Waldberg
Natur

Der Permagarten der Waldgeister

Der Garten der Waldgeister liegt am Ortsrand des Rhöndorfs. Sie pflegen ihn nach den Prinzipien der Permakultur.
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Melanie Arnold und Daniel Frank sind die Vorsitzenden der Waldgeister. In ihrem Garten gibt es einige Besonderheiten, wie die Sonnenfalle im Hintergrund. Foto: Anja Behringer
Melanie Arnold und Daniel Frank sind die Vorsitzenden der Waldgeister. In ihrem Garten gibt es einige Besonderheiten, wie die Sonnenfalle im Hintergrund. Foto: Anja Behringer
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Eine oval angelegte Ziegelmauer - im hinteren Bereich höher, vorne ein freies Stück als Eingang, innen bepflanzt mit Tomatenstauden - gehört zu den Dingen, die im Garten der Waldgeister auffallen. Eine Sonnenfalle, wie Daniel Frank, einer der Vorsitzenden des Vereins, erklärt. Der Garten wird nach den Prinzipien der Permakultur bewirtschaftet. Das Konzept geht aber über das reine Gärtnern hinaus.

Permakultur umfasse alles, was man unter Nachhaltigkeit versteht, sagt Melanie Arnold, die den Verein zusammen mit Frank Anfang 2018 gegründet hat. Die beiden waren zuvor Mitglied einer Gemeinschaft in Thüringen, die den Prinzipien der Permakultur folgte. Dann beschlossen sie, ihren eigenen Verein in Waldberg - Arnolds Heimatort - zu gründen, erzählt sie.

Bei der Permakultur gehe es darum, gesamtgesellschaftlich nachhaltig zu leben, erklärt Frank. Nicht nur für sich selbst, sondern für die einen umgebenden Menschen soll im Miteinander das Beste erreicht werden. "Es ist eigentlich eine Art Co-Kreativität - dass man sich quasi gegenseitig befruchtet, bei dem was man gerne macht", sagt Frank.

Das entspreche dem achtsamen Umgang mit den Menschen (People Care), einem der drei ethischen Grundgedanken der Permakultur. Die anderen zwei seien Sorge für den Boden zu tragen, also der Natur nicht zu schaden (Earth Care) und Überschüsse gerecht zu verteilen (Fair Share). Die Permakultur ist nach Franks Auffassung keine Utopie, sondern ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann, um die Gesellschaft positiv umzustrukturieren.

Arnold beschreibt die Umsetzung der Prinzipien als eine Art Selbstermächtigung. Jeder könne in den Medien die Probleme auf der Welt verfolgen, sei es Krieg, Hunger oder Umweltkatastrophen. Viele seien der Meinung, daran nichts ändern zu können. Durch die Permakultur könne man aber sagen: "Ich kann da was machen." Das fange im Kleinen an, sei es, indem man auf Plastik verzichte oder sein Werkzeug mit Nachbarn teile, so Arnold.

Die Politik gehe mit ihren Gesetzen immer wieder vollkommen an der Realität vorbei, sagt Frank. Als Beispiel nennt Arnold die Dieselfahrverbote und die Idee zur CO2-Steuer. "Das Problem ist doch eher, dass wir Bäume massiv fällen", erklärt sie. Wenn man in den Wald gehe, merke man, dass das Klima dort viel besser sei. In China würden mittlerweile sogar Waldkuren angeboten, erzählt sie.

"Wir sind nicht dafür da, zu regulieren. Die Natur reguliert sich schon selbst", erklärt sie weiter. Dabei würde man nicht wie in der Vergangenheit leben, sondern gute Ideen aufgreifen und anpassen. Mit der engen Verbundenheit zum Wald erklärt Frank den Namen des Vereins "Waldgeister". "Die optimale Form, die die Natur immer bildet, wenn man sie lässt, ist der Wald", sagt er.

Mit den Prinzipien der Permakultur lebt Frank seit zehn Jahren. Nach dem Abitur habe er eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen gemacht. Dabei habe er begonnen vieles zu hinterfragen - vor allem das Geldsystem und damit zusammenhängende Missstände. Er beschloss in der Folge, aktiv zu werden und entdeckte schließlich die Permakultur für sich.

Der Garten der Waldgeister ist in drei Zonen geteilt: Die Pufferzone, bestehend aus Hecken, Sträuchern und Bäumen, halte als Schutzring Wind und Frost ab und lasse wenig Feuchtigkeit hinaus. Gleichzeitig sei sie ertragreich und ein Lebensraum für Vögel und Insekten. Die Ertragszone ist der Bereich mit fettem Boden, dort werde Gemüse angebaut. Dann gebe es noch die Hot-Spot-Zone. Diese beinhalte eine Magerwiese mit Bäumen und bis zu 600 Blütenpflanzen, so Frank.

Im Garten haben die Waldgeister viele Naturmodule gebaut. Ein Beispiel ist die Sonnenfalle. Daneben sind Steinpyramiden und Totholzhaufen zu finden. Sie dienen der Artenvielfalt und um Lebensräume zu schaffen. In den Nischen können Insekten und Amphibien Schutz suchen, so Frank.

Die Waldgeister wollen noch viele Projekte umsetzen, erklärt Arnold. Der Verein will Aufklärungsarbeit leisten. Mit dem Kindergarten hätten sie bereits Projekte gemacht, in Zukunft wollen sie Schulen einbeziehen. Dafür brauche man Räumlichkeiten auf dem Gelände, zum Beispiel um dort Vorträge halten zu können, zeigt Frank auf.

Auf einem Grundstück, das die Gemeinde zur Verfügung gestellt hat, soll ein Insektengarten entstehen. Außerdem wollen die Waldgeister einen Agrarforst anlegen, um das Prinzip für Landwirte anschaulich zu machen. Vielleicht würden sich einige dann entscheiden, auf ihren Feldern in gewissen Abständen Bäume zu pflanzen. Als Wirtschaftsholz brächten sie Geld ein, zusätzlich würde der Boden verbessert und die Erosionsgefahr sinke, sagt Frank.

Die Waldgeister haben momentan 35 Mitglieder aus ganz Deutschland, darunter etwa 20 aus Waldberg und Umgebung.

Im vergangenen Jahr waren außerdem rund 150 Besucher im Garten - für Gartenführungen oder über den Zeitraum von einer Woche, um von den Waldgeistern zu lernen, so Frank. Anja Behringer

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