Langenprozelten
Telekommunikation

Hab-net war schneller

In Langenprozelten klagen viele über die Geschwindigkeit des Internets. Eine Podiumsdiskussion sorgte für Sicherheit.
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Stellten sich bei der Podiumsdiskussion den Fragen (von links): Klaus Markert (Deutsche Telekom AG), Stephan Dausacker (Betriebsleiter Hab-net DSL), Anja Binder (Geschäftsführerin Hab-net DSL), Bernd Rützel, Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert und Erhard Glaab (Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Lohr).  Foto: Florian Sauer
Stellten sich bei der Podiumsdiskussion den Fragen (von links): Klaus Markert (Deutsche Telekom AG), Stephan Dausacker (Betriebsleiter Hab-net DSL), Anja Binder (Geschäftsführerin Hab-net DSL), Bernd Rützel, Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert und Erhard Glaab (Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Lohr). Foto: Florian Sauer
Zwei Bereiche auf einer Karte, die Erhard Glaab, Leiter des Amts für Digitalisierung, Vermessung und Breitband in Lohr, vorbereitet hatte, waren noch rot umrandet. Rot für: Mängel in der DSL-Versorgung. Doch das war ein alter Stand. Das Amt hat seine Daten aktualisiert. Jetzt haben auf der Karte Langenprozeltens alle Grundstücke einen gelben Kringel. Gelb für: Schnelles Internet mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde vorhanden.
Dennoch gibt es im Stadtteil seit Jahren Klagen über die mangelnde Geschwindigkeit der Leitungen. Ein Dickicht von Förderprogrammen und Privatisierung, von Technikfortschritt und Infrastrukturdefiziten, von Staat, Politik und Unternehmen, von Marketingversäumnissen und Konkurrenzdenken sorgt dafür, dass kaum noch jemand durchblickt - und dass die eigentlich vorhandene Technik zum Teil brach liegt.
Deswegen ging es in der Podiumsdiskussion auch erst einmal ein paar Schritte zurück, in die Vergangenheit. Schnelleres Internet für viele Langenprozeltener hatte die Deutsche Telekom AG im Jahr 2015 vor dem Einstieg der Stadt Gemünden in das zweite Förderprogramm für den Ausbau des Breitbandnetzes versprochen. Und zwar auf eigene Kosten.


Ausbau früher angemeldet

Das Unternehmen wollte Teile des Stadtteils ohne Fördergelder mit schnellem Internet versorgen. Die Stadt konnte deswegen für Langenprozelten kein Geld vom Staat beantragen, anders als für andere Stadtteile, schilderte Bürgermeister Jürgen Lippert. Doch die Langenprozeltener, die Kunden der Telekom sind, müssen nach wie vor viel Geduld aufbringen, wenn sie am Rechner sitzen. Sie sind Opfer eines Wettlaufs, den sich die Firma Hab-net, eine Tochter der Hammelburger Stadtwerke, mit der Telekom lieferte. Denn die Telekom meldete den geplanten Ausbau des DSL-Netzes für Langenprozelten aus Kapazitätsgründen bei der Bundesnetzagentur erst im Oktober 2016 an.
Da war Hab-net mit dem Ausbau praktisch schon fertig. Und zwar für Bandbreiten von bis zu 100 000 Megabit pro Sekunde, die mit der sogenannten Vectoring-Technik erreicht werden. Im Jahr 2015 hatte das Unternehmen den Ausbau von großen Teilen Langenprozeltens bei der Bundesnetzagentur angemeldet.
Im Herbst 2016 konnte man Vollzug melden, berichtete Stefan Dausacker, der technische Leiter des Unternehmens in der vom SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel organisierten Podiumsdiskussion im Rahmen seiner lockeren Veranstaltungsreihe "Dou drü g'hört geredt".
Die Telekom durfte in Langenprozelten deswegen nicht mehr tätig werden. "Der Drops ist gelutscht", brachte Bernd Rützel den Ausgang des Wettlaufs auf den Punkt. Denn die inzwischen erreichten Bandbreiten lassen eine parallele Nutzung der Leitung durch mehrere Versorger technisch nicht mehr zu. Die Übertragungen könnten gestört werden.
Im Moment müssten die meisten Langenprozeltener, die schnelles Internet wollen, deswegen zu Hab-net wechseln. Aber muss das die einzige Möglichkeit bleiben? "Können die Firmen nicht zusammenarbeiten?", fragte Bernd Rützel. Bei der Bahn müssten sich inzwischen 200 bis 300 Unternehmen auf den Gleisen vertragen, auf denen früher nur ein Unternehmen unterwegs war, so der gelernte Eisenbahner.
Bei Hab-net würde man eine Zusammenarbeit mit der Telekom sogar begrüßen, versicherte Geschäftsführerin Anja Binder bei der Podiumsdiskussion. Bei der Telekom will sie der zuständige Schweinfurter Projektleiter Klaus Markert jetzt ebenfalls anregen. Natürlich müsste man prüfen, ob Technik und Service kompatibel seien. Mit einigen größeren Stadtwerken habe die Telekom aber inzwischen solche Verträge geschlossen, informierte Markert. Bei einer Zusammenarbeit der beiden Telekommunikationsanbieter wären auf der einen Seite die Leitungen von Hab-net besser ausgelastet, auf der anderen Seite könnte die Telekom Kunden aus Langenprozelten behalten, die einen schnelleren Internetzugang wollen.
Fälle wie der von Lothar Müller könnten dann der Vergangenheit angehören. Er hatte bei der Podiumsdiskussion geschildert, dass er von Mitarbeitern der Telekom zu Hab-net geschickt worden, als er schnelleres Internet wollte. Doch Hab-net konnte ihn nicht mit Festnetz-Telefon versorgen. Denn dafür nutzt die Stadtwerke-Tochter die Telekom-Leitungen. Und in den Listen der Telekom war Müllers Grundstück als nicht angeschlossen verzeichnet, obwohl es eine Leitung ins Haus gibt. Als er nach wochenlangen Reklamationen wieder zur Telekom zurückging, war der Telefonanschluss plötzlich kein Thema mehr. "In acht Tagen war er da." Dafür ist der Datenfluss aus dem Internet jetzt wieder auf ein Tröpfeln reduziert. Michael Mahr
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