Bad Kissingen
Abifeier

Die Wünsche fliegen in den Himmel

118 Abiturienten haben am Jack-Steinberger-Gymnasium bei einer feierlichen Verabschiedung ihr Reifezeugnis erhalten.
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Was  sich die Abiturienten für ihren  Weg wünschen, stand am Ende der Verabschiedung auf Luftballons, die in den Abendsonnenhimmel entschwanden. Foto: Klaus Werner
Was sich die Abiturienten für ihren Weg wünschen, stand am Ende der Verabschiedung auf Luftballons, die in den Abendsonnenhimmel entschwanden. Foto: Klaus Werner
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Joker-Regelung, Bulimie-Lernen, Petition gegen Mathe-Abi - all das lag hinter den 118 Abiturienten des Jack-Steinberger-Gymnasiums, die am Freitag in einer feierlichen Veranstaltung ihr Reifezeugnis erhielten. In den Ansprachen und Grußworten gab es neben Rückblicken und guten Ratschlägen auch Trost für die vier, die den "Angstgegner Abitur" nicht bewältigt haben - so Schulleiter Markus Arneth.

Der Innenhof bildete den Rahmen für die Verabschiedung der Schüler, die acht, neun und mehr Jahre am JSG zugebracht hatten. Rednerpult, Instrumente der Band und die Reifezeugnisse - gebündelt in schlichten Behältnissen - standen auf dem kleinen Bereich vor der Cafeteria bereit, als Oberstufenkoordinator Heiko Schmitt die Gäste und vor allem die Eltern begrüßte, "die in den letzten Wochen mehr gelitten haben als manche ihrer Kinder". Den Abiturienten rief er nochmals das Motto der letzten beiden Jahre ins Gedächtnis, denn mit "Jack ich net - nix gejackt und trotzdem geschafft" habe auch bei diesem Jahrgang der Geist von Jack Steinberger Spuren hinterlassen, "auch wenn nicht jeder einen Nobelpreis bekommen wird". Für den Landkreis übermittelte Monika Horcher die Grüße als stellvertretende Landrätin und brach eine Lanze für die Bildung, denn "gebildet sein ist ein Wert an sich". Der Landkreis sorge für die Hardware, für alles andere sorgen die Lehrkräfte. Sie forderte die Abiturienten auf, mit Optimismus den neuen Weg einzuschlagen - "mit Verantwortung für sich selbst, für andere und für die Umwelt". Oberbürgermeister Kay Blankenburg wählte den humorvollen Weg für seine Ratschläge: Pflege die Freundschaften, benutze dein eigenes Hirn und - "Carpe Diem" - nutze die Zeit, denn sie vergeht schneller als man denkt! In Anlehnung an den großen Philosophen Charlie Brown wünschte er den Abiturienten: "Werdet unheimlich glücklich!" Marco Vedder, Vorsitzender des Elternbeirates, erinnerte die Abiturienten an den Anfang im JSG: "Da wart ihr die Kleinen und vom Großen beeindruckt. Mittlerweile seid ihr selbst die Großen, gereift, habt Persönlichkeit und vieles erlebt - Gutes wie weniger Gutes." Er dankte allen Lehrkräften, die sich zum Teil über das normale Maß hinaus eingesetzt hätten, aber auch denjenigen, die sich als Streitschlichter, Schülerlotsen oder Sanitäter eingesetzt haben. Sein Wunsch: "Seid ein Moskito in der Gesellschaft!"

Schulleiter OStD Markus Arneth hatte für seine Ansprache die Tradition der JSG-Abiturienten übernommen und nutzte Musiktitel, um seine Aussagen zu verdeutlichen. "Anton aus Tirol" oder Xavier Naidoos "Dieser Weg" oder Unheilig mit "Geboren um zu Leben" waren für ihn der musikalische Leitfaden, der die 18- und 19-Jährigen auf ihrem bisherigen Lebensweg begleitet hatte. Aus den Liedtexten leitete er seine Ratschläge ab. So sollte man sich nicht von Daumen hoch oder Daumen runter bei Facebook abhängig machen oder das Leben nicht als Schlafen, Essen und Spaß ansehen, sondern die kleinen Wunder am Wegesrand bemerken und ein ergänzendes Gegenüber finden. Die 12 oder 13 oder sogar 14 Schuljahre hätten sich ausgezahlt, was man zum Beispiel an die Leistungen im Abitur sehen konnte: "26 Abiturienten haben eine Eins vor dem Komma!" Den Song "High Hopes" nutzte OStD Arneth zu der Aufforderung, dass die jungen Menschen große Hoffnungen für ihr Leben haben sollten. "Greift nach den Sternen" - auch wenn es mal Enttäuschungen gibt, so seien es nur Täler, die man durchschreite, um den nächsten Berg in Angriff zu nehmen. Dabei sollen zwei Ratschläge helfen: Flexibel bleiben und soziale Kontakte halten, dabei die Ratschläge einholen, aber eigene Entscheidungen treffen.

Mit einem Augenzwinkern präsentierten Aurelia Rohr und Nik Kuchler das erhabene Gefühl zur schulischen Elite Deutschlands zu gehören: "Wir können jede Frage mit `Egal - wir haben Abi' beantworten." Die beiden Schülersprecher blickten im Wechsel auf die Schuljahre zurück, wobei im Mittelpunkt die geselligen Unternehmungen wie Skifreizeiten oder Ausflüge nach Massa oder Argentinien - "äh Brasilien" - standen und die Abschlussfahrt nach Berlin mit "ohne Exzesse - oder war da was?" kommentiert wurde. Umfangreich war die Dankesadresse an Lehrertypen von lasch bis engagiert und vielen die "uns Nicht-Jackern" etwas beibringen wollten, an die Mitarbeiter vom JSG und an die Eltern, die "uns zu tollen Erwachsenen gemacht haben". Ihren Mitschülern wünschten sie "alles Gute für den Weg, den jetzt jeder einschlägt" - und was man sich für diesen Weg wünscht, stand am Ende der Verabschiedung auf Luftballons, die in den Abendsonnenhimmel entschwanden.

Danach erfolgte die Übergabe der Abiturzeugnisse durch Schulleiter Markus Arneth und die Treppe zur Cafeteria wurde zum Symbol für den Karriereweg, der den Abiturienten offensteht und es war interessant und kurzweilig, wie sich die jungen Menschen bei ihrem letzten Auftritt im JSG präsentierten. Über eine Stunde dauerte das alphabetische "Schaulaufen" der jungen Menschen, die sich für dieses kurze Wegstück einen Musiktitel ausgesucht hatten. Klassiker wie "Schools out for ever" von Alice Cooper erklangen ebenso wie "Auf uns" von Andreas Bourani, Blasmusik oder Klassik. Nicht weniger interessant waren die gewählten Outfits, die sich jenseits eines "Dresscodes" zeigten und alle Kleidungsstile vom schicken Ballkleid über lässigen Alltagslook bis bin zur schottischen Nationaltracht abdeckte. Auch die Körpersprache des Soloauftritts deckte die Bandbreite von selbstbewusst und sportlich-forsch bis hin zu bedächtig und nachdenklich ab - aber egal, wie man sich präsentierte, jeder der Absolventen erhielt den wohlverdienten Applaus!

Auszeichnungen

Dr. Gudrun Heil-Franke stellte als Vorsitzende den Verein der Freunde des JSG kurz vor, der mit aktuell 180 Mitgliedern seit 1978 dort unterstützt, "wo der Staat kein Geld gibt", zum Beispiel bei der Finanzierung der qualifizierten Ganztagesschule. Ergänzt um eine Stiftung des Jack-Steinberger-Gymnasiums wurde zwei Preise ausgelobt, deren Preisträger vorgestellt wurden. Den JSG-Preis, verbunden mit 500 Euro, erhielt Katarina Gruner, der Sprachbegabung, Interesse an anderen Kulturen sowie gesellschaftspolitischen und historischen Themen attestiert wurde. Der Stiftungspreis für besonderes Engagement für die Schulgemeinschaft in Höhe von 200 Euro ging an Stefan Nieland, der als Schülersprecher und in der SMV (Schülermitverwaltung) tätig war und als aktiv, zuverlässig, hilfsbereit, zielbewusst, kritisch und meinungsstark charakterisiert wurde.

Weitere Auszeichnungen wurden für herausragende Gesamtleistungen in Verbindung mit Gutscheinen von Spendern vergeben:

Sarah Markert, Josefa Kleinhenz und David Spasow, Andreas Wolfenstetter (Elternbeirat des JSG/Deutsche Mathematiker-Vereinigung, Berlin), Daniel Erhard und Kristina Katzenberger (Elternbeirat des JSG), Geraldine Beer, Nicola Ferger, Sarah Grundmann.

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