Schweinfurt
Verfahren

Gerichtsprozess: 6000 Euro nach Ghana überwiesen

Wegen des Vorwurfs der Geldwäsche musste sich ein 55-Jährige aus dem Landkreis Bad Kissingen vor dem Amtsgericht Schweinfurt verantworten. Letztlich kostet ihn seine Gutgläubigkeit 400 Euro.
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6000 Euro unbekannter Herkunft überwies ein Gutgläubiger von seinem Konto auf eines im afrikanischen Ghana. Nun stand er wegen Geldwäsche vor dem Amtsrichter. Bernd Wüstneck/dpa
6000 Euro unbekannter Herkunft überwies ein Gutgläubiger von seinem Konto auf eines im afrikanischen Ghana. Nun stand er wegen Geldwäsche vor dem Amtsrichter. Bernd Wüstneck/dpa

Im Spätjahr 2018 war der 55-Jährige aus dem Landkreis Bad Kissingen von Unbekannten kontaktiert worden. Es ging angeblich um einen Geldtransfer nach einem Hausverkauf in der Schweiz. 6000 Euro sollte der Mann auf sein Konto bekommen und den Betrag auf ein Konto in Ghana weiter überweisen.

Seltsamerweise wurde die Summe von einem deutschen Konto an den 55-Jährigen überwiesen, und er fragte den Auftraggeber per E-Mail, warum er das nicht selbst erledigt habe. Antwort: Er sei ein schwer beschäftigter Geschäftsmann, gerade in Belgien unterwegs, und habe keine Zeit. Der 55-Jährige fragte sogar seinen Bankberater, ob er das machen darf. Der dachte ans Außenwirtschaftsgesetz und erklärte ihm, bis 12 500 Euro sei die Auslandsüberweisung kein Problem.

Gutgläubiger wird "Finanzagent"

Das nicht, sagt der Schweinfurter Amtsrichter dem Mann am Dienstagnachmittag, aber um Geldwäsche habe es sich wohl trotzdem gehandelt. Offenbar war der 55-Jährige als "Finanzagent" missbraucht worden: 6000 Euro, von deren Ursprung er keine Ahnung hatte, hatte er aus reiner Freundlichkeit ganz bequem per Überweisung von seinem Konto außer Landes geschafft.

Der Vorwurf lautete nun vor Gericht: Geldwäsche. Dabei verdiente der Angeklagte nicht einmal mit. Ohne einen Cent Abzug wanderten die kompletten 6000 Euro nach Afrika. Der Amtsrichter ging nunmehr von Fahrlässigkeit aus - und schlug eine Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage von 400 Euro vor.

Einverstanden, sagte die Staatsanwältin. Auf das Geld darf sich der Stadtjugendring freuen.Stefan Sauer

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