Bad Kissingen
Gottesdiensttest

Herz-Jesu-Kirche in Bad Kissingen: Ein gut besuchter Sonntagsgottesdienst

Heute sind wir zu Besuch in der Stadtpfarrkirche Herz Jesu Bad Kissingen. Zahlreiche Gläubige besuchten den Gottesdienst an einem Feriensonntag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Stadtpfarrkirche Herz Jesu von Bad Kissingen ist erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden. Das im neugotischen Stil errichtete Gotteshaus wurde auch wegen der ständig steigenden Kurgastzahlen errichtet.Heike Beudert
Die Stadtpfarrkirche Herz Jesu von Bad Kissingen ist erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden. Das im neugotischen Stil errichtete Gotteshaus wurde auch wegen der ständig steigenden Kurgastzahlen errichtet.Heike Beudert

Das Urteil unseres Testers:

Dieser Sonntagsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche Herz Jesu hatte den guten Besuch verdient. Selbst wenn die Messe mit einer guten Stunde eiligen Gottesdienstbesuchern vielleicht etwas zu lange gedauert hatte, gab es keine Längen. Liturgie und Musik waren harmonisch abgestimmt. Neben der Predigt waren die Fürbitten sehr zeitgemäß und aktuell. Pfarrer Greier versuchte stets Blickkontakt zu den Gläubigen aufzunehmen, was Nähe und Verbundenheit erzeugte, selbst bei einer Kirche dieser Größenordnung. Die liturgischen Texte verlas der Geistliche nicht wie eine Litanei, sondern sehr akzentuiert. Auch hierbei bemerkte man sein Bemühen, immer den Gläubigen offen zugewandt zu sein. Allerdings war auch in Bad Kissingen der Altersschnitt der Besucher hoch. Der Rollatorparkplatz im Seitenschiff sprach Bände. Es ist davon auszugehen, dass nicht nur Gemeindemitglieder die Bänke füllten, sondern auch Gäste Bad Kissingens am Sonntagsgottesdienst teilgenommen haben.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg Der Pfarrer zog festlich in die Kirche ein, auch an einem Sonntag im Ferienmonat August - mit vier Ministranten, was die Feierlichkeit natürlich erhöht. Die einleitenden Worte des Pfarrers waren herzlich und warm und nahmen die Gläubigen schnell mit in das Gottesdienstgeschehen hinein.

Erstaunlich war der gute Besuch des Gottesdienstes. Die Bänke waren bis hinein in die letzten Reihen gefüllt, selbst die hinten aufgestellten Stuhlreihen waren weitgehend besetzt.

2. Musik Organist Burkhard Ascherl fand nicht nur sprichwörtlich den richtigen Ton für eine ausgewogene musikalische Begleitung während des Gottesdienstes. Schön war, dass die liturgischen Worte zur Gabenbereitung mit einer leisen Orgelmusik unterlegt wurden, was dem Vorgang noch mehr Würde gab. Die Musik war aber trotzdem so zurückgenommen, dass der Pfarrer jederzeit gut zu verstehen war. Die Liedauswahl für den Gemeindegesang war so gewählt, dass auch das Volk gut mitsingen konnte und es auch tat. Angenehm das Orgelstück am Ende des Gottesdienstes, das nochmals zum Zuhören einlud.

3. Lesungen Zwei Lesungen wurden in dem Gottesdienst vorgetragen. Beide waren im Kirchenraum bis in die hinteren Reihen gut zu verstehen. Die Bibeltexte wurden im Wechsel von einem Mann und einer Frau vorgetragen. Das luftige Lesepult sorgte dafür, dass die Lektoren nicht hinter einem Holzwall verschwanden, sondern nicht nur gut zu hören, sondern auch zu sehen waren.

4. Predigt Pfarrer Gerd Greier predigte sehr volksnah und anschaulich. Er wählte aus dem Leben gegriffene Beispiele. Natürlich war das Lukas-Evangelium, das an diesem Tag auf dem liturgischen Kalender stand, auch ein dankbares, leicht verständlich zu machendes geistliches Thema. Es ging um Teilen und dem Streben nach immer mehr. "Hütet Euch vor der Habgier" - dieses Bibelwort aus dem Evangelium nahm Gerd Greier immer wieder im Verlauf seiner Predigt auf. Beeindruckend war, dass der Geistliche seine Predigt komplett in freier Rede hielt. Er bewegte sich dabei - mit Mikrofon in der Hand - im gesamten Altarraum. Dadurch war es ihm möglich, immer wieder auch den Blickkontakt zu den Gläubigen zu suchen und so mit seinen Worten direkt anzusprechen.

5. Kommunion/ Abendmahl Die Kommunion wurde in Form einer Wandelkommunion gereicht. Mehrere Kommunionhelfer verteilten die Hostien so, dass der Ablauf zügig war. Erfreulich: Unter den Kommunionhelfern war auch eine ganz junge Frau. Nach dem Austeilen der Kommunion hatten die Gläubigen ausreichend Zeit, um kurz inne zu halten, ehe der Gottesdienst fortgesetzt wurde.

6. Segen Über den Segensspruch am Ende des Gottesdienstes hinaus ging Pfarrer Gerd Greier in sehr persönlicher Weise kurz auf die Tatsache ein, dass während des Gottesdienstes eine Kirchenbesucherin einen Schwächeanfall erlitten hatte und der Rettungsdienst geholt werden musste. Es kamen von ihm die besten Genesungswünsche, aber auch gleich der Dank dafür, dass hierzulande schnelle Hilfe möglich ist. Dafür gab es dann auch Beifall der Gläubigen. Wie in vielen Gemeinden üblich, gab es dann noch einen Hinweis auf anstehende Gottesdienste. Nach dem Schlusssegen zogen Pfarrer und Ministranten unter den Klängen der Orgel festlich aus der Stadtpfarrkirche Herz Jesu aus.

7. Ambiente Die Stadtpfarrkirche Herz Jesu ist kirchenhistorisch gesehen noch richtig jung. Erst 1884 wurde sie eingeweiht. Im gotischen Stil erbaut, erwartet den Besucher zur Gottesdienstzeit - auch dank des guten Besuchs - ein freundlich wirkender, aber eher schlicht gehaltener Kirchenraum. Auch im Chor konzentriert sich der Blick vor allem auf das Geschehen direkt am Altar. Das ist natürlich wirkungsvoll, wenn der Prediger wie an diesem Sonntag mit Mikrofon direkt vor den Gläubigen steht. Optische Akzente werden durch eine geschickte Kerzenbeleuchtung im Altarraum gesetzt. Das vermittelt Wärme.

8. Kirchenbänke Angenehm für etwas verfrorene Naturen ist selbst mitten im Hochsommer, dass die Holzbänke der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche mit einem Filzbelag ausgelegt sind. Außerdem nimmt der Filz auch etwas die Härte vom Holz. Das erhöht den Sitzkomfort deutlich. Die Kniebänke sind leicht gepolstert. Etwas breiter könnte die Ablagefläche für die Gesangbücher sein. Wer die Enge in den Bänken nicht mag, hat im hinteren Teil der Kirche die Möglichkeit auf moderne Stühle auszuweichen.

9. Beleuchtung Die Lichtverhältnisse in der Kirche sind gut. Hilfreich sind da sicherlich auch die weißen Wände, die zusätzlich das Gefühl von Klarheit und Helligkeit im Gotteshaus vermitteln. Die Beleuchtung im Kirchenraum ist so, dass auch die Texte und Noten im Gesangbuch gut lesbar waren. Deutlich dunkler ist selbst bei Gottesdiensten der Eingangsbereich. Diesen haben die Gläubigen aber ohnehin während des Gottesdienstes im Rücken. Der düstere Teil der Kirche wird genutzt, um dort Opferkerzen anzuzünden. Diese kommen durch das fehlende Licht sogar besser zur Geltung als an einem hell angeleuchteten Standort.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

Kommentare (3)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren