Ebenhausen
Asyl

Ebenhäuser Helferkreis macht sich Sorgen

Der Gemeinschaftsunterkunft in Ebenhausen wurden jetzt acht alleinstehende junge Männer zugewiesen. Die ehrenamtliche Helferin Maria Wahler fürchtet, diese Belegung könnte für Probleme mit den Bürgern sorgen.
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In Ebenhausen habe die Bereitschaft, Flüchtlinge kennenzulernen, abgenommen, sagt die ehrenamtliche Betreuerin Maria Wahler. Unser Archivbild zeigt Flüchtlinge in Berlin, deren Schatten sich an einer Bretterwand abzeichnen.  Foto: Paul Zinken
In Ebenhausen habe die Bereitschaft, Flüchtlinge kennenzulernen, abgenommen, sagt die ehrenamtliche Betreuerin Maria Wahler. Unser Archivbild zeigt Flüchtlinge in Berlin, deren Schatten sich an einer Bretterwand abzeichnen. Foto: Paul Zinken

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Bayern kommen, nimmt weiter ab. Das kann man auch an der Belegung der staatlichen Unterkünfte im Bezirk Unterfranken ablesen, wie zum Beispiel an der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Ebenhausen. Mussten sich 2013 noch 60 Personen 14 Wohnungen teilen, waren Ende September 2018 dort nur noch 33 Personen untergebracht. Jetzt kamen jedoch acht alleinstehende Männer neu dazu - für Maria Wahler vom Helferkreis Asyl eine nicht ganz unproblematische Belegung.

Debatte verschärfte sich

Denn es gab bereits heftigen Streit zwischen diesen Neuankömmlingen. Wahler und ihre Mitstreiter befürchten, dass solche Emotionen auch in den Ort hinausgetragen werden könnten und es dann zusätzliche Probleme mit den Ebenhäusern gebe. Denn die Bürger stünden den Flüchtlingen sowieso nicht mehr so offen gegenüber wie früher.

Für Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken, ist die Zuweisung von acht jungen Männern in die GU Ebenhausen "nichts Außergewöhnliches". Dahinter stehe kein bestimmter Plan. Es seien ja auch immer wieder Familien nach Ebenhausen verlegt worden, jetzt seien es eben mal junge Männer. Von den 44 unterfränkischen Gemeinschaftsunterkünften ist Ebenhausen, laut Hardenacke, sowieso eine der kleineren. "Woanders kommen mehr neue Migranten an."

Obwohl die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmals Asyl beantragten, laut Statistik seit 2015 (1,1 Mio.) stark zurückging (auf 54 000 bis September 2018), hat sich die politische und gesellschaftliche Debatte zum Thema Flüchtlinge verschärft. Das macht sich offensichtlich auch in Ebenhausen bemerkbar.

"Die Bereitschaft, Flüchtlinge zu treffen oder sie gar aufzunehmen, ist merklich gesunken", hat Maria Wahler festgestellt. Die Vorbehalte gegen Migranten würden immer größer. Die ehrenamtliche Helferin macht dafür sowohl die politischen Diskussionen rund um die jüngsten Wahlen als auch die Berichterstattung in den Medien verantwortlich. Denn die Flüchtlinge verhalten sich eigentlich wie immer, sagt Wahler. Sie laufen auch mal in den Ort und zeigen sich Kontakten gegenüber aufgeschlossen.

Abenteuerliche Geschichten

"Aber die Leute vom Dorf sind reservierter als früher." Ihre eigene Anregung bei den Bürgern, doch gemeinsam einen regelmäßigen Kaffee-Treff einzurichten, wo sich Einheimische und Migranten kennenlernen können, sei nicht angenommen worden.

Die Meisten im Dorf wissen vermutlich nicht viel über die Neuankömmlinge, wollen aber auch keinen Kontakt suchen, sagt Wahler enttäuscht. Andererseits würden am Stammtisch die "abenteuerlichsten Geschichten" darüber erzählt, welche Unsummen an Geld Flüchtlinge angeblich erhalten würden. Früher seien wenigstens über die Kleinen im Kindergarten Bekanntschaften zwischen Eltern entstanden. "Diese allgemeine gesellschaftliche Haltung, einfach generell gegen Flüchtlinge zu sein, breitet sich auch hier allmählich aus."

Aktuell leben in der Ebenhäuser Gemeinschaftsunterkunft mehrere Familien mit insgesamt etwa 20 Personen, erklärt Wahler. Zudem sind dort etliche alleinstehende Frauen untergebracht - und jetzt eben zusätzlich acht junge Männer.

Mehrere Preise ergattert

Wahler und ihr Team befürchten, dass die jungen Migranten sich in der dörflichen Struktur nicht zurechtfinden könnten.

Oft wollen sie arbeiten, dürfen aber keinen Job annehmen, weiß sie aus Erfahrung. Das erzeuge großen Frust. Die Familien und alleinstehenden Frauen aus der Unterkunft seien im Dorf hingegen bisher gut zurechtgekommen, sagt die Verantwortliche des Helferkreises. Anteil daran hat sicher der TSV, der sich schon 2015 um jugendliche Flüchtlinge sorgte und für seine Bemühungen um Integration bereits einen Preis der Egidius-Braun-Stiftung einheimste. Sehr erfolgreich ist, laut Wahler, auch das Erlebnisturnen, das der Helferkreis zusammen mit dem TSV initiierte. Auch hierfür gab's 2017 einen Unterfränkischen Integrationspreis.

Dennoch klingt Wahler nicht optimistisch. Vielleicht auch deswegen, weil der Helferkreis inzwischen sehr ausgedünnt ist. Von den anfänglich 30 Freiwilligen seien noch zehn übrig, sagt sie. Zur jüngsten Arbeitssitzung erschien die Hälfte.Isolde Krapf



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