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Corona

Bad Kissingen: Wie der Landkreis für den Ernstfall vorsorgt

Die meisten Menschen halten sich an die Ausgangsbeschränkung. Das verschafft all denen Spielraum, die den amtlichen Auftrag haben, Vorsorge für die nahe Zukunft zu treffen.
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Corona-Tests sollen im Landkreis Bad Kissingen bald an einem fest installierten Drive-In erfolgen. Unser Bild zeigt Einsatzkräfte mit Schutzausrüstung an einer solchen Anlaufstelle im nordrhein-westfälischen Herdecke. Foto: Alex Talash/dpa
Corona-Tests sollen im Landkreis Bad Kissingen bald an einem fest installierten Drive-In erfolgen. Unser Bild zeigt Einsatzkräfte mit Schutzausrüstung an einer solchen Anlaufstelle im nordrhein-westfälischen Herdecke. Foto: Alex Talash/dpa

Wer zu Hause bleibt, hilft mit, den Kurvenverlauf der Pandemie flach zu halten. In der Folge müssen vorerst wenige Kranke in den Klinken behandelt werden, lautet die Devise von Virologen und Politikern. Ein solches Vorgehen verschaffe Vorsprung, denn für die kommenden Wochen sollen Einsatzkräfte und Pflegepersonal gut gerüstet sein. Auch im Landratsamt Bad Kissingen arbeitet die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) inzwischen rund um die Uhr.

Der Katastrophenfall für Bayern wurde am 16. März zunächst für 14 Tage ausgerufen. Landrat Thomas Bold geht jedoch davon aus, dass diese staatliche Verordnung verlängert wird, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Bayernweit haben die Führungsgruppen Katatstrophenschutz daraufhin ihre Arbeit aufgenommen.

Ganz unterschiedliche Aufgaben

Zehn Personen arbeiten im Landratsamt zusammen, darunter Vertreter von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk, Polizei und Bundeswehr. Zunächst gab es einmal täglich eine Besprechung, inzwischen arbeitet das Gremium "rund um die Uhr", sagt Landrat Bold, der als Chef der FüGK den Überblick behalten muss.

Die Aufgaben der Führungsgruppe sind vielfältig. Zum einen unterstützt dieser Personenkreis, laut Bold, organisatorisch das Gesundheitsamt und gab auch die Anregung, ein Bürgertelefon einzurichten. Seit knapp einer Woche beschäftigte man sich mit der Planung einer Corona-Teststelle. Das Vorhaben werde gerade mit der Regierung von Unterfranken und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) abgeklärt, sagt Bold.

Diese zentrale Anlaufstelle für Menschen, die sich auf Corona testen lassen müssen, sei für den Landkreis schon zu einem früheren Zeitpunkt im Gespräch gewesen. Doch die KVB habe zunächst die Entnahme der Proben bei den Patienten durch einen Fahrdienst geregelt. Einen festen Standort für Corona-Tests zu schaffen, sei nun sinnvoll, erklärt Bold. Denn die meisten Menschen seien mobil, können hinkommen und nach der Probe-Entnahme wieder heimfahren. "Sie müssen wahrscheinlich nicht mal aus dem Auto aussteigen."

Vorteile hat dies auch für diejenigen, die die Proben entnehmen, ergänzt der Landrat. Denn ein Arzt könne dann mehrere Abstriche im selben Schutzanzug und mit derselben Gesichtsmaske vornehmen. Man spare also auch Material, sagt Bold.

Die Teststelle soll voraussichtlich am Kreisbauhof in Oerlenbach eingerichtet werden. Bold formuliert aber ganz klar: "Getestet wird dort nur, wer zuvor beim Hausarzt war oder sich beim Gesundheitsamt meldete - und das zu vorgegebenen Zeiten." Wichtig für ihn ist diese Anlaufstelle auch, weil Corona-Test-Patienten dann nicht mehr mit den Arztpraxen in Berührung kommen.

Inzwischen sei es durch Vermittlung der FüGK auch gelungen, zwei Labore im Landkreis zu finden, die sozusagen vor Ort dann die Corona-Proben auswerten. Die Inhaber mussten die Zulassungen beantragen und sich auf die neue Situation einstellen, "denn der Corona-Test ist ja nichts, was seit Jahren selbstverständlich jeden Tag gemacht wird".

Schutzausrüstung wird verteilt

Die Verteilung von Schutzkleidung, Gesichtsmasken und Testkits ist, nach Bolds Angaben, bereits angelaufen. Nachdem diese Materialien vor allem in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen überall knapp geworden waren und die Versorgungswege abgebrochen sind, musste der Freistaat für Nachschub sorgen. Auch hier sei die FüGK gerade gefordert, sagt Bold. Von dort aus werde das Material nämlich jetzt an hiesige Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Labore verteilt. Die Ärzte würden über die KVB mit Schutzausrüstung versorgt.

Inzwischen habe die FüGK auch bei Rehakliniken angefragt, ob man dort für den Ernstfall Räume, beziehungsweise Betten-Kapazitäten, bereitstellen könnte, so Bold. "Das ist uns durch eine Allgemeinverfügung so vorgegeben." In manchen Städten denke man darüber nach, Notkrankenhäuser zu errichten. "Hier im Landkreis Bad Kissingen müssen wir das nicht." Denn es gebe etliche Kliniken, möglicherweise auch Hotels, die Kapazitäten hätten und, sollte es so weit kommen, kranke Menschen aufnehmen könnten.

Bezüglich des Personals würden sich die vier Kliniken im Landkreis und die Pflegeeinrichtungen derzeit selbst Gedanken machen, wie sie die Versorgung in den kommenden Wochen aufrechterhalten. Möglicherweise könnten dann, so der GüFK-Leiter, auch qualifizierte Kräfte aus dem Reha-Bereich rekrutiert werden.

"Wir bereiten uns darauf vor, die Anzahl der Tests zu erhöhen, wir arbeiten an den Betten-Kapazitäten und bringen weitere notwendige Maßnahmen auf den Weg", fasst Bold zusammen. Glücklicherweise sei die Anzahl der mit dem Corona-Virus infizierten Personen im Landkreis noch relativ niedrig. Dies lasse die Hoffnung zu, dass nicht plötzlich alle auf einmal krank werden.

Deshalb sei es weiterhin wichtig, dass die Menschen zu Hause bleiben, sagte Bold und gab den Wahlspruch aus, den derzeit auch Kliniken in den sozialen Medien verbreiten: "Bleiben Sie zu Hause, dann bleiben wir hier für Sie da!"Isolde Krapf

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