Bad Kissingen
Prozess

Anklägerin fordert hohe Haftstrafen

Wenn es nach der Staatsanwältin geht, wandern drei Angeklagte für Jahre hinter Gitter. Für die Fitnessstudio-Chefin fordert die Verteidigung Freispruch.
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Drei Angeklagte stehen wegen Sportdopings vor Gericht.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Drei Angeklagte stehen wegen Sportdopings vor Gericht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Eineinviertel Jahre sollen die drei Angeklagten mit enormen Mengen an Ampullen und Pillen zum Sportdoping gehandelt haben, bis sie im Dezember 2016 aufflogen und festgenommen wurden: Das 5000- bis 6000-Fache der "nicht geringen Menge" hatten sie laut Staatsanwältin aus München bis dahin an die Bodybuilder-Kundschaft gebracht oder auf Lager gehalten, um es gewinnbringend zu veräußern.
Nach eineinhalbstündigem Plädoyer fordert die Staatsanwältin vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt langjährige Haftstrafen gegen den dealenden Fitnesstrainer (50), seine das Fitnessstudio im Landkreis Bad Kissingen betreibende Lebensgefährtin (54) und den 55-Jährigen aus Euskirchen in Nordrhein-Westfalen (NRW), der die illegalen Mittelchen zum Muskelaufbau aus Polen bezogen und den Trainer beliefert haben soll.


Schwunghafter Handel

Für den Fitnesstrainer fordert die Anklägerin eine Haftstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten, für den Lieferanten aus NRW vier Jahre und zwei Monate und für die Studio-Betreiberin drei Jahre und zehn Monate. Auch sie sei Mittäterin. Sie müsse den schwunghaften Handel mit anabolen Steroiden und Wachstumshormonen mitbekommen haben, müsse gewusst haben, dass erhebliche Mengen der Substanzen in der Garage hinter ihrem Studio lagerten und von ihrem unverschlossenen Auto aus an Kunden gebracht wurden, und sie selbst habe Dopingmittelpakete an Abnehmer versandt. Hauptinitiator und Dealer für Abnehmer, die er trainiert und auf Wettkämpfe vorbereitet habe, war für die Staatsanwältin aber der 50-jährige Trainer, einst eine große Nummer in der Kraftsportszene. Der nahm alle Schuld auf sich. Sein Verteidiger legte sich ins Zeug, um dessen Lebensgefährtin, die Studio-Geschäftsführerin, auch nur als potenzielle Mitwisserin der Dealerei völlig herauszuhalten.


Ware aus "Untergrundlaboren"

Das professionelle Vorgehen mit verschlüsselter Kommunikation und ebensolchen Tabellen zu Kunden, Wirkstoffen und Preisen sowie die großen Mengen illegaler Dopingmittel - hergestellt in unbekannten "Untergrundlaboren" unter unbekannten Hygienebedingungen mit allen möglichen unabsehbaren Folgen für die Abnehmer. Dies alles zeuge von enormer krimineller Energie, so die Staatsanwältin. Und: Der Trainer bringe zudem drei einschlägige Vorstrafen mit, zuletzt eine zweijährige Bewährungsstrafe für den Handel mir Sportdoping-Substanzen.
Dessen Verteidiger betonte, es handle sich hier nicht um Betäubungsmittel: "Es muss ja keiner das Zeug nehmen, alle nehmen's freiwillig und die Nebenwirkungen in Kauf." Er plädierte ohne konkreten Antrag für eine erheblich mildere Strafe als von der Anklägerin gefordert. Der Anwalt des 55-Jährigen hielt über vier Jahre für seinen Mandanten für völlig überzogen und forderte für ihn eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren, zumal er bisher praktisch nicht vorbestraft und in wirtschaftlicher schwieriger Lage in die Sache reingeschliddert sei. Für die Studio-Betreiberin forderte deren Verteidigerin einen glatten Freispruch. Sie habe keine Ahnung von den Dopingmittel-Geschäften ihres Lebensgefährten gehabt und auch nicht mitgewirkt. Das Gegenteil sei ihr nicht nachgewiesen worden. Am kommenden Freitag um 14.30 Uhr wird die Kammer ihr Urteil verkünden. fan


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