Gräfendorf
Geschichte

Informative Tafeln an der "Strecke 46"

Wissenswertes über die vergessene Autobahn und ihre Ruinenreste findet sich auf neuen Infotafeln an der Strecke.
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Die Gäste der Veranstaltung zum Projekt "Strecke 46" an der Infotafel am Bahnhof. Foto: Wolfgang Schelbert
Die Gäste der Veranstaltung zum Projekt "Strecke 46" an der Infotafel am Bahnhof. Foto: Wolfgang Schelbert
Die vergessene Autobahn "Strecke 46" der Reichsautobahn von Zeitlofs bis nach Gemünden soll den Menschen in der Region und den Gästen durch sieben Tafeln mit Bildern und Informationen an ausgewählten Bauwerken nähergebracht und besser erlebbar gemacht werden.
Eine davon steht am Gräfendorfer Bahnhof, wo sich oberhalb Arbeiterbaracken und die ehemalige Laderampe befinden. Die Laderampe war ein wichtiger Umschlagplatz für das mit Dampfloks angelieferte Baumaterial, die Umladung erfolgte dort auf Schmalspurdampfloks sowie Rinder- und Pferdefuhrwerke zum Weitertransport zu den Baustellen.
Im vergangenen Jahr hat das Regionalmanagement Main-Spessart in Zusammenarbeit mit den vier Gemeinden entlang der Trasse ein Projekt zur besseren Erlebbarkeit der "Strecke 46" umgesetzt. In diesem Rahmen sind die Infotafeln an ausgewählten Bauwerken, ein Faltblatt und ein Internetauftritt (www.strecke46.de) entstanden. Zum Projektabschluss stellten Dieter Stockmann und Tatjana Reeg vom Regionalmanagement die Ergebnisse in ihren Fachvorträgen den Gästen im Gräfendorfer Rathaus vor, bevor es zu einer kleinen Wanderung zum Bahnhof ging. Mit dabei waren unter anderem mehrere Bürgermeister und Kreisheimatpfleger Bruno Schneider.
Die längste Autobahnruine Deutschlands liegt auf 70 Kilometern Länge zwischen Zeitlofs und Gemünden. Der Baubeginn fand im Jahr 1937 statt. Der Zweite Weltkrieg stoppte das Projekt, das offiziell am 4. Oktober 1939 eingestellt und daraufhin niemals fertiggestellt wurde. Die schwierigen Arbeiten an Dämmen und Brücken wurden damals zuerst durchgeführt. Zeitweise waren mehr als 4500 Arbeiterinnen und Arbeiter direkt am Bau beschäftigt, weitere 4000 Menschen direkt in Zulieferbetrieben. Übrig blieben Brücken als Autobahnunterführungen mitten in Wald oder Feld, Entwässerungsbauwerke, Quellfassungen, Wasserhochbehälter, einzelne Brückenpfeiler und Erdwälle von abgeschobenem Mutterboden entlang der Strecke. Die abgeholzte Strecke hat sich die Natur nach insgesamt 78 Jahren zurückerobert, oder sie wurde landwirtschaftlich genutzt.
Dieter Stockmann hat in den vergangenen 20 Jahren Informationen und Bildmaterial zusammengetragen und in seinem Buch "Strecke 46 - die vergessene Autobahn" veröffentlicht. In einem Filmbeitrag zeigte er in einem virtuellen Flug die auch nach so langer Zeit sichtbare Trasse aus der Vogelperspektive durch die veränderte Vegetation und die parallel dazu verlaufenden Forstwege.


Den Bau verständlich machen

"Wir haben zusammen wieder ein Objekt für unsere Gäste erstellt, damit diese sich hier über die Autobahnruine informieren können ohne einen Experten dabei zu haben", sagte Gräfendorfs Bürgermeister Alfred Frank und dankte den Verantwortlichen für das Projekt und die finanzielle Umsetzung auf sieben Tafeln.
Das Besondere der Tafeln sei auch die Darstellung der Einrichtung der Baustellen in den 30er Jahren, ergänzte Stockmann. "Wie damals gebaut wurde, das wollen wir erhalten und den Menschen verständlich machen." wsch
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