Elfershausen
Engagement

Hammelburgerin unterrichtet Mütter in Sambia

Ihr Einsatz in der Metropole Kabwe lässt Lina Schiebl nicht mehr los - Vortrag im Gästehaus Ullrich
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Lina Schiebl zeigt Müttern in Kabwe den Umgang mit der Nähmaschine, damit sie einen Broterwerb haben. OM
Lina Schiebl zeigt Müttern in Kabwe den Umgang mit der Nähmaschine, damit sie einen Broterwerb haben. OM
Es wird nicht nur leichte Kost, die Lina Schiebl bei ihrem Bildervortrag im Gästehaus Ullrich am Freitag um 19 Uhr beim Lions-Club Hammelburg-Trimburg-Saaletal präsentiert. Die 20-jährige Hammelburgerin ist nach einem Jahr in Sambia auf Zwischenstation in der fränkischen Heimat.
Die Not unter den Armen in der sambischen Metropole Kabwe und zugleich deren Herzlichkeit lässt die Fachabiturientin nicht mehr los. Sie möchte deshalb noch ein Jahr in der Ferne dranhängen und bricht dazu in Kürze wieder auf.


Es gibt noch viel zu tun

"Es gibt noch so viel zu tun", sagt sie von ihrer Arbeit mit der Operation Mobilisation (OM) vor Ort. Aktuell geht es um den Ausbau einer Missionsstation, wo Frauen darin geschult werden, sich mit eigener Hände Arbeit über Wasser zu halten.
Das Überleben in der Stadt mit 220 000 Einwohnern ist für viele ein täglicher Kampf. Kabwe gilt als einer der schmutzigsten Plätze der Welt, weil das Land ringsherum unter früherem Zinkabbau leidet und kaum fruchtbar ist. Kinder spielen auf den mit Kadmium und Blei bedeckten Hügeln ringsherum. Das Blut vieler Einwohner ist mit Metallen belastet. Lina Schiebl gehen die Frauenschicksale in diesem lebensfeindlichen Umfeld unter die Haut. Etwa das der 27-jährigen Garcia (Name geändert), die vor zehn Jahren in ihrem Dorf zwangsverheiratet wurde und mit acht Kindern von ihrem Mann wegen einer anderen Frau sitzen gelassen wird.In der Missionsstation lernen bislang 28 Frauen Nähen und Schmuck anzufertigen, um sich auf diese Weise ein Geschäft aufzubauen. So sollen sie mit Würde ihre Kinder großziehen können.
Unterricht zu halten ist nicht einfach. Es gibt 73 Sprachen und Dialekte. "Ein paar Brocken Bemba kann ich", sagt Lina Schiebl. Englisch können längst nicht alle Frauen. Die Verköstigung ist, genauso wie die Ausstattung, spartanisch. Oft gibt es dreimal täglich Maisbrei, der mit den Händen gegessen wird.


Häufig Stromausfälle

Ihren Heimaturlaub möchte Lina Schiebl nutzen, um auch Mittel für eine Erweiterung des Schulprojektes zu sammeln. Aktuell ist ein Neubau mit drei Klassenzimmern in Arbeit, der nach Möglichkeit um das Doppelte erweitert werden soll. "Wir müssen vielen Frauen absagen, die auch lernen wollen", bedauert Schiebl. Nach der Erweiterung soll auch Catering, Kochen und Stricken unterrichtet werden.
"Da sieht man das Leben plötzlich mit ganz anderen Augen", fasst die junge Frau das bisher Erlebte dankbar zusammen. Ständig wird das Improvisationstalent geschärft. Zumal bis zu zweitägige Stromausfälle oder Unterbrechung der Wasserversorgung in der Metropole durchaus üblich sind. Mit vergleichsweise wenig Mitteln könne viel Hilfe zur Selbsthilfe erreicht werden, wirbt die Referentin um ein offenes Ohr.
Was Lina Schiebl nach ihrer Rückkehr 2018 machen möchte, steht für sie noch nicht fest. Möglicherweise möchte sie auch, geprägt von ihren Glaubenserfahrungen in der Brüdergemeinde Bad Kissingen, an der Universität in Liebenzell Soziale Arbeit oder Theologie studieren.
Die Organisation OM, für die sie demnächst wieder in Sambia ist, hat weltweit 3400 Mitarbeiter aus mehr als 110 Nationen. In 115 Ländern möchten sie laut eigenem Anspruch Menschen eine Botschaft der Hoffnung anbieten und von Jesus erzählen. dübi
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