Bad Kissingen
Aufbrecher

Bad Kissingen ist ein guter Ort für den Lebensabend

Laut einer repräsentativen Umfrage bewerten die Bürger des Landkreises die Angebote für Senioren positiv. Dazu trägt auch bei, dass Einheimische viele touristische Angebote in der Region mitnutzen können.
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33 Jahre lang war Albin Markert bei Kurverwaltung und Staatsbad GmbH beschäftigt. Mittlerweile ist er zwar in Altersteilzeit, den Lesesaal an der Schnittstelle von Arkaden- und Regentenbau besucht er trotzdem noch oft und gerne. Foto: Ralf Ruppert
33 Jahre lang war Albin Markert bei Kurverwaltung und Staatsbad GmbH beschäftigt. Mittlerweile ist er zwar in Altersteilzeit, den Lesesaal an der Schnittstelle von Arkaden- und Regentenbau besucht er trotzdem noch oft und gerne. Foto: Ralf Ruppert
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Beim demographischen Wandel ist Bad Kissingen der Zeit voraus: Die Stadt hat heute schon ein Durchschnittsalter von 50 Jahren, also gut sechs Jahre über dem Bundesdurchschnitt. Damit gibt es hier eine Altersverteilung, wie sie in ganz Deutschland etwa für 2040 prognostiziert wird. Zu Einheimischen und Senioren, die im Alter in die Region ziehen, kommen noch jede Menge Touristen im Rentenalter. Sie alle schätzen ein Angebot, das so gerade für Senioren jede Menge zu bieten hat.
"Unser Lesesaal ist einfach einmalig", schwärmt etwa Gästeführer Albin Markert. Architekt Max Littmann habe schon 1911 bei der Planung des Regentenbaus die Bedeutung der Lese- und Spielsäle rund um den Schmuckhof erkannt. "Ich staune, wie weit man damals voraus geblickt hat", sagt Markert.

365 Tage im Jahr geöffnet

"Der Lesesaal ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet, an 365 Tagen im Jahr", erzählt der Gästeführer in Altersteilzeit. An 47 Haken hängen Tageszeitungen aus ganz Deutschland: von der Allgäuer Zeitung bis zur "Zeit", von der Passauer Neuen Presse bis zum Darmstädter Echo und vom Südkurier bis zu den Kieler Nachrichten. "Früher waren es sogar an die 90 Zeitungen, aber wir haben das Leseverhalten der Gäste beobachtet und dann ausgedünnt", berichtet Markert.
"Viele Zeitungen sind sehr gefragt, deshalb legen wir auch Wert darauf, dass jeder nur eine Zeitung nimmt", verweist Markert auf eine wichtige Regel. Zudem gelte im Haupt-Lesesaal Stille, lediglich das Umblättern der Zeitungen ist zu hören. Allerdings dürfen die Leser die Zeitungen auch mit in den Vorraum oder in den Schmuckhof nehmen und sich dort während der Lektüre unterhalten.

Vielleicht einmalig in der Republik

Mittlerweile seit mehr als 100 Jahren existiert der Lesesaal, und bei der Generalsanierung des Regentenbaus wurde er wieder im Original-Zustand versetzt: Der Stuck an den Decken, die Bleiverglasung in Richtung Schmuckhof und die 36 gemütlichen Sessel machen Zeitungs- und Zeitschriftenlesen zum Erlebnis. Ob es das so in Deutschland überhaupt noch ein zweites Mal gibt, weiß auch Markert nicht: "Ich habe das jedenfalls noch nirgends sonst gesehen."
Der Lesesaal werde nicht nur von Touristen genutzt: Wer sich für 3,50 Euro eine Tageskarte oder für 80 Euro eine Jahreskarte kauft, kann viele Annehmlichkeiten des Kurbetriebs in Bad Kissingen kostenlos mitnutzen: vom Lesesaal bis zu den Kurkonzerten, von der Heilwasser-Ausgabe bis zu Audioguides. Die Jahreskarte wird sogar jeden Monat um ein Zwölftel billiger: Aktuell kostet sie nur noch 53,33 Euro. Lediglich die kostenfreie Busfahrt ist bei den Tages- und Jahreskarten nicht dabei.
Ähnliche Regelungen gibt es in Bad Brückenau: Auch dort liegt der Preis für die Tageskarte in der Höhe der Kurtaxe (2,80 Euro), die Jahreskarte ist mit 117,60 Euro dagegen teurer. Zudem können Senioren viele weitere Angebote nutzen: vom Gang durch die Parks und Kurgärten bis zu Konzerten. Allein in Bad Kissingen listet das Kurprogramm rund 1000 Veranstaltungen im Jahr auf.
Dazu kommen viele weitere Angebote von Vereinen und caritativen Organisationen: Der Seniorenbeirat der Stadt Bad Kissingen gibt deshalb ein eigenes Programm für Senioren heraus: Vom Handarbeitskreis des Roten Kreuzes über Lesungen im Burkardus-Wohnpark bis zu Gedächtnistraining im Mehrgenerationenhaus sind darin enthalten. "Was wir zu bieten haben, ist sehr seniorengerecht", betont die Bad Kissinger Seniorenbeauftragte Karin Renner, und: "Die zahlreichen Angebote sind ein wichtiger Punkt, weshalb Menschen ihren Lebensabend hier verbringen."

Mehrheit ist sehr zufrieden

Dass das viele schätzen, zeigt auch die repräsentativen Umfrage im Auftrag von Stadt, Landkreis und Saale-Zeitung: 88 Prozent der Befragten in der Stadt und 80 Prozent im Umland stufen die Angebote für Senioren als gut oder sogar sehr gut ein. Allerdings ist die Wahrnehmung bei den Jüngeren positiver als bei denen, die es eigentlich betrifft: Die Generation 65plus auf dem Land ist nur zu 72 Prozent mit dem Angebot zufrieden.
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