Bad Kissingen
Stadtrat

In die Altstadt kommt Bewegung

Für einige der maroden Häuser zwischen Weidgasse und Bräugasse gibt es eine Bauvoranfrage: Die Stadträte begrüßen das Projekt.
Artikel drucken Artikel einbetten
In der Altstadt sollen die Häuser Weidgasse 5 bis 9 abgerissen und durch Neubauten mit Geschäften im Erdgeschoss und Wohnungen darüber ersetzt werden.  Foto: Siegfried Farkas
In der Altstadt sollen die Häuser Weidgasse 5 bis 9 abgerissen und durch Neubauten mit Geschäften im Erdgeschoss und Wohnungen darüber ersetzt werden. Foto: Siegfried Farkas
+2 Bilder
Der Bereich zwischen Weidgasse und Bräugasse ist eine Problemzone der Kissinger Altstadt. Manche Häuser dort bröseln seit Jahren vor sich hin. Jetzt aber tut sich was. Die in Leipzig ansässige S. u. Z. Immobilien Ltd. will die Anwesen Weidgasse 5 bis 9 abreißen und durch Neubauten ersetzen. Die Bauvoranfrage des Unternehmens segnete der Stadtrat am Mittwoch mit Mehrheit ab.


Wohnen und Geschäfte

Entstehen sollen nach Angaben von Klaus Abert, dessen Architektur GmbH mit der Planung beauftragt ist, Gebäude, die Geschäftsnutzung und Wohnnutzung vereinen. Für den Bereich des Erdgeschosses seien Läden vorgesehen, mindestens drei, wie Abert am Mittwoch auf Anfrage erklärte. Die Geschosse darüber sind für Wohnungen reserviert.
Wie genau sich die fürs Wohnen vorgesehenen Bereiche aufteilen, sei noch nicht genau ausgeplant, hieß es aus Aberts Büro dazu. Das hänge auch von den Vorstellungen der künftigen Nutzer ab. Gedacht sei grundsätzlich an elf Wohnungen, erklärte Rudolf Siebenborn, Gesellschafter von S. u. Z. Immobilien, am Mittwoch.
Für die Geschäftsnutzung im Erdgeschoss steuert er nach eigenen Angaben eine Besetzung mit einer Apotheke, einem Café mit Bäckereifiliale und einem Versicherungsbüro an. Baulich, so Aberts Büro, sollen sich die neuen Gebäude harmonisch in die Umgebung einfügen. Da werde kein monolithischer Block geplant. Das Projekt bemühe sich vielmehr um altstädtische Gliederung.
Wenn alles gut geht, werde im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen, berichtete Siebenborn. Mit der Fertigstellung rechnen er und Abert für Ende 2019.
Im Zusammenhang mit der nachbarrechtlichen Genehmigung habe sein Unternehmen in der Weidgasse auch die Anwesen 12 und 13 gekauft, ergänzte Siebenborn im Gespräch mit dieser Redaktion. Diese würden 2019 auch noch saniert. Insgesamt summiere sich die Investition von S. u. Z. Immobilien in dem Bereich damit auf 5,5 Millionen Euro, erklärte Siebenborn. Die entstehenden Einheiten würden in Teileigentum verkauft.


5,5 Millionen Gesamtinvestition

Der Stadtrat beschäftigte sich am Mittwoch ausführlich mit dem Projekt. Wie Stadtplanerin Christine Schwind berichtete, ist auch das Landesamt für Denkmalpflege einbezogen worden. Die Denkmalschützer betrachteten die betreffenden Gebäude als "stadtbildprägenden und charakteristischen Bestand" innerhalb des geschützten Ensembles der Altstadt. Man habe aber festgestellt, dass sich die Bauten zum Teil in schlechtem Zustand befinden. Vor allem das Haus Weidgasse 8 weise große Schäden auf. Zum Teil seien die Räume sehr klein und Decken sehr niedrig.
Das Landesamt habe eine Dokumentation des Bestands, punktuelle Bauforschung bei den Häusern Nummer 7 und 8 sowie die Prüfung des Erhalts stadtbildprägender Substanz gefordert. Nicht Stadtbildprägendes und Teile, deren Erhalt unzumutbar ist, sollten durch ensemblegerechte Bauten ersetzt werden. Auch wenn die Ergebnisse der Bauforschung noch nicht vorlägen, seien die Anliegen in den Gesprächen mit dem Bauherrn aufgenommen worden. Für das Haus Weidgasse 7, das die Ansicht vom Klieglplatz her maßgeblich bestimmt, sei dabei ein Ersatz erarbeitet worden, "der die alten historischen Strukturen aufnimmt und in einer neuen Sprache wieder abbildet".
Grundsätzlich empfahl die städtische Bauverwaltung dem Stadtrat, dem in den Gesprächen mit dem Bauwerber erarbeiteten Entwurf zuzustimmen. Das Projekt füge sich von seiner Höhe her in die Umgebung ein. Die überbaute Fläche sei mit dem Bestand vergleichbar.
Die vorgegebenen Abstandsflächen halte der geplante Bau zwar nicht ein. Angesichts der historisch dichten Bauweise tue das aber auch die umgebende Bebauung nicht. Schon während der Debatte signalisierten praktisch alle im Rat vertretenen Gruppen Zustimmung. Oberbürgermeister Kay Blankenburg etwa sagte, wenn damit eine "Initialzündung" erfolge und "einer zeigt, da kann man was ganz Schmuckes draus machen", dann sei das in seiner Wirkung für die Entwicklung der Altstadt an dieser Stelle kaum zu überschätzen: "Noch dazu, wenn das Ergebnis denkmalschutzrechtlich akzeptabel ist."


Differenzen in Detailfrage

Dennoch gab es bei der Entscheidung acht Gegenstimmen. Das ist jedoch kein Hinweis auf eine Abneigung gegen die Verbesserung der Situation dort. Es hatte vielmehr mit einem weiteren Wunsch des Bauherrn zu tun. Dabei geht es um einen Grundstückszwickel zwischen Judenhof und Wahlerbräuparkplatz. Der soll zum Teil überbaut werden, wofür sieben Pkw-Stellflächen verloren gehen. Das gefiel einigen Ratsmitgliedern nicht, es war aber in den Gesamtbeschluss eingebunden.
Dass der Bauherr durch Tausch oder Kauf außerdem ein städtisches Grundstück übernehmen will, um einen Durchgang zwischen Weidgasse und Wahlerbräuparkplatz zu öffnen, war nicht strittig. Ebenfalls nicht, dass er für die geplante Bäckerei mit Café zum Wahlerbräuparkplatz eine Terrasse ansteuert. Sie soll nur etwas kleiner werden als der Bauherr jetzt noch will. far
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren