Schweinfurt
Natur

Freie Sicht auf die Mainleite

Die Felder sind abgeerntet, die Wildsäue zurückgekehrt. Ziegen haben die Verstecke der Schwarzkittel dezimiert. Eine Seuche hatte die Beweidung durch Ziegen im Jahr 2018 verhindert.
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Der Main und Schloss Mainberg Fotos: Gerd Landgraf
Der Main und Schloss Mainberg Fotos: Gerd Landgraf
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Seit Mai fressen Ziegen wieder auf der Mainleite und sorgen für freie Blicke auf die Flussschifffahrt, den Steigerwald, auf Schloss Mainberg, auf die Wehranlagen und bis zur Maininsel samt der Maxbrücke.

2018 durften die Ziegen dort nicht weiden. 2017 waren mindestens drei der 25 Ziegen an Pseudotuberkulose erkrankt.

Auch noch im Folgejahr herrschte Seuchengefahr, da der Erreger der chronisch verlaufenden und bakteriell bedingten Infektionskrankheit in der Umwelt etwa ein Jahr lang infektionsfähig bleibt.

Den Mitgliedern des Vereins "Mainleite Schweinfurt/Schonungen e. V." waren zwar die Knoten am Hals von drei Tieren aufgefallen, doch wurden die vereiterten Lymphknoten nicht als Merkmal der Seuche erkannt.

Der Besitzer musste die 25 Tiere von der Mainleite und seine weiteren gut 800 Ziegen vor zwei Jahren keulen lassen.

2018 bekämpften dann die Mitglieder in Handarbeit den sofort wieder aufkommenden Wildwuchs auf den in den Vorjahren von der Verbuschung befreiten Flächen. Das geschah allerdings nur am Jägersteig, der Teil des Panorama-Rundwegs Höllental und Mainblick ist, und nur bis in eine Tiefe von 30 Metern. Der sich anschließende Steilhang wurde nicht gerodet.

Der Verein tat sich schwer, für das schwierige Gelände Ziegen für eine Beweidung aufzutreiben. "Erst im letzten Moment kam der entscheidende Tipp von unserem Mitglied Jörg Heinz", sagt Vorstandsmitglied Friedel Tellert im Gespräch mit der Redaktion.

Der von dem Gastwirt im Schießhaus ausgeguckte Mann hatte bislang Ziegen nur zum Hobby in Rannungen gehalten. Doch da etliche seiner Tiere trächtig waren, ließ er sich auf eine Zusammenarbeit ein.

Seit 15. Mai fressen nun über 30 seiner Ziegen (zur Hälfte Jungtiere) auf den Freiflächen zwischen der Peterstirn und den Hängen bei Mainberg.

Vierbeiner fressen auch Büsche

In der Win-win-Situation konnte bereits eine Freifläche auf Landkreisgebiet oberhalb von Mainberg (am Wendekreis) verdoppelt werden.

Von dort wurden dann die Vierbeiner, die anders als Schafe nicht nur Gras, sondern auch Buschwerk und selbst Brombeeren verspeisen, von Grundstück zu Grundstück geführt.

Freigestellt ist so auch wieder das Bismarck-Plateau, der Aussichtspunkt im Bereich des hinteren Jägersteigs.

Besuch bekommen die Tiere übrigens nahezu täglich von ihrem Besitzer, der jede Ziege beim Namen nennt. Ansonsten kümmern sich sechs Vereinsmitglieder um die Hornträger.

Wegen der Wildsäue, von denen nach der Ernte etwa 200 von den Feldern zurück auf die Mainleite gekehrt sind, wird häufiger der mit elektrischer Spannung geladene Weidezaun niedergetrampelt.

Abgehalten werden die Wildsäue seit heuer auch von einem Granulat, das den Schwarzkitteln vorgaukelt, dass im jeweiligen Bereich ein Artgenosse verletzt wurde. Während der sommerlichen Hitze sind von dem Verein, der für den Einsatz der Tiere nichts bezahlen muss und der für das Futter kein Geld bekommt, bis zu 200 Liter Wasser zur Tränke der Wiederkäuer zu schleppen.

Die jetzt geschaffenen Freiflächen (darunter 250 Meter am vorderen Jägersteig) vergrößert der Verein in Absprache mit dem Umweltamt der Stadt nicht.

Allerdings kommt auf dem beweideten Gebiet im Spätherbst noch eine Fachfirma zum Einsatz, die per Hand die Reste des Wildwuchs auf den 10 000 Quadratmetern beseitigt.

Gefördert wird dieser Einsatz mit Mitteln aus Brüssel. Der dem Verein verbleibende Eigenanteil von 30 Prozent wird den Jahresbeitrag der 118 Mitglieder (jeweils 25 Euro) aufzehren.

Neben den nun wieder freien Blicken in die Landschaft hat der 2014 gegründete Verein sich blühende Wiesen mit großer Artenvielfalt zum Ziel gesetzt. Dafür wurde ein Grundstück erworben, auf dem ein Insektenhotel und Obstbäume stehen, wo Nistkästen aufgehängt sind, Wildbienen Quartier bezogen haben und zwei Orchideenarten blühen.

Kein kommerzieller Weinanbau

"Es tut sich viel, es ist viel erreicht", sagt Friedel Tellert. Nicht erreicht wurde jedoch die Neuanlage von Weinbergen.

Ähnlich dem Würzburger Stein sollte sich ein Teil der Hänge zwischen Mainberg und der Schweinfurter Peterstirn zeigen. Der kommerzielle Weinanbau im Landschaftsschutzgebiet (seit 1956) ist jedoch nicht erlaubt. Gerd Landgraf

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