Lohr am Main
Wirtschaft

Kurzarbeit bei "Bosch Rexroth" in Unterfranken droht

Aufgrund der rückläufigen Aufträge werden derzeit Arbeitszeitkonten abgebaut. Doch das reicht nicht lange.
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Wenn die Gießerei keine Arbeit mehr hat, hört die Leidenschaft auf: Ab Oktober wird kurzgearbeitet.  Foto: Roland Pleier
Wenn die Gießerei keine Arbeit mehr hat, hört die Leidenschaft auf: Ab Oktober wird kurzgearbeitet. Foto: Roland Pleier

Die Bosch Rexroth AG, mit aktuell rund 5600 Beschäftigten am Standort Lohr das größte Unternehmen im Landkreis Main-Spessart, steuert auf schwierigere Zeiten zu: Aufgrund rückläufigen Auftragseingangs geht zusehends die Arbeit aus. "Der Auftragseingang geht massiv zurück", erklärte Thomas Nischalke, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, auf Nachfrage der Redaktion. "Wir leben im Augenblick vom Bestand", führte er aus.

Deshalb würden jetzt schon in fast allen Bereichen die Zeitkonten benutzt. "Das geht in vielen Bereichen, in einigen nicht." Dabei gehe es jeweils um ein bis fünf Arbeitstage pro Monat - dies aber auf freiwilliger Basis. Konkret würden die jeweiligen Vorgesetzten dies mit den Mitarbeitern vereinbaren.

Bosch Rexroth in Lohr am Main: Wie geht es weiter?

Nischalke spricht für rund 1500 Beschäftigten in Werk 1 am Rande der Altstadt und rund 800 Beschäftigte in Werk 2 in der Partensteiner Straße. Für den Brückentag am 4. Oktober sei ein kollektiver Zeitkontenabbau mit der Geschäftsleitung vereinbart worden, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende weiter. Diese Reaktion auf die derzeitige Lage funktioniere nach dem derzeitigen Stand der Dinge für die zweite Septemberhälfte und den Monat Oktober. Ab November könnten dann - je nach Auftragsbestand - "weitergehende Maßnahmen" nötig werden. "Dann müssen wir auch über gesetzliche Kurzarbeit nachdenken", sagte Nischalke. Davon betroffen sein könnten dann allein in seinem Zuständigkeitsbereich 400 Beschäftigte.

Um die Gießerei mit ihren aktuell 520 Beschäftigten in Lohr ist es etwas schlechter bestellt. Bereits für den September sei ein kollektiver Zeitkontenabbau vereinbart worden, erklärte Peter Urlaub, Betriebsratsvorsitzender der Rexroth Guss GmbH. Im Oktober werde dann für die Produktionsbereiche der Gießerei gesetzliche Kurzarbeit angemeldet - bis zu elf, zwölf Tage pro Monat.

Diese Regelung könne sich, falls nötig, bis zu einem halben Jahr hinziehen, werde aber Monat für Monat überprüft. Die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung seien "hart aber fair" gewesen, so Urlaub, der aber auch eine Kampfansage macht: "Wir tun alles, um Beschäftigung zu halten", erklärt der Betriebsratsvorsitzende nachdrücklich. Dazu gehöre auch, dass Bosch Rexroth Auftragsvergaben an andere Gießereien zurückhole. "Wir sehen darin ein Instrument, Beschäftigung zu sichern." Von der Electric Drives & Controls GmbH, die im Industriegebiet angesiedelt ist und gut 1500 Beschäftigte zählt, war am Dienstagnachmittag kein Betriebsrat zu erreichen.

Bosch Rexroth: Sprecherin bestätigt Angaben

"Im ersten Halbjahr 2019 verlief die Umsatzentwicklung bei Bosch Rexroth entsprechend den Erwartungen", eröffnete Unternehmenssprecherin Nicole von Killisch-Horn die gewohnt knappe Stellungnahme der Geschäftsführung auf die Anfrage der Redaktion. Allerdings sei der Auftragseingang in diesem Zeitraum bereits deutlich unter den guten Werten des Vorjahres gelegen. "Eine konjunkturelle Schwäche gegenüber den starken Zuwächsen des Vorjahres zeichnet sich deutlich ab.

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf ein absehbar schwierigeres Marktumfeld nutzt Bosch Rexroth aktuell in einigen Bereichen der Standorte Schweinfurt und Erbach Kurzarbeit."

Wie schnell die Konjunktur umschlagen und sich die Situation ändern kann, wurde vor knapp fünf Jahren deutlich: Anfang 2015 sei Bosch Rexroth von der Kurzarbeit direkt in die Mehrarbeit gewechselt, wie Nischalke damals im Umfeld eines Warnstreiks bei Tarifverhandlungen ausführte. Roland Pleier

 

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