Bad Kissingen
Kultur

Bismarcks Ehrenbürgerurkunde nach 134 Jahren wieder da

Otto von Bismarck war Bad Kissingens Eiserner Kurgast. Die Stadt dankte ihm seine Treue unter anderem mit der Ehrenbürgerwürde. Die Urkunde dazu , die 134 Jahre lang weg war, ist bis November im Museum zu sehen.
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Die Ehrenbürgerurkunde von 1885 der Stadt Bad Kissingen für Otto von Bismarck.  Siegfried Farkas
Die Ehrenbürgerurkunde von 1885 der Stadt Bad Kissingen für Otto von Bismarck. Siegfried Farkas
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Otto von Bismarck war unter all den Potentaten, die Kissingen im 19. Jahrhundert zum Sehnsuchtsort der Reichen, Schönen und Mächtigen jener Epoche machten, der treueste. Seine regelmäßigen und medial viel beachteten Besuche in der Stadt sowie seine werbewirksamen Zitate über sie bildeten die Basis einer innigen Verbindung, die auch Kissingen zu diversen Würdigungen anregte. Das Museum Obere Saline zeigt in den nächsten sechs Wochen die Urkunde, mit der die Stadt Bad Kissingen Otto von Bismarck, dem Eisernen Kanzler Deutschlands und ihrem Eisernen Kurgast 1885 die Ehrenbürgerwürde zuteil werden ließ.

Der Gedanke, die Urkunde in Bad Kissingen zu zeigen, stammt nach Angaben von Museumsleiterin Annette Späth von Prof. Ulrich Lappenküper, dem Geschäftsführer und Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Die Urkunde ist zusammen mit anderen erst vor wenigen Jahren in den Besitz der Stiftung gekommen. Davor war sie unter anderem Jahrzehnte in einem Keller in Wernigerode aufbewahrt worden. In der Literatur sei bis jetzt nirgends ein Bild des Dokuments zu finden gewesen, berichtete Lappenküper. Nun stellte er das Schriftstück und seine Bedeutung im Museum Obere Saline persönlich vor.

Vorreiter der Bismarckverehrung

Kissingen gehörte zu Lebzeiten des Reichskanzlers zu den Vorreitern der weit verbreiteten Bismarck-Verehrung in Deutschland. Das einstige Weltbad gilt als erste Stadt überhaupt, die ihren prominenten Kurgast mit einem Standbild im öffentlichen Raum würdigte. Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde war sie zwar nicht bei den Allerersten. Als nach Lappenküpers Worten 22. Stadt, die Bismarck auf diese Weise eingemeindete, gehörte sie aber immerhin zum Vorderfeld. Später sollten noch mehrere hundert weitere Ehrenbürgerschaften für die "Jahrhundergestalt Bismarck" hinzukommen.

Was Lappenküper an der Urkunde fast ein wenig irritiert, ist der Umstand, dass sie keine Begründung bietet, warum Kissingen seinem Eisernen Kurgast diese Ehre hat zuteil werden lassen. Im Gegensatz zu einer späteren Glückwunschadresse zu einem Geburtstag, die ebenfalls im Festsaal der Oberen Saline zu sehen ist, ist sie zudem vergleichsweise nüchtern, sachlich und textarm angelegt.

Nebeneffekt des Attentats

Bemerkenswert findet Lappenküper auch, wie sich Bismarcks Auswahl der bevorzugten Kurorte geändert hat. Ursprünglich ein regelmäßiger Besucher ausländischer Badeorte wie Karlsbad und Bad Gastein, habe der Hypochonder Bismarck nach der Ernennung zum Reichskanzler 1871 Ruhe und Entspannung sowie Abstand zum wenig geliebten Berlin in Deutschland gesucht. Kissingens Ära als Bismarcks Lieblingsort begann 1874 jedoch mit einem Knalleffekt. Das Attentat des Böttchergesellen Eduard Kullmann vom 13. Juli 1874 hätte Bismarck der Stadt auch übel nehmen können. Was er aber nicht tat. Für Kissingen hatte dieser versuchte Mordanschlag nach Lappenküpers Worten sogar "einen positiven Nebeneffekt". Die Stadt stand auf diese Weise "zum ersten Mal in den Spalten der Weltpresse".

Kissinger Diktat

Anstatt zu grollen, kehrte Bismarck 1876 jedoch zurück und begründete so eine enge Verbindung zu der unterfränkischen Stadt. "Mindestens 71 Wochen seines 83-jährigen Lebens hat Bismarck in Bad Kissingen zugebracht", rechnete Ulrich Lappenküper vor, und hier, trotz seiner bewusst selbst angestrebten "einstweiligen Verdummung", Politik gemacht. Am bedeutsamsten geschah das möglicherweise mit dem sogenannten Kissinger Diktat, in dem Bismarck seinen Sohn Herbert in Kissingen die Maximen seiner Außenpolitik hat niederschreiben lassen.

Nach Berlin gekommen ist die in eine Art großes Buch gebundene Ehrenbürgerurkunde 1885 vorab per Post. Zur förmlichen Übergabe reiste zudem eine dreiköpfige Delegation aus der Stadt um den rechtskundigen Bürgermeister Theobald Fuchs und Karl Ludwig Gayde, den 1. Vorstand des Collegiums der Bad Kissinger Gemeindebevollmächtigten, die übrigens Jahre später beide ebenfalls zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden. 134 Jahre war die Urkunde seither fort. Jetzt ist sie wieder da. Wenn auch nur für ein paar Wochen. Geöffnet ist das Museum Obere Saline von Mittwoch bis Sonntag täglich von 14 Uhr bis 17 Uhr.Siegfried Farkas

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