Untererthal

Großbrand in Untererthal: Zivilcourage gegen Wasserknappheit

Die extreme Trockenheit der vergangenen Wochen hat die Löscharbeiten an dem Sägewerk erschwert. Die Trinkwasserversorgung kam an ihre Belastungsgrenze, die Thulba auch.
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Mehr als 40 Stunden nach Ausbruch des Feuers in einer Holzlagerhalle des Untererthaler Sägerwerks kühlen Wassersprenger die Brandstelle weiter ab. Es gibt immer noch Glutnester. Foto: Benedikt Borst
Mehr als 40 Stunden nach Ausbruch des Feuers in einer Holzlagerhalle des Untererthaler Sägerwerks kühlen Wassersprenger die Brandstelle weiter ab. Es gibt immer noch Glutnester. Foto: Benedikt Borst
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Der Großbrand im Sägewerk Kess beschäftigt auch am Montag. Ein Fernsehteam und Fotografen laufen über das Gelände und dokumentieren die Überreste der beiden abgebrannten Lagerhallen. Die Mitarbeiter haben inzwischen unter erschwerten Umständen mit der Tagesproduktion angefangen. Wer die Bilder von dem Inferno gesehen hat, wundert sich, dass das möglich ist. Dabei wurde schon während der Nachlöscharbeiten mit dem Aufräumen begonnen.

"Es war nur ein Teil des Betriebsgeländes erfasst. Am Sonntag wurden mit Baumaschinen Wege freigeräumt, damit am Montag wieder produziert werden kann", berichtet Feuerwehreinsatzleiter Peter Sell. Anfangs haben sich die Flammen extrem schnell ausgebreitet. Allein durch die Hitze wurde trockenes Holz in unmittelbarer Nähe entzündet. Sell ist deshalb froh, dass ein großflächiges Übergreifen verhindert wurde. "Wir haben sehr viel halten können. Nur wenige Meter hinter der Brandstelle steht eine neue Trockenhalle. Dass wir die halten konnten, hatte ich erst gar nicht geglaubt", sagt er.

Landwirte zögern nicht lange

Nicht nur die Einsatzkräfte haben Haut und Haare riskiert, sondern auch einige Landwirte. Sie bewiesen in der Extremsituation Zivilcourage und halfen, indem sie Wasser aus der Thulba und der Saale zum Löschen brachten. Sebastian Heim aus Untererthal beispielsweise war mit Mitarbeiter Daniel Rösser als einer der ersten am Sägewerk. "Da stand schon alles in Vollbrand. Wir haben dann entschieden, dass wir unsere Wasserfässer anspannen und Wasser aus der Thulba herbringen", sagt er. Rund 800 000 Liter hat er am Samstag und am Sonntag aus dem kleinen Fluss gepumpt. Sie fuhren so nahe es ging ans Feuer ran und entleerten auf einen Schlag 16 000 Liter. "Wir können einfach größere Wassermengen in kurzer Zeit reinpumpen", sagt Heim.

Eingebunden war auch das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen: "Die Feuerwehr hat uns informiert", berichtet dessen Leiter Leonhard Rosentritt. Die Thulba ist aufgrund der Trockenheit ziemlich leer. Durch die massive Entnahme des Löschwassers könnten Fische und andere Tiere sterben, sagt Rosentritt. Er geht jedoch davon aus, dass in solchen Fällen auch die Versicherung greift.

Die Thulba nicht gefährdet

Keine große Gefahr sieht Rosentritt durch das Löschwasser, das wieder zurück in die Thulba floss. Im Wesentlichen habe Holz gebrannt, giftige Chemikalien und Löschschäume befürchtet der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes deshalb nicht im Grundwasser oder in der Thulba. Richtig sei auf alle Fälle die Initiative der Feuerwehr gewesen, möglichst viel Wasser aus der Saale zu holen. Die führe genügend Wasser. Umso sinnvoller sei es, dass die Löschwasser-Versorgung in den Gemeinden mittlerweile über das Trinkwassernetz gewährleistet wird: Die alten Löschweiher oder Stauwehre an Bächen wurden in vielen Kommunen durch große Zisternen oder mehr Kapazität in den Hochbehältern ersetzt.

Trinkwasser angezapft

Das lief auch in Untererthal so: "Aus der Trinkwasserversorgung wurde die Wassermenge für den Brandfall aus dem Hochbehälter Untererthal, dem Hochbehälter Gansthal und dem Hochbehälter Ofenthaler Weg sowie den dazugehörigen Wasserförderungsanlagen zur Verfügung gestellt", berichtet Prokuristin Anja Binder von den Stadtwerken Hammelburg. Die Stadtwerke stellten in der Nacht das Wasserversorgungsnetz so um, dass möglichst viel Wasser nach Untererthal gepumpt wurde. Das sei so komplex, dass die Stadtwerke gestern noch keine Angaben machen konnten, wie viel Wasser aus dem Netz entnommen wurde. In einer ersten Schätzung geht sie aber von mehreren tausend Kubikmetern, also mehreren Millionen Litern aus.

Vor allem in der ersten Phase der Brandbekämpfung wurde so viel Wasser entnommen, dass es zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung hätte kommen können. "Eine Wassermenge in dieser Größenordnung kann von den Stadtwerken technisch vor Ort nur zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellt werden", stellt Binder klar. Deshalb standen die Stadtwerke in ständigem Kontakt mit der Einsatzleitung der Feuerwehr, "um die geforderten und möglichen Löschwassermengen abzustimmen."

Zuversicht in Richtung Betrieb

Anja Binder gibt jedoch Entwarnung für die üblichen Einsätze: "Die Löschwasserreserven im Trinkwasserversorgungsnetz und in den Hochbehältern der Stadtwerke Hammelburg GmbH werden sicherlich die für einen normalen Mittelbrand benötigte Wassermenge bei einer Entnahmezeit von rund zwei Stunden gewährleisten." Zusätzliche Kapazitäten für Großbrände seien nicht üblich und würden auch sicherlich aus trinkwasserhygienischen Gründen nicht geschaffen.
Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) hat den Brand als Augenzeuge miterlebt und lobt den Einsatz der Rettungskräfte und der Landwirte. Alle hätten gemeinsam schlimmeres verhindert. "Es war erst einmal schockierend anzuschauen. Aber es hätte von der Dimension her bei der aktuellen Trockenheit ganz anders laufen können ", sagt er. Warmuth zeigte sich außerdem zuversichtlich, dass der Betrieb das Unglück gut managen werde. "Es ist erfreulich, dass die Produktion schon weitergeht."
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