Bad Kissingen
Wirtschaftsausschuss

Gewerbeflächen gehen zur Neige

Die neue Wirtschaftsförderin der Stadt sieht kurz- bis mittelfristig Bedarf, neue Gebiete in Bad Kissingen auszuweisen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Aus Sicht der neuen Wirtschaftsförderin der Stadt gehen langsam die freien Gewerbeflächen in Bad Kissingen zur Neige. Im nördlichen Kasernengelände und im Stichwort Albertshausen II sieht sie Entwicklungspotenzial.  Foto: Siegfried Farkas
Aus Sicht der neuen Wirtschaftsförderin der Stadt gehen langsam die freien Gewerbeflächen in Bad Kissingen zur Neige. Im nördlichen Kasernengelände und im Stichwort Albertshausen II sieht sie Entwicklungspotenzial. Foto: Siegfried Farkas

Diese Situation fürchtet jedes Rathaus: Ein attraktives Unternehmen will sich ansiedeln, die Kommune hat aber keine geeigneten Flächen. Bad Kissingen gehört nach Einschätzung von Svenja Melchert zu jenen Städten, die sich langsam mit dem Gedanken an so eine Situation vertraut machen sollten.

Das bestehende Angebot an Gewerbeflächen sei schon "sehr sehr übersichtlich", sagte die neue Wirtschaftsförderin der Stadt jetzt dem Wirtschaftsausschuss des Stadtrats. Aus ihrer Sicht sei es sinnvoll, erklärte sie auf eine entsprechende Frage von CSU-Fraktionssprecher Steffen Hörtler, sich "kurz- bis mittelfristig" Gedanken zu machen, wo die Stadt neue Gewerbeflächen ausweisen könne.

Kaserne und Albertshausen II

;

Im Konzept der seit Sommer bei der Stadt angestellten Wirtschaftsförderin stehen schon Hinweise, in welche Richtung sie dabei denkt. "Prüfung der Entwicklung eines mittelständischen Gewerbegebiets (GE Albertshausen II)" lautet ein Stichwort, "Entwicklung der Flächen im nördlichen Kasernengelände" ein anderes. Um möglichst bedarfsgerecht ausweisen zu können, schlägt Svenja Melchert vor, einen Konzeptrahmen zu erarbeiten mit Aussagen zu Zielgruppen und Größenordnungen.

Auch eine Unternehmensbefragung kann sei sich zur Ermittlung des Bedarfs vorstellen.

Der Vergleich mit ihrem Vorgänger Michael Wieden zeigt, Svenja Melchert hat sich für ihre Arbeit eher den klassischen Kanon der Aufgaben kommunaler Wirtschaftsförderung vorgenommen. Um den Wirtschaftsstandort Bad Kissingen insgesamt zu stärken, müssten nicht nur neue Unternehmen angesiedelt, sondern die vor Ort bereits bestehenden erhalten und gepflegt werden.

Einen Schwerpunkt bei der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts durch Neuansiedlungen sieht sie im Bereich der medizinischen Gewerbebetriebe und der gesundheitsnahen Dienstleistungen. Da seien gute Voraussetzungen für Erfolg gegeben. Zum Beleg verwies sie auf das Zentrum für Telemedizin. Als Leitthema eigne sich auch das Stichwort Mentale Gesundheit. Diese Bereiche böten zudem günstige Anknüpfungsmöglichkeiten für Tagungen, Kongresse und Schulungen.

Auf die To-Do-Liste geschrieben hat sich die neue Wirtschaftsförderin darüber hinaus die Vermarktung von Leerständen im Bereich ehemalige Hotels und Sanatorien. Sie gibt aber zu, dass Erfolge da nur sehr schwer zu erzielen sind. Schließlich stünden die Objekte in aller Regel nicht ohne Grund schon länger leer.

Chancen und Risiken

;

Eigentlich hatte sich die neue Wirtschaftsförderin nach den ersten Monaten Arbeit im Rathaus erst einmal vorstellen wollen. Um unter anderem zu berichten, wo und wie sie sich über die Besonderheiten der Stadt und ihre Akteure informiert und erste Kontakte geknüpft hat. Dazu kamen Analysen von Stärken und Schwächen Bad Kissingens sowie der Chancen und Risiken für die Stadt.

Zu den positiven Eigenschaften der Kurstadt zählt die Wirtschaftsförderin die gute Verkehrsanbindung über zwei Autobahnen und die zentrale Lage. Als positiv verbucht sie das leichte Bevölkerungswachstum und die Aufwärtsentwicklung der Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. Bad Kissingen verfüge über attraktive historische Gebäude und gepflegte Parkanlagen. Es sei ein starker Einzelhandelsstandort, biete gute Naherholungsmöglichkeiten, ein breites Veranstaltungsprogramm und verfüge über Institutionen wie das Gründerzentrum, das Zentrum für Telemedizin und pflege Zusammenarbeit mit Hochschulen.

Auf der Liste der Schwächen stehen die begrenzten Möglichkeiten bei Gewerbeflächen, ein Investitionsstau bei manchen Beherbergungsbetrieben, der "begrenzte" finanzielle Spielraum der Stadt und die fehlende Anbindung ans ICE-Netz. Mit den Schwächen unmittelbar in Zusammenhang steht zum Teil, was Svenja Melchert als Risiken der Stadt sieht. Unter anderem nennt sie da in der Fläche begrenzte Expansions- und Ansiedlungsmöglichkeiten sowie (zu) starke Fokussierung auf die Kur.

Chancen dagegen böten die Bekanntheit als Kurort, die ausgeprägte Kompetenz als Gesundheitsstandort und die Unesco-Bewerbung. Auch im Tagungs- und Kongresswesen stecke zusätzliches Potenzial.

Weil die Stadt ihre Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketingverein Pro Bad Kissingen auf neue Beine gestellt hat, erfüllt einen Teil der Wirtschaftsförderungsaufgaben inzwischen Klaus Bollwein von Pro Bad Kissingen. Er betreut Handel und Gastronomie in der Innenstadt, kümmert sich dort auch um Leerstandsmanagement sowie Bestandsentwicklung und berichtete in dieser Funktion ebenfalls erstmals im Wirtschaftsausschuss.

Leidiges Thema

;

Die Rätinnen und Räte nahmen seinen Hinweis auf den neuen Bad Kissinger Zehn-Euro-Geschenkgutschein und die Ankündigung eines 25-Euro- und eines 44-Euro-Geschenkgutscheins positiv auf.

In Bezug auf den Kissinger Sommer nahm er das regelmäßig wiederkehrende Anliegen mit, dass es doch wichtig sei, nach Konzerten noch die Möglichkeit zur Einkehr zu bieten, ohne dass die Küche schon strikt geschlossen ist. Die Wirte könnten sich ja absprechen und abwechseln. Für das Lokal oder die Lokale, die nach dem Konzert noch Zugaben aus der Küche bieten, gebe es bestimmt attraktive Möglichkeiten zu werben.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren