Oberelsbach
Ärztemangel

Erst tapezieren - dann pflastern

Seit Jahren gibt es keine Hausarztpraxis mehr in Oberelsbach. Das wird sich in einigen Wochen ändern. Gemeinschaft "Die Hausärzte" eröffnet.
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Mal eine andere Arbeit für das Praxisteam: Dr. Michael Günther (von links), Simone Günther, Katja Hey und Eva Städtler sind gerade dabei, die neue Hausarztpraxis in Oberelsbach für die Eröffnung herzurichten, was offensichtlich Spaß macht.Marc Huter
Mal eine andere Arbeit für das Praxisteam: Dr. Michael Günther (von links), Simone Günther, Katja Hey und Eva Städtler sind gerade dabei, die neue Hausarztpraxis in Oberelsbach für die Eröffnung herzurichten, was offensichtlich Spaß macht.Marc Huter
Als die Praxis von Dr. Robert Rupp 2011 geschlossen wurde, war das Bedauern in Oberelsbach groß. Kein Hausarzt mehr im Ort, weite Fahrten zur Behandlung bei anderen Ärzten, die auch nicht gerade unter Patientenmangel leiden. Zumal die Oberelsbacher Praxis nicht die einzige in der oberen Rhön war, die aus Altersgründen geschlossen wurde. Bei anderen war und ist die Schließung aus eben diesen Gründen zu erwarten.
Die Politik war für das Problem "Hausärztenotstand" sensibilisiert. Aber alle Bemühungen von Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb blieben zunächst vergeblich. Jetzt darf sie sich freuen. Direkt nach Ostern, am 3. April, eröffnet in Oberelsbach wieder eine Hausarztpraxis. "Die Hausärzte" nennt sich die hausärztliche Gemeinschaft, die bislang schon in Mellrichstadt und Fladungen tätig ist und künftig auch in Oberelsbach eine Praxis betreiben wird.
"Die Hausärzte" sind ein 2017 gegründeter Zusammenschluss der Praxen Eberhard Clarenbach und Dr. Michael Günther, wie letzterer im Gespräch mit dieser Redaktion berichtet. Das dahinterstehende Konzept, mit dem man dem drohenden Hausärztemangel in Mellrichstadt und der oberen Rhön durch die bevorstehende Pensionierung mehrerer Kollegen und den Mangel an jungen Hausärzten entgegenwirken will, habe er andernorts abgeschaut, räumt Günther ein.
Es besteht darin, in gemeinsamen Räumen mit Kollegen zu arbeiten, denen man entsprechend ihrer Belastbarkeit und ihrer Interessen möglichst flexible Arbeitszeitmodelle anbietet. Das ermögliche es zum einen älteren Kollegen, die nicht mehr Vollzeit tätig sein möchten, eine Mitarbeit in Teilzeit anzubieten.
Zum anderen wolle man, so Günther, durch die modernen Organisationsmodelle junge Kollegen zur Mitarbeit ermuntern. Gerade junge Ärztinnen will man so ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Dazu bietet die Praxis auch Weiterbildungsmöglichkeiten für angehende Fachärzte.
Im Ergebnis hat so jeder Arzt der Gemeinschaftspraxis zu festen Zeiten Sprechstunden. Weil gleichzeitig Versorgungsassistentinnen die Hausbesuche chronisch kranker Menschen übernehmen, habe sich die Zahl der Hausbesuche reduziert, die die Ärzte selbstverständlich auch weiterhin erledigen.


Weitere neue Kollegen

Dieses Konzept kommt offensichtlich bei den Ärzten an. So arbeiten jetzt neben Günther und Clarenbach mit Dr. Gerhard Welker, Dr. Christina Leutbecher und Dr. Marc Zraika insgesamt fünf Kollegen in der Ärztegemeinschaft. Zwei weitere Ärzte kommen im Laufe des Jahres noch dazu, kündigt Günther an.
Die erweiterten personellen Kapazitäten haben es der Ärztegemeinschaft nun ermöglicht, auch in Oberelsbach eine Praxis zu eröffnen. Die geeigneten Räumlichkeiten für die Filiale wurden in der bisherigen Physiotherapiepraxis im tegut-Gebäude in der Oberwaldbehrunger Straße gefunden. Die Zweigstelle wird ab April täglich von 8 bis 13 Uhr geöffnet sein, die Ärzte halten ihre Sprechstunden von 8 bis 12 Uhr. Falls die Nachfrage entsprechend ist und sich die personelle Situation weiter so günstig entwickelt, würden die Öffnungszeiten erweitert.
Bis es so weit ist, steht noch einiges an Arbeit an. In diesen Tagen werden die Räumlichkeiten her- und eingerichtet. Dabei soll die Praxis in Oberelsbach personell, IT-technisch und arbeitstechnisch ebenso eng mit den Praxisräumen in Mellrichstadt verbunden werden wie die in Fladungen. Moderne Untersuchungsgeräte sollen von allen Praxen genutzt werden. Zudem findet ein ständiger Informationsaustausch statt. Über zentral geführte Patientenakten könnten sich alle Kollegen stets über die aktuellen Befunde und Untersuchungsergebnisse eines Patienten informieren und diesen beraten und behandeln.
Denn das System habe den Schwachpunkt, dass ein Patient nicht immer von dem gewünschten Arzt betreut werden kann. Wann welcher Arzt wo zu erreichen ist, darüber soll auch in Oberelsbach ein "digitaler Stundenplan" an der Eingangstür Auskunft geben. Die Sprechzeiten der einzelnen Ärzte finden sich dann auch im Internet unter www.diehausaerzte-met.de
Fördergelder, so Günther, habe er nicht erhalten. Das sei auch nicht möglich, da die Region nicht als ärztlich unterversorgt gelte. Nach seinen Recherchen sei der weit überwiegende Teil der Hausärzte im Raum Mellrichstadt und der oberen Rhön über 60 Jahre alt, so dass in zwei bis drei Jahren mit massiven Engpässen bei der Versorgung zu rechnen sei. Eine absehbare Unterversorgung rechtfertige aber keine Förderung.
Für Bürgermeisterin Erb haben sich die zahlreichen Bemühungen in der Kreuzbergallianz, ihre Gespräche mit Ärzten oder der Kassenärztlichen Vereinigung gelohnt. Für sie ist die neue Praxis ein "Meilenstein" für das Grundzentrum Oberelsbach.
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