Bergrheinfeld
Strom

Ein Ort voller Spannung

Das Umspannwerk Bergrheinfeld versorgt große Teile Bayerns mit Strom und ist für den Industriestandort Schweinfurt von großer Bedeutung. Es gibt jedoch auch Kritik.
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Das neue Umspannwerk Bergrheinfeld-West ist bereits in Betrieb.  Foto: Uwe Eichler
Das neue Umspannwerk Bergrheinfeld-West ist bereits in Betrieb. Foto: Uwe Eichler

Als "eines der modernsten Umspannwerke Deutschlands" wurde das Umspannwerk in Bergrheinfeld von Netzbetreiber Tennet angekündigt. Nach Abschaltung der Kern- und weiterer Großkraftwerke in der Gegend soll es nun die Stromversorgung in der Region gewährleisten. Aber wie steht es nun, vier Jahre nach Beginn der Bauarbeiten, eigentlich um das Großprojekt? Und was macht ein Umspannwerk überhaupt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Umspannwerk wurde im Zeitraum zwischen Februar 2015 und August 2018 in drei Baustufen neu gebaut und ist bereits im Betrieb. Die Fertigstellung ist laut Netzbetreiber Tennet für Ende 2019 geplant. Weil auf dem Werksgelände Reste eines mittelalterlichen Galgenplatzes entdeckt wurden, verzögerte sich der Bau um etwa sechs Monate. Die Funde wurden von Archäologen fachgerecht geborgen und im Landesamt für Denkmalpflege eingelagert. Das Investitionsvolumen für das Projekt lag laut Tennet bei etwa 100 Millionen Euro.

Was macht ein Umspannwerk?

Das Umspannwerk in Bergrheinfeld ist Teil eines sogenannten Höchstspannungsnetzes, das Strom mit einer Spannung von 380 000, bzw. 220 000 Volt von großen Kraftwerken über weite Entfernungen zu den Verbrauchsschwerpunkten transportiert. Solche Netze werden häufig als "Autobahn" für den Strom umschrieben. Von hier geht der Strom auf die Ebene der "Bundesstraßen", also zu den Netzen der überregionalen Stromversorgungsunternehmen, die den Strom dann mit einer Hochspannung von 110 000 Volt innerhalb eines größeren Gebiets verteilen und die Großindustrie versorgen. Daran sind dann regionale Verteilnetze, wie etwa das der Stadtwerke Schweinfurt geknüpft, die Industrie, Gewerbe und Haushalte mit Mittel-, bzw. Niederspannung versorgen. Verbunden sind die verschiedenen Ebenen mit ihrer unterschiedlichen Spannung jeweils durch Umspannwerke, die den Strom in eine höhere beziehungsweise niedrigere Spannung umwandeln, bis er aus der Steckdose fließt. "Das Umspannwerk ist ein wichtiger Bestandteil der bayerischen Stromversorgung und stellt sicher, dass auch in Zukunft ausreichend Strom zum Industriestandort Schweinfurt geliefert werden kann", erklärt eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet. So würde der ankommende Strom auf eine niedrigere Spannungsebene umgespannt und dann in der Region verteilt. Bis zu eine Millionen Haushalte könnten somit mit Strom versorgt werden. Außerdem wird im Werk sogenannte Blindleistung erzeugt, die für den sicheren Betrieb des Stromnetzes zwingend notwendig ist. Diese Aufgabe wurde früher von Kraftwerken wie dem angrenzenden und vom Netz genommenen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld geliefert. "Die Gesamtanlage Bergrheinfeld/West wird damit zur aktuell modernsten elektrischen Anlage im Tennet-Netz und zum wichtigsten Umspannwerk in Nordbayern", so die Sprecherin des Netzbetreibers.

Laut Tennet ist unsere Stromversorgung auch gesichert, wenn das Umspannwerk ausfällt. Grund dafür sei, dass jede Komponente des Netzes doppelt abgesichert ist. Damit könne der Ausfall einer Komponente, zum Beispiel eines Umspannwerks, kompensiert werden.

Gibt es Kritik am Umspannwerk?

Ja, die gibt es. "Uns werden ständig Informationen zurückgehalten oder immer scheibchenweise mitgeteilt, es wird nicht mit offenen Karten gespielt", sagt etwa Matthias Göbel vom Bündnis "Bergrheinfeld sagt NEIN". Die Vereinigung setzt sich gegen den Bau des umstrittenen Südlink-Hochspannungs-Korridors ein und kritisiert, dass die Pläne von Tennet nicht frühzeitig beim Bau des Werkes transparent kommuniziert wurden. Die Vereinigung stellt außerdem infrage, dass das Umspannwerk der Energiewende diene und behauptet, dass das Werk nur wegen des Südlink-Korridors benötigt würde. Eine Tennet-Sprecherin hält dem entgegen, dass die Pläne im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Bürgerversammlung vorgestellt worden seien. "Dabei haben wir deutlich gemacht, dass wir den Netzverknüpfungspunkt Bergrheinfeld-West für geeigneter erachten als den ursprünglich geplanten Knotenpunkt Grafenrheinfeld, da dadurch zwei Mainquerungen von Südlink vermieden werden können." Aaron Niemeyer

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