Fladungen
Schaden

Das beliebte Rhönzügle fällt wohl lange aus

Nach dem Unfall muss die Dampflok repariert werden - und das wird wohl recht teuer.
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Museumsleiterin Ariane Weidlich und Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel begutachten das Rhönzügle, das nach dem Unfall vom Sonntag kaputt ist. Foto: Gerhard Fischer
Museumsleiterin Ariane Weidlich und Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel begutachten das Rhönzügle, das nach dem Unfall vom Sonntag kaputt ist. Foto: Gerhard Fischer
Am Montagvormittag ist in Ostheim (Lkr. Rhön-Grabfeld) im Streutal kaum mehr etwas vom Unglück zu sehen. Nur der beißende Geruch von Verbranntem liegt noch immer in der Luft am unbeschrankten Bahnübergang des Mehlweges nahe der Walkmühle. Dazu krumme Gleise, aufgeflexte Schwellen, ein paar ramponierte Stellen.
Ein paar Kilometer weiter gab es nachdenkliche Gesichter in der Lokhalle des Freilandmuseums. "Man sieht überall Brandspuren und deutliche Verbiegungen. Es ist davon auszugehen, dass auch der Rahmen der Lok verzogen ist", sagt Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel mit Blick auf die Lokomotive 98 886.
Er ist am Montagmorgen eigens nach Fladungen gefahren, um sich ein Bild von den Beschädigungen zu machen. Dotzel ist kraft seines Amtes Vorsitzender des Zweckverbandes Fränkisches Freilandmuseum Fladungen, und das Rhönzügle ist ein besonders geliebtes Kind im Museumskonzept.
"Diese Lok wird wohl in diesem Jahr nicht mehr fahren", bedauert Museumsleiterin Ariane Weidlich, die mit Dotzel und dem Lokführer die Schäden begutachtet. Dabei ist die Lok 98 886 noch nicht mal ein Jahr im Einsatz, nachdem sie umfangreich in Krefeld restauriert worden ist. Seit 2016 war die historische Lok außer Betrieb. Rund 125 000 Euro wurden in die Restaurierung gesteckt. Nun könnte wieder ein sechsstelliger Betrag fällig werden, wie schon die Polizei am Unfallort am Sonntag schätzte.
Bei der Unfalllok handelt es sich um das Exemplar aus dem Jahr 1924, das jahrelang vor dem Schweinfurter Hauptbahnhof auf einem Sockel stand und einst auch im Lauertal verkehrte. Seit dem Jahr 2000 ist die alte Dame als dampfendes Rhönzügle unterwegs.
Der Betrieb des Rhönzügles ruht nun erst einmal. Denn am Unfallort müssen wohl auch teilweise Gleisabschnitte erneuert werden. "Aber erst macht sich ein Eisenbahngutachter ein Bild von der Lage", sagt Museumsleiterin Weidlich. Wie lange die Arbeiten dann dauern, könne noch nicht geschätzt werden. Sobald der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, fahren eine kleinere Dampflok und die Diesel-Loks.
Die Fahrgäste will man freilich nicht allzu lange vertrösten müssen. Denn das Rhönzügle, das zwischen Mellrichstadt und Fladungen mit den Haltestellen Ostheim und seit diesem Jahr auch Nordheim verkehrt, erfreut sich großer Beliebtheit. 5600 Gäste wurden in der Saison 2017 gezählt. Neben den rund 125 000 Euro für die Lok 98 886 wurden in den vergangenen Jahren weitere 175 000 Euro für Streckensicherheit und Gleisanlagen ausgegeben. Zwischen Fladungen und Ostheim ist der Bezirk dafür zuständig, der Betrieb zwischen Ostheim und Mellrichstadt wird vom Landkreis Rhön-Grabfeld und der Stadt Mellrichstadt sichergestellt.


Kritik vom Bund der Steuerzahler

2017 wurde durch eine anonyme Zuschrift der Bund der Steuerzahler auf die Museumsbahn aufmerksam, weil angeblich zu hohe Kosten bei zu wenigen Fahrtagen entstünden. Der Zweckverband konterte mit Zahlen und vor allem mit dem "Alleinstellungsmerkmal" des Rhönzügles, das zusätzlich Besucher ins Freilandmuseum bringe.
Während man im Freilandmuseum nun auf den Gutachter wartet, ist Wolfgang Sporck, Kommandant der Ostheimer Feuerwehr, am Montag immer noch aufgewühlt von den Ereignissen: "Das war ein Einsatz von Sonntag gegen 14 Uhr bis 22.30 Uhr." Denn nachdem der Brand gelöscht war, wurden mit zwei Spezialkränen Lok und Waggons wieder auf die Gleise gesetzt und mit den beiden Diesel-Loks des Museums nach Fladungen gezogen. "Leider haben uns viele Schaulustige behindert", klagt der Ostheimer Kommandant.
Mit der Arbeit der Rettungskräfte sind wohl auch die verunglückten, aber unverletzten Fahrgäste zufrieden. Zwei Besucher ließen es sich nicht nehmen und bedankten sich im Gästebuch des Museums für die gute Betreuung am Unfallort. Gerhard Fischer


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