Schweinfurt

Ein Angebot für Leib und Seele

Mittagspause in der Kirche? Das ist schon ungewöhnlich. Bei der Vesperkirche in St. Johannis, die am 26. Januar startet, gibt es aber weit mehr als Essen und Trinken.
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Vom 26. Januar bis 9. Februar wird St. Johannis wieder zur Vesperkirche. Das Bild stammt aus dem Jahr 2019.  Fotos: Anand Anders
Vom 26. Januar bis 9. Februar wird St. Johannis wieder zur Vesperkirche. Das Bild stammt aus dem Jahr 2019. Fotos: Anand Anders
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Meine Kissinger Verwandtschaft hat schon Ende November gefragt: "Gehen wir nächstes Jahr wieder zusammen zum Essen in die Kirche in Schweinfurt?". Wer einmal in der Vesperkirche in St. Johannis war, kommt gerne wieder. Warum? Die Mischung ist etwas Besonderes. Man trifft neue Leute, sitzt mit Menschen zusammen an einem Tisch, denen man wahrscheinlich sonst nie begegnet wäre. Und ganz ehrlich: Im wunderschönen Kirchenraum von St. Johannis Mittag zu essen hat schon was.

Die Vesperkirche, die 2015 an den Start ging, will aber nicht nur Menschen zusammenbringen. Sie will auch helfen, sagt Dekan Oliver Bruckmann beim Pressegespräch. Essen gehen, das kann sich nicht jeder leisten. Wer allein ist, freut sich sicher über Gesellschaft. Das Geheimnis der Vesperkirche: Jeder kann und soll kommen. Egal, was er für einen Hintergrund hat, wie viel oder wie wenig Geld er hat, ob er einsam ist oder nicht. Wenn man zusammen an einem Tisch sitzt, spielt das keine Rolle mehr, sagen die Organisatoren. Darauf kommt es ihnen an.

Der Gedanke des Miteinanders treibt aber auch die Gastgeber an. Freiwillige, Helfer - diese Begriffe sucht man in der Vesperkirche vergebens. Wer zum Tisch geleitet, serviert, abräumt, ausschenkt und die Kuchen verteilt ist nämlich mehr als das, wird beim Gespräch deutlich: Er kümmert sich um Gäste, um ihr Wohlbefinden, wird deshalb konsequenterweise auch Gastgeber genannt.

400 Essen werden durchschnittlich am Tag ausgegeben. Pro Tag sind gut 60 Gastgeber im Einsatz, sagen Inge Stephan und Brunhilde Käser, die mit Diakon Norbert Holzheid die Tagesorganisation leiten. Das Trio an der Spitze gehört zu ein paar Neuigkeiten, die die sechste Auflage der Aktion mit sich bringt. Der Organisationsaufwand ist groß, sagt Pfarrerin Gisela Bruckmann. "Das ist ein ziemlicher logistischer Aufwand." Deswegen wird die Last jetzt verteilt.

Heuer zwei Wochen Vesperkirche

Weitere Änderung: Statt drei Wochen wie bisher dauert die Vesperkirche heuer nur zwei Wochen. Grund: In St. Johannis ist eine Pfarrstelle vakant, Vesperkirche und den normalen Betrieb mit weniger Kräften zu stemmen wäre schwierig gewesen, sagen Oliver Bruckmann und Öffentlichkeitsbeauftragter Heiko Kuschel. Das soll aber eine Ausnahme sein.

Der Preis für das Essen bleibt bei 1,50 Euro. Es gibt allerdings keine Suppe mehr vorneweg, nur Hauptgericht (mit oder ohne Fleisch), Getränke, Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Damit wollen die Organisatoren ein bisschen mehr Luft schaffen. Es kann nämlich schon mal längere Wartezeiten geben. Wer nach der Mittagspause wieder zurück zur Arbeit muss, kann da Probleme haben, kommt vielleicht nicht wieder. Ohne Suppe sitzen die Leute weniger lang am Tisch. Das kann helfen, die Wartezeiten zu verkürzen, hoffen die Organisatoren.

Dass es um mehr geht als um Essen und Trinken, zeigt sich auch wieder beim Rahmenprogramm. Rentenberatung, Haareschneiden, Handysprechstunde, Blutdruckmessung, Energieberatung gibt es. Dazu eine medizinische Sprechstunde, Schuldnerberatung, listet Luisa Mühlstein von der Diakonie auf. "Wir wollen den Leuten konkrete Hilfe vermitteln." Oliver Bruckmann spricht vom Gewinn von Selbst- und Lebenskompetenz und von Wertschätzung, die man den Gästen entgegenbringt.

Rahmenprogramm und Fotobox

Was es auch wieder geben wird: die Fotobox. Das Angebot, ein Foto von sich mitzunehmen, sei 2019 sehr gut angenommen worden, sagt Gisela Bruckmann. "Das war der Renner." Gut kommt auch das "Wort in der Mitte" an. Jeden Tag um 13 Uhr gibt es von der Kanzel einen dreiminütigen spirituellen Impuls. Katholische und evangelische Pfarrer und Seelsorger sorgen für einen Moment des Nachdenkens und des Innehaltens.

Dass es die Vesperkirche in Schweinfurt auch 2020 geben wird - selbstverständlich war das nicht. Die Defizite, die Kirche und Diakonie zu tragen haben, seien über die Jahre deutlich größer geworden, hieß es im November in einer Pressemitteilung des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Schweinfurt. Zwischen 30 000 bis 40 000 Euro sind nötig, damit alles finanziert werden kann. Bruckmann bedankt sich bei den Spendern. 15 000 Euro sind schon eingegangen. "Spenden sind notwendig", meint Bruckmann. 5000 Euro kamen übrigens von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der den mit 10 000 Euro dotierten Oswald-von-Nell-Breuning-Preis erhalten hat. Jeweils 5000 Euro gingen an die Vesperkirchen Schweinfurt und Nürnberg.

Anmelden für Kuchenspenden

Wer mithelfen möchte: Gastgeber können sich noch melden, am besten über das Formular auf der Internetseite der Vesperkirche www.vesperkirche-schweinfurt.de Kuchenspenden werden auch gerne genommen: Der Kontakt läuft über das Kuchenhandy Tel.: 0176/729 135 20.

Die Vesperkirche läuft von Sonntag, 26. Januar, bis Sonntag, 9. Februar, jeweils von 11.30 bis 14 Uhr in St. Johannis. Das Essen (Hauptgericht, Getränke, Kaffee und Kuchen) kostet 1,50 Euro für Erwachsene, 50 Cent für Kinder. Wer kann und möchte, kann den Betrag gern aufrunden. Den Gottesdienst zur Eröffnung am Sonntag, 26. Januar um 10.30 Uhr, gestalten Regionalbischöfin Gisela Bornowski und die Kantorei St. Johannis. Susanne Wiedeman

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