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Stadelhofen
Agrar

Drohnen gegen den Maiszünsler

Die Schlupfwespe ist der natürliche Feind der Schädlinge in den Maisäckern. Sie kann künftig auch aus der Luft abgesetzt werden. Doch lohnt sich der Aufwand für die Landwirte?
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Oliver Reichl startet seine Drohne zum Einsatz über dem Maisacker.  Fotos: Karlheinz Haase
Oliver Reichl startet seine Drohne zum Einsatz über dem Maisacker. Fotos: Karlheinz Haase
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Ein Ausbildungsberuf ist es noch nicht, könnte es aber werden. Oliver Reichl aus Ingolstadt steht mit seiner Firma "Bayern-Drohne" Landwirten zu Diensten. Mit seinen ferngesteuerten Flugmaschinchen streut er über Maisäckern Kapseln aus, von denen jede einzelne 1100 Eier von Schlupfwespen (Trichogramma) enthält. Sie dienen der biologischen Bekämpfung des Maiszünslers, eines Schmetterlings, der in Maisäckern große Schäden anrichtet.

"Wo viel Mais angebaut wird, wird der Druck durch den Maiszünsler größer - gerade auch nach den warmen Sommern", sagt Andreas Feser, Zielgruppenmanager für Smart Farming bei der BayWa, bei einer Demonstration des Verfahrens auf einem Acker von Martin Scheiner im Karlstadter Stadtteil Stadelhofen (Lkr. Main-Spessart).

Der Maiszünsler legt seine Eier an den Blattunterseiten ab. Lässt man ihn gewähren, so schlüpfen daraus Raupen, die sich in den Maisstängel fressen. Diese Stängel brechen dann oft ab. Außerdem wird die Pflanze anfällig für Pilzbefall.

Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung schlüpfen drei bis vier Tage nach dem Abwurf der Kapseln die Schlupfwespen aus ihren Eiern. Feser: "Die können gut riechen und orten die Eier des Maiszünslers, um dann ihre Eier darauf abzulegen." Damit unterbinden sie das Ausschlüpfen der Zünslerraupe. Pro Hektar werden 110 000 Wespeneier abgeworfen. Nach zehn bis zwölf Tagen wird der Vorgang wiederholt.

Bei durchschnittlich 70 bis 80 Prozent liege die Erfolgsquote dieser Methode, berichtet Feser. Mit dem Spritzmittel "Coragen" wurden zwar 80 bis 90 Prozent erreicht, doch musste dieses in dem hoch stehenden Mais mit einem Spezialfahrzeug ausgebracht werden, das wiederum Schäden im Feld verursachte. Von den Kosten her sind beide Verfahren etwa gleich: rund 85 Euro pro Hektar.

"Wir können mit dem Drohneneinsatz den Aufwand an Pflanzenschutzmitteln reduzieren", sagt Martin Scheiner. Er baut jährlich rund 30 Hektar Mais für seine 120 Kühe an.

Die Bekämpfung per Schlupfwespen gibt es schon rund 30 Jahre, doch mussten deren Eier über Karten, die an die Pflanzen gesteckt wurden, händisch ausgebracht werden. Von der Drohne aus geht das viel schneller und einfacher. Ob und wann eine Bekämpfung notwendig ist, entscheidet der Landwirt je nach Befall. Die Haupteinsatzzeit ist im Juni. Oliver Reichl macht mit seinen 16 Drohnen auch Vermessungen, Inspektionen, Bilder oder prüft Photovoltaikanlagen. Bei der Maiszünsler-Bekämpfung hat er im vergangenen Jahr 1200 Hektar Feld beflogen. "Nicht jeder kann solche Einsätze durchführen, man muss zum Beispiel Leitungen und Windräder berücksichtigen und feststellen, ob das Fliegen hier rechtlich überhaupt erlaubt ist", sagt er. Für die Exaktheit der Flüge hilft GPS-Steuerung. Und der Abwurf jeder einzelnen Kapsel wird dokumentiert.

Wie die Eier der Schlupfwespen in die Zellulosekapseln kommen, sei Betriebsgeheimnis, hieß es bei der Vorführung in Stadelhofen. Eine weitere in der Region gab es auf einem Feld des Landwirtschaftsbetriebs Ress in Stadtlauringen-Sulzdorf (Lkr. Schweinfurt).