Hammelburg
Glaube

Hammelburg: Geborgenheit für alle im Martin-Luther-Haus

Die evangelische Kirchengemeinde Hammelburg feierte mit vielen Gästen fröhliche Einweihung ihres neuen Gemeindehauses. Die Regionalbischöfin Gisela Bornowski gab in ihrer Festpredigt ein Versprechen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zur Freude des Tages flatterte die Fahne am Kirchplatz vor dem Martin-Luther-Haus und der Kirche im Wind. Foto: Wolfgang Dünnebier
Zur Freude des Tages flatterte die Fahne am Kirchplatz vor dem Martin-Luther-Haus und der Kirche im Wind. Foto: Wolfgang Dünnebier

Einen Einstand nach Maß feierte das evangelische Gemeindehaus bei seiner Einweihung am Sonntagvormittag. Viele gut gelaunte Menschen waren beim Festgottesdienst und dem anschließenden Empfang dabei. 13 Jahre vergingen vom ersten Gedanken für das Projekt, über die erste konkretere Planung 2009 bis zur Fertigstellung. Umso größer fiel nach 20-monatiger Bauzeit jetzt die Freude aus.

Regionalbischöfin Gisela Bornowski wartete in ihrer Festpredigt mit einem Versprechen an alle Menschen auf. "In dem Haus Geborgenheit erfahren und Geborgenheit schenken, dass ist unser Auftrag", ermunterte sie zur Teilnahme am Gemeindeleben. Das Haus sei nicht nur für die da, die immer da sind, sondern auch für Neue und Neues. "In Gottes Gemeinschaft gibt es nur Hausgenossen", warb sie für das solidarische Miteinander und die Bereitschaft, Fremde aufzunehmen. In einer Zeit, in der die Kirche für viele weniger relevant sei, müsse man sich diesen Herausforderungen mit Mut zur Erneuerung stellen.

940 000 Euro Kosten

"Wenn alle Gemeinden so lebendig sind, ist mir um unsere Kirche nicht bange", fügte die Regionalbischöfin an. Rund 200 Menschen kämen wöchentlich in dem Haus zusammen. Das Gebäude sei wichtiger Ausdruck des Miteinanders. Die Baukosten bezifferte sie auf 940 000 Euro.

Pfarrer Robert Augustin sprach von einem Jahrhundertereignis für die Gemeinde. "Der jetzige Standort war so etwas wie ein letzter Versuch. Irgendwie eine Notlösung", räumte Augustin ein. Mehrere andere Lösungen um die Kirche herum mussten aufgrund der Platzverhältnisse verworfen werden.

Achse zum Gemeindeleben

Er selbst habe bei der Gestaltung zunächst von einem Eisenbahnwaggon gespöttelt. Nach der Vollendung höre er nur noch positive Stimmen. "Und ich selbst liebe den direkten Übergang von der Kirche in das Gemeindehaus", gestand der Pfarrer. So sei eine direkte Achse zwischen Altar und Gemeindeleben entstanden.

Augustin dankte ehrenamtlichen Helfern, Handwerkern, Spendern und den beiden harmonierenden Architekten. Als Geldgeber schloss er in seinen Dank auch die Stadt Hammelburg ein, die 82 000 Euro gab. Mit 25 000 Euro beteiligten sich die Gemeinden Elfershausen, Oberthulba Fuchsstadt und Wartmannsroth. Mit einem Präsent bedankte sich Augustin bei Eberhard Munz als Impulsgeber für das Haus, der später genauso dem Bauausschuss angehörte, wie dessen Leiter Walter Himmler. Viele Stunden brachte auch Mesner Viktor Rein auf der Baustelle zu.

Als Angebot an die Stadt und die benachbarte Kirchengemeinde St. Johannes wertete Architekt Christof Illig vom Baureferat des Landeskirchenamtes den neu entstandenen Kirchplatz zwischen Kirche und Gemeindehaus. Eigentlich sei die Gestaltung des Hauses der Verdienst seines Architektenkollegen Markus Seifert (Karlstadt), dem er für die vertrauensvolle Zusammenarbeit dankte.

Orientierung geben

"Das Haus ist richtig gut geworden", lobte Bürgermeister Armin Warmuth auch stellvertretend für seine Kollegen aus den Umland-Gemeinden. Entgegen aller Bedenken passe sich der Bau wunderbar ein. In einer zunehmend individualisierten Welt sei es wichtig, dass die Menschen auch durch die christliche Botschaft Orientierung bekommen. Nach der Verteuerung der Baukosten sieht der neue Haushaltsplanentwurf der Stadt Hammelburg eine weitere Unterstützung von 20 000 Euro vor.

"Das Gebäude ist ja nur die Hülle", meinte Landrat Thomas Bold. Glaube brauche Herz, aber auch den Ort der Begegnung. Schon als Frobenius-Gymnasiast habe er sich bei den Schulgottesdiensten über die Solitärlage der Kirche gewundert. "Ein Pfarrzentrum gehört einfach dazu", freute er sich über die Fertigstellung des Gemeindehauses. Im Zeichen guter Ökumene gratulierte der katholische Pfarrer Thomas Eschenbacher zur Einweihung und überreichte ein Wandbild.

Pfarrer im Ruhestand Robert Rüster ging auf die Vorgeschichte der Planungen ein. Sie hatten begonnen, weil eine energetische Sanierung von Jugend- und Clubraum am Pfarrhaus in der Berliner Straße zu teuer gekommen wären. Erst wollte man dort abreißen und an gleicher Stelle neu bauen, aber dann empfahl sich die Nähe zur Kirche für einen Neubau.

Im Winter soll dort auch Gottesdienst gehalten werden, um die teure Aufheizung der Kirche zu sparen. Simone Eppler erinnerte als Vertrauensfrau der Gemeinde an die langwierigen Planungen, an denen drei Kirchenvorstands-Besetzungen beteiligt waren.Wolfgang Dünnebier

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren