Nüdlingen
Ehrung

Arno Wielgoss ist preisverdächtig

Ein Nüdlinger verhalf Kakao-Bauern in einem Tal in Peru zur ökologischen Landwirtschaft. Weil er den Kakao direkt importiert, erzielen die Bauern inzwischen faire Preise.
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Ein Bauer in den peruanischen Anden begutachtet seine Plantage.  Foto: Archiv Arno Wielgoss
Ein Bauer in den peruanischen Anden begutachtet seine Plantage. Foto: Archiv Arno Wielgoss

Der Nüdlinger Arno Wielgoss ist Unternehmer aus Überzeugung. Der tropische Agrar-Ökologe und Geschäftsführer der Perú Puro GmbH (Frankfurt) importiert mit seiner Kollegin Frauke Fischer (Würzburg) seit 2013 Edel-Kakao aus dem peruanischen Urubamba-Tal. Jetzt wurde er mit seinem Schokoladen-Start-Up für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) 2020 nominiert. "Das ist wahnsinnig toll", freut sich der 36-Jährige, der mit seiner Familie in Würzburg lebt.

Dass Arno Wielgoss heute Kakao-Bauern in den peruanischen Anden darin unterstützt, ökologische Landwirtschaft zu betreiben und für ihre zertifizierten Fairtrade-Produkte angemessene Preise zu erzielen, kommt nicht von ungefähr. Sein Engagement basiert auf einem Erlebnis, das tief ins Persönliche hinein wirkte. Im Jahr 2000 kam sein zwei Jahre älterer Bruder Frederic Wielgoss beim Schwimmen im Urubamba-Fluss ums Leben. Die Familie in Nüdlingen startete seinerzeit mit Hilfe von Verwandten und Freunden einen Spendenaufruf, um die Suche in Peru finanzieren zu können. Doch Frederic wurde nie gefunden.

Verein leistet Entwicklungsarbeit

Die Menschen nahmen damals großen Anteil am Schicksal der Familie. Es kam mehr Geld zusammen, als die Suchaktion gekostet hatte. Da entschied die Familie, den Verein "Frederic - Hilfe für Peru" zu gründen und mit den Spenden in Peru Entwicklungsarbeit zu leisten. Zunächst investierte der Verein in Gesundheitsprojekte, in die Bildung der Menschen oder in die Infrastruktur der einfachen Bergregion im Regenwald.

Bald kamen ökologische Landwirtschaftsprojekte hinzu. Arno Wielgoss sagt heute: Ohne das schwerwiegende Unglück seines Bruders wäre er wohl nie zum Studium der tropischen Biologie gekommen. Gut ein Jahrzehnt lang leistete er mit den Kakao-Bauern in den Anden ökologische Pionierarbeit. Er erreichte, dass sie Teile des Regenwalds nicht mehr abbrennen, dass sie auf die Böden achten und Mischkulturen anlegen.

Um für "seine" Kakao-Bauern gute Preise zu erzielen, gründete Wielgoss im Jahr 2013 mit Frauke Fischer die Perú Puro GmbH als Start-Up der Uni Würzburg. Nach einer Crowdfunding-Kampagne 2017 hatten die Jungunternehmer soviel Geld zur Verfügung, dass in einer Schweizer Schokoladen-Manufaktur die Produktion von einer Tonne 70-prozentiger dunkler Schokolade aus peruanischem Chuncho-Kakao angekurbelt werden konnte.

2018 wurde ein "neuer Jahrgang" der dunklen Schokolade in der Schweiz hergestellt. Zusätzlich machte man sich in der Manufaktur an die Produktion einer neuen Milchschokolade mit 52-prozentigem Kakao-Gehalt. "Das müssen wir jetzt erst mal alles verkaufen", sagt Wielgoss, denn ein Produktionsdurchgang (eine Tonne) wirft 13 000 Tafeln aus. Momentan kann man die "Chuncho Gold"-Tafeln sowie die Bio-Kakao-Bohnen und Kakao-Nibs bei der Firma online bestellen und in Weltläden kaufen.

Kakao-Nibs in Nüdlingen

Der Kakao wird direkt, ohne Zwischenhändler, aus dem peruanischen Urubamba-Tal nach Deutschland importiert. Vier Tage dauert der Transport des Kakaos bis zum Hafen in Lima. "Dort kümmere ich mich selbst ums Einschiffen des Produkts auf ein deutsches Reedereischiff", erklärt Wielgoss. Von Hamburg aus geht der peruanische Kakao mit der Bahn auf die Reise nach Würzburg. "Was zu Schokolade verarbeitet wird, fahre ich dann selbst in die Schweiz." Die Kakao-Nibs kommen nach Nüdlingen und werden in der Werkstatt der Lebenshilfe verpackt.

Partner auf Augenhöhe

Die Kurzbegründung der DNP-Jury zur Nominierung lautet: Perú Puro setze auf "Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette." Die GmbH beziehe den Kakao direkt von 45 Kleinbauern in Peru und lasse ihn zu "hochwertigen Produkten" verarbeiten. "Bei Perú Puro sind die Kleinbauern von Beginn an Partner auf Augenhöhe", schreibt die Kommission. Das Jungunternehmen ist jetzt, unter insgesamt 800 Bewerbern, zu einem der 30 nachhaltigsten Unternehmen Deutschlands ausgewählt worden. Zeitgleich sind die Schokoladen von Perú Puro bei den "International Chocolate Awards" (der Weltmeisterschaft der Schokoladen) in die Finalrunde gekommen.

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