Rein rechnerisch ist Bad Kissingen nur 3,70 Meter vom Weltruhm entfernt. Denn genau so viel Neigung hat der schiefe Turm von Pisa dem schiefen Turm von Bad Kissingen voraus. Der Feuerturm steht auch nicht ganz gerade.

20 Zentimeter, berichtete am Mittwochabend der bei der Stadt Bad Kissingen für den Tiefbau verantwortliche Thomas Hornung dem Stadtrat, neige sich der im 14. Jahrhundert erbaute und im 18. Jahrhundert erhöhte Feuerturm Richtung Südosten. Der Torre pendente di Pisa kommt auf 3,90 Meter. Er braucht dazu aber knapp 56 Meter Höhe, während das Kissinger Feuertürmle seine 20 Zentimeter Abweichung bereits bei 26 Metern Höhe erreicht.

Festgestellt hat die Stadt die Abweichungen des Turms in der Höhe bei Schürfgrabungen in die Tiefe. Anlass dafür waren die Vorarbeiten für das städtische Großvorhaben der Kanalsanierung in der Altstadt samt zugehöriger Neugestaltung der Fußgängerzone.


Probeschürfungen

Wie Hornung berichtete, haben Probeschürfungen ergeben, dass der Feuerturm mit vermutlich 1,50 Metern Fundament nicht allzu tief gründet und eigentlich zudem auf nicht so tragfähigem Untergrund steht. Weil es aber sehr aufwendig wäre, weitere Erkundungen des Untergrunds anzustrengen, habe man beschlossen, am Feuerturm eine Umplanung der Kanalsanierung vorzunehmen. Das Risiko von Eingriffen in den Boden zu nahe am Turm sei einfach zu groß. Er könne sich sogar vorstellen, dass die Neigung des Feuerturms von den bemerkenswerten tiefen Eingriffen seiner Vorgänger beim Bau des Kanals dort herrühre.

Vorgenommen worden seien die inzwischen abgeschlossenen Schürfgrabungen nicht nur am Feuerturm. Die Untersuchungen seien wichtig gewesen, erklärte Hornung, um festzustellen, wo tief die Fundamente der Häuser an der Baustrecke in den Grund reichen und wie tragfähig die Fundamente sind.


Gut 25 Millionen Gesamtkosten

Insgesamt seien die Vorbereitungen jetzt schon weit gediehen, bilanzierte der Leiter des städtischen Tiefbaus die Entwicklung der vergangenen Monate. Auf Nachfrage aus dem Stadtrat bestätigte er deshalb, es bleibe beim voraussichtlichen Baubeginn im Herbst 2018. Auch die zu erwartenden Kosten hätten sich nicht geändert. Hornung sprach von gut 12 Millionen Euro für die Straßenoberfläche und von gut 13 Millionen Euro für den Kanal, insgesamt also von 25 Millionen Euro.

Aus der CSU wurde die Sorge laut, betroffene Bürger könnten angesichts aktuell sehr guter Auslastung des Handwerks vielleicht für die in ihren Häusern notwendigen Arbeiten nicht rechtzeitig die nötigen Firmen bekommen und auch nicht "für vernünftiges Geld". Solche Bedenken vermochte Hornung nicht ganz zu zerstreuen. Zunächst lägen diese Arbeiten eben in der Verantwortung der Eigentümer. Die Stadt könne da nur beraten. Das tue sie grundsätzlich auch intensiv.
Man müsse bei dem Projekt aber zeitlich differenzieren. Wenn die Stadt auch 2018 beginne, seien manche Abschnitte erst 2020 an der Reihe. Zudem handle es sich aus seiner Sicht oft um einfache Arbeiten, für die schon Firmen zu bekommen sein müssten. Handwerklich geschickte Eigentümer könnten das Erforderliche zum Teil selbst erledigen. Siegfried Farkas