachim Galuska. Sein Grundanliegen beschrieb der Gründer der Stiftung Bewusstseinswissenschaften und Sprecher der Geschäftsführung der Heiligenfeld Kliniken bei der Eröffnung als Bemühen um "mehr Aufmerksamkeit für unsere Seele, für das Bewusstsein oder den Weltinnenraum". Diesem Anliegen habe er schon immer einen Ort geben wollen.
Die Aufgabe, so ein Ort zu sein, erfüllt der Wald für die Seele nach Galuskas Worten auf vielfältige Weise. Es gibt eine Waldbühne, die jederzeit und von jedermann genutzt werden kann. Ein Heiliger Hain setze sich mit den großen Religionen, aber auch mit freier Spiritualität auseinander. Ein sogenannter Lebenslauf stellt die Phasen des Lebens in den Mittelpunkt. Wer das Labyrinth betritt, begebe sich auf den Weg zu sich selbst und finde am Ende in diesem Irrgarten vielleicht sogar zu seiner eigenen Mitte.


Projekt geht weiter

Zum Bestand gehört schon jetzt auch ein Wald für die Kinderseele. Abgeschlossen, so Galuska, sei die Entwicklung des Projekts allerdings noch nicht. Es überschreite mit der offiziellen Eröffnung lediglich eine Schwelle und zeige, was bis jetzt fertig ist.
Ideen für die Gestaltung der Abteilungen im Wald für die Seele lieferte nicht nur die Stiftung Bewusstseinswissenschaften. Auch Künstler waren beteiligt. Wie Galuska erläuterte, ging es dabei jedoch nicht einfach darum, "Skulpturen auf die Wege zu stellen". Vorgabe war, "die lebende Natur einzubeziehen". Wegen des Projekts und der Kunst dafür, durfte nichts sterben. Die Eingriffe in den Wald seien ganz allgemein behutsam gewesen. Auch bei den Wegen benutze man hauptsächlich solche, die es schon gab.
Der Wald für die Seele ist nach Angaben der Stiftung Bewusstseinswissenschaften 14,5 Hektar groß. Zur Verfügung gestellt hat das Areal die Stadt, die dafür bei der Eröffnung am Donnerstag ausdrücklich gelobt wurde. Den nach wie vor schwelenden Konflikt um Details des Projekts vermochte das aber nicht ganz zu überdecken. Galuska erklärte, im Wald für die Seele gebe es zwei Orte, die uns nicht gefallen". Er meinte damit "zwei Schießhochsitze", "die wir auf Anordnung des Oberbürgermeisters wieder hinstellen mussten". Über diese Symbole, beziehungsweise Realitäten der Jagd mitten im Wald für die Seele sei die Stiftung Bewusstseinswissenschaften "überhaupt nicht glücklich".
Bei der Eröffnung waren zwar einige Stadträte zugegen. Von der Spitze der Stadt nahm aber niemand teil. Auf Anfrage hieß es aus dem Rathaus dazu, eine "Teilnahme von Oberbürgermeister Kay Blankenburg an der Einweihung des Waldes für die Seele hat sich aus terminlichen Gründen nicht ergeben." Die Hochstände auf dem Gelände und der Umgang mit ihnen seien Vertragsgegenstand, teilte Mario Selzer mit, der persönliche Referent des Oberbürgermeisters. Die Stadt kommentiere das grundsätzlich nicht. Dafür begrüßte stellvertretender Landrat Emil Müller das Projekt für den Landkreis ausdrücklich. Wenn er in den Wald gehe, erfasse ihn "Ehrfurcht vor der Natur und ein Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit".
Klaus Klingert, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das mit einer Fördersumme von gut 70 000 Euro aus Leader-Mitteln die finanzielle Basis des Projekts bereitstellte, attestierte dem Wald für die Seele eine Alleinstellung in Bayern. Das Projekt ergänze das Gesamtpaket Klaushof aus Wildpark, Umweltbildungsstätte, Kaskadental und Pfad der Baumgiganten in idealer Weise.
Zu erreichen ist das Areal auf dem Weg zum Klaushof über die Abzweigung Richtung Ludwigsturm und Ilgenwiese. Der Eingang liegt gleich am Parkplatz.
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