Bad Kissingen
Musik

Emmerling hat den Dreh raus

Eine tolle Idee: Dem gebürtigen Hammelburger, der seit sieben Jahren in Frankenheim wohnt, liegen Musik und Entertainment im Blut.Das Rote Kreuz bräuchte einen Treppensteiger, dachte Klaus Emmerling. 2018 beschloss er, das Geld für diesen Tragestuhl zu sammeln - und das auf ungewöhnliche Weise.
Artikel drucken Artikel einbetten
Egal wohin Klaus Emmerling kommt, die Zuhörer sind ganz Ohr, wenn er an der Drehorgel steht und (gelegentlich) auch Enkel Timon daneben in die Posaune bläst. Links Ehefrau Monika Emmerling.  Fotos: Isolde Krapf
Egal wohin Klaus Emmerling kommt, die Zuhörer sind ganz Ohr, wenn er an der Drehorgel steht und (gelegentlich) auch Enkel Timon daneben in die Posaune bläst. Links Ehefrau Monika Emmerling. Fotos: Isolde Krapf
+1 Bild

Klaus Emmerling hat Posaune und Saxofon gelernt. Vor drei Jahren verknallte er sich bei einem Musikanten-Treffen in Berlin ins Drehorgelspielen - und legte sich prompt eine zu.

Früher dirigierte er mehrere Kapellen und ließ sich gelegentlich auch mal als pfiffiger Moderator oder geheimnisumwitterter Zauberer auf den Bühnen der örtlichen Feste einspannen. Dem 65-Jährigen gebürtigen Hammelburger, der seit sieben Jahren in Frankenheim wohnt, liegen Musik und Entertainment offenbar im Blut.

Das merkt man, wenn er von den mehr als 20 Jahren seiner Tätigkeit als Dirigent bei der Hammelburger Stadtkapelle erzählt, oder vom ebenso langen Dirigieren bei der Musikkapelle im benachbarten Weyersfeld. Er habe 1983 sogar eine Kapelle gegründet, erzählt er.

Denn er war bei der Bundeswehr in Hammelburg beschäftigt und habe seinerzeit die musikstärksten Kollegen der damaligen Standortverwaltung (heute Dienstleistungszentrum) zusammengetrommelt, um gemeinsam Musik zu machen. Erwähnen muss man natürlich auch die Appentaler, eine Band, die er im Jahr 1999 zusammen mit Norbert Schaub, Alexander und Matthias Marx, Rainer Benkert, Udo Holzinger und Alfred Müller in Gauaschach aus der Taufe hob. Mit dem Repertoire, das Volksmusik, Oldies und Schlager beinhaltete, wurden die Saale-Franken 2004, auf Einladung von befreundeten Amerikanern, sogar zu einem "Oktoberfest" nach Los Angeles eingeladen. Emmerling konnte da allerdings leider nicht mit.

Weltrekordhalter

Übrigens ist der 65-Jährige auch bereits Weltrekordhalter. Denn damals, in den 1980er Jahren, spielte er vertretungsweise mal für ein Jahr Tanzmusik bei der Bad Kissinger OMB Big Band mit. Da sei er auf die Idee gekommen, wie er sagt, Bad Kissingen im Guinness Buch der Rekorde zu verewigen. Gesagt, getan: Emmerling spielte schließlich 16 Stunden lang Endlos-Fantasien auf den Congas (afrikanische Felltrommeln) der Band - und war damit ins Rekordbuch aufgenommen.

Und weil er für jeden Spaß zu haben ist, ließ er sich 1985 von Winfried Benkert, dem Leiter der damaligen Untererthaler Musikschule, nicht lange überreden, doch mal bei Thomas Gottschalks Sendung "Na sowas!" mitzumischen. Denn sein Kollege hatte Beziehungen nach München und leitete den Auftritt damals in die Wege.

400 Kinder dabei

400 Mädchen und Buben - alles ehemalige Schüler von Benkert - fanden sich schließlich mit Akkordeons in München ein und wurden von Emmerling bei ihrem Konzert dirigiert. Natürlich habe man da vorher mit den Kindern schon mal vor den Bavaria Film Studios in Grünwald bei München kräftig üben müssen, sagt der Allrounder. "Aber die haben das wunderbar gemacht."

Gern erzählt der heutige Wahl-Frankenheimer auch von seinen Auftritten mit der Gruppe "C 7", mit der er Tanzmusik spielte. "Da sind wir vor 25 Jahren sogar mal, zusammen mit Gotthilf Fischer und George Mc Crae, in der damaligen DDR aufgetreten", sagt Emmerling und ist heute noch von der souligen Krächzstimme des amerikanischen Rocksängers begeistert ("Rock your Baby").

Inzwischen ist Emmerling in Rente. Doch die Hände in den Schoß zu legen, passt nicht zu dem umtriebigen 65-Jährigen.

Für Treppensteiger gesammelt

Deswegen meldete er sich vor ein paar Jahren beim Patienten-Fahrdienst des BRK Bad Kissingen als Fahrer an. Seitdem sieht er immer wieder mal, dass die Rotkreuzler richtig Mühe haben, wenn sie einen schwergewichtigen Patienten ins Auto heben müssen. "Das geht auf den Rücken", ist sich Emmerling sicher. "Da beschloss ich, so ein Treppensteiger muss her, und dass ich doch beim Drehorgelspielen für diese Anschaffung sammeln könnte."

Gesagt, getan. Seit einem Jahr dreht er nun bei Festen und an öffentlichen Plätzen seinen interessanten Leierkasten. Gelegentlich wird er dabei von seinem Enkel Timon mit der Posaune unterstützt.

Fast 4000 Euro hat Emmerling, nach eigenen Angaben, für den Patienten-Stuhl beigesteuert, bis dieser dann endlich angeschafft werden konnte. Isolde Krapf

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren