Bad Kissingen
Umzugspläne

Drohgebärde der Heiligenfelder

Die Heiligenfeld GmbH will aus Unmut über den Bad Kissinger Stadtrat zwei Projekte aus der Kurstadt abziehen, eines davon nach Ramsthal, eines vielleicht nach Rimpar. Mit Rimpar verhandelt die GmbH nämlich seit einem Jahr.
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Die Heiligenfeld-Geschäftsführung machte zu Ostern auf Plakaten in Bad Kissingen (im Bild die städtische Vinothek) ihrem Unmut über die Stadtpolitik Luft. Zwei Vorhaben will das Unternehmen nun für die Stadt streichen.  Foto: Wolfgang Dünnebier
Die Heiligenfeld-Geschäftsführung machte zu Ostern auf Plakaten in Bad Kissingen (im Bild die städtische Vinothek) ihrem Unmut über die Stadtpolitik Luft. Zwei Vorhaben will das Unternehmen nun für die Stadt streichen. Foto: Wolfgang Dünnebier

"Wir sind es leid!" lautet das Motto der Plakate, die die Heiligenfeld GmbH zu Ostern in Bad Kissingen gleich an mehreren Orten anschlagen ließ und auf denen sie gegen die Politik der Stadt zu Felde zieht. In einem öffentlichen "Heiligenfelder Politischer Newsletter" kündigte die Klinikgruppe an, nicht weiter in der Kurstadt investieren zu wollen (wir berichteten). Nach Recherchen dieser Redaktion soll eine von der GmbH für die Kurstadt geplante Senioreneinrichtung nun angeblich in Rimpar entstehen. Mit dem "Wald für die Seele", den die kliniknahe "Stiftung Bewusstseinswissenschaften" im Bad Kissinger Klauswald als Ort der inneren Einkehr angelegt hatte, will Heiligenfeld offenbar bald in die Kommune Ramsthal umziehen. Die Stadt Bad Kissingen hält sich zu Plakat-Aktion und Umzugsplänen der GmbH weiterhin bedeckt.

In dem Politischen Newsletter, der noch immer öffentlich im Fenster der von der GmbH gepachteten Bad Kissinger Vinothek prangt, ist von "Unzufriedenheit" darüber die Rede, wie die Stadt mit Vorhaben der GmbH umgegangen sei: Sie habe "Vereinbarungen nicht eingehalten" und gegen Heiligenfeld "Stimmung gemacht". Die Klinikgruppe habe eine große Bedeutung für die Kurstadt, daher erwarte man, "unterstützend behandelt" zu werden, heißt es unter anderem.

Der Ärger schwelt schon länger

Dass es zwischen der GmbH und der Stadt Bad Kissingen Differenzen gibt, ist nicht neu. Zunächst ging es um den "Wald für die Seele", den die Stiftung Bewusstseinswissenschaften zusammen mit der Stadt Bad Kissingen vor eineinhalb Jahren eröffnete. Die damals unterzeichnete Nutzungsvereinbarung bedeutet aber zum Beispiel auch, dass die städtischen Holznutzungsrechte und die jeweiligen Jagdrechte in dem 14 Hektar großen Waldstück weiterbestehen, was Heiligenfeld nicht akzeptieren wollte und zum Beispiel im Herbst 2017 Hochsitze in dem Areal einfach entfernen ließ. Die Stiftung wollte das Waldstück später pachten, dann kaufen. Der Stadtrat konnte sich mehrheitlich weder zu dem einen, noch zu dem anderen durchringen. Inzwischen hat der Stadtrat die Nutzungsvereinbarung schon jetzt zum Ablauf 2025 gekündigt.

Wenn zwei sich streiten...

Weiterer Zankapfel ist das Ansinnen der GmbH an die Stadt, im früheren Preußischen Hof, einem in den Ensembleschutz des Kurviertels einbezogenen Gebäude, das das Unternehmen vor acht Jahren erwarb, eine Senioren-Residenz einzurichten. Genauer gesagt würde die Klinikgruppe das Gebäude gern abreißen und dort ein neues Haus errichten. Doch der Stadtrat sah sich in seinen Sitzungen bislang nicht dazu im Stande, diesem Plan einfach zuzustimmen. Eine Möglichkeit hätte es für Heiligenfeld aber gegeben, ihr Vorhaben weiterzuverfolgen - und das möglicherweise sogar mit Erfolg: Das Unternehmen hätte eine Unwirtschaftlichkeitsanalyse - den Nachweis, dass es unwirtschaftlich ist, das Projekt mit den aktuellen Vorgaben des Denkmalschutzes umzusetzen - anstreben können. Doch das hat Heiligenfeld bislang nicht in Angriff genommen.

Wenn zwei sich streiten, freut sich oft ein Dritter - in diesem Fall zum Beispiel die Gemeinde Ramsthal. "Heiligenfeld hat bei uns angefragt, ob wir ein Areal für den 'Wald für die Seele' bereitstellen könnten", sagt Bürgermeister Alfred Gündling. Der Kontakt sei über Bernhard Gößmann-Schmitt, Betriebsleiter der Bad Kissinger Vinothek und Mitglied des Ramsthaler Gemeinderats, zu Stande gekommen. Einen genauen Termin gebe es noch nicht, aber man wolle sich demnächst mit der Heiligenfeld-Geschäftsführung treffen, sagt Gündling.

"Wir sind grundsätzlich aufgeschlossen. Aber wir wollen auf keinen Fall Wald verkaufen, höchstens verpachten", sagt der Bürgermeister. Auf der Gemarkung Ramsthal befinden sich, nach seinen Angaben, etwa 250 Hektar Kommunal- und Privatwald. "Der 'Wald für die Seele' wäre für uns ein zusätzliches Aushängeschild, da unser Ort sowieso touristisch geprägt ist."

Wohin die von dem Unternehmen ursprünglich auf dem Areal des Preußischen Hofs in Bad Kissingen geplante Senioren-Einrichtung abwandern wird, ist noch nicht bekannt. Die Klinikgruppe hat aber auch weitere Standbeine in Waldmünchen, Uffenheim, Bad Grönenbach und Berlin. Seit einem Jahr ist die GmbH schon mit der Würzburger Gemeinde Rimpar in Verhandlung, weil sie dort eine groß angelegte Seniorenresidenz bauen will. "Heiligenfeld fragte vor einem Jahr bei uns an und Geschäftsführer Joachim Galuska hat das Projekt auch schon vor einiger Zeit im Gemeinderat vorgestellt", sagt Rimpars Bürgermeister Burkard Losert.

Der Kontakt sei über den Rimparer Architekten André Felix Wagner zu Stande gekommen, der auch in Bad Kissingen ein Büro hat. Bis das Großprojekt "Wohnen und Arbeiten", in dem Jung und Alt gemeinsam an einem Ort leben, umgesetzt wird, werde allerdings noch etwas Zeit ins Land gehen, sagt Losert. Nachdem der erste Standort am südlichen Ortsrand nicht in Frage kam, werde gerade ein zweiter Standort auf der gegenüberliegenden Höhe, westlich der Pleichach, am Rimparer Hasenköpfle geprüft. Bis Mitte Mai laufe noch die Eigentümer-Befragung, dann könne man mehr sagen. Mit dem Großprojekt möchten die Bauherren, laut Losert, als Zielgruppe junge Existenzgründer und ältere Menschen im Ruhestand ansprechen. Isolde Krapf

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