Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Wie gewohnt, aber anders

Bilanz: Der Kissinger Sommer 2016 überraschte mit einem deutlich gestiegenen Verkaufsergebnis.
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Der vorletzte Auftritt im Großen Saal: Intendantin Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger verabschiedet die junge Geigerin Sara Domjanic mit einem Blumenstrauß. Foto: Ralf Ruppert
Der vorletzte Auftritt im Großen Saal: Intendantin Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger verabschiedet die junge Geigerin Sara Domjanic mit einem Blumenstrauß. Foto: Ralf Ruppert
Es war ihre letzte Bilanz-Pressekonferenz zum Kissinger Sommer: "Ich bin nicht traurig, dass jetzt Schluss ist. Ich freue mich über die zurückliegende Zeit und ich freue mich besonders über diesen Kissinger Sommer", sagte Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger. Zu dieser Freude hat due scheidende Intendantin allen Grund, denn die Zahlen haben sie in ihrem letzten Jahr in Bad Kissingen nicht hängen lassen. Die Zahl der verkauften Karten liegt zwar wie im Vorjahr bei knapp 30 000. Das ist eine Platzauslastung knapp unter 80 Prozentˆ. Mehr ist da im Moment wohl auch nicht möglich. "Das ist wie vor der Schließung des Steigenbergers. Nach dem Abriss hatten wir einen Einbruch von zehn Prozent, aber der konnte in den folgenden Jahren wieder einigermaßen kompensiert werden."


An den Einspringern verdient

Was ihr wesentlich wichtiger ist als ein paar Karten mehr, ist der Erlös aus dem Verkauf. "Das Einnahmesoll (es liegt bei 1,355 Millionen Euro) war schon vor dem Festival durch den Vorverkauf übertroffen. Nachdem neu gerechnet werden musste, liegen die Einnahmen jetzt um 173 000 Euro über dem Soll." Und es kommen nach der Endabrechnung noch ein paar Euro dazu. "Das müsste eigentlich", so die Intendantin", meinem Nachfolger zugute kommen, aber ich sehe das Geld schon im großen Stadtsäckel verschwinden."
Sie ging in dem Zusammenhang auch eine Anfrage der Grünen im Stadtrat ein, die wissen wollen, was einspringende Ersatzkünstler kosten, ob es nicht finanzielll besser wäre, die Konzerte abzusagen. "Nein!", sagt Kahl-Wolfsjäger. "Wir haben viel Geld an ihnen verdient." Der Ersatz etwa für Philippe Jaroussky und das Ensemble Artaserse hat bei einem sehr gut verkauften Saal eine Einsparung von 15 000 Euro bedeutet. "Was stellen sich die Stadträte vor? Ich hätte kein Geld zugelegt."


Die Jugend hält sich zurück

Ein Wermutstropfen ist das Thema "Schülerkarten": 175 gingen im letzten Jahr im Vorverkauf weg, 182 zu 3 Euro an der Abendkasse. In diesem Jahr war es jeweils nur die Hälfte. Den Einbruch im Vorverkauf erklärt sich Erna Buscham vom Organisationsbüro damit, dass 2015 David Garrett die Jugend mobilisiert hat. Da gab es an der Abendkasse keine Schülerkarten. Für die Rückgänge dort hatte Oberbürgermeister Kay Blankenburg eine andere Erklärung: "Wir haben die Elterngeneration für die Klassik verloren, wir müssen verstärkt direkt an die jungen Leute herantreten." Immer weniger Eltern erklärten sich bereit, ihre Kinder zu den Konzerten zu bringen oder zumindest abzuholen, weil sie sich selber nicht interessieren. Da müssten noch mehr die Schulen als Partner gewonnen werden.


Ausländer entdecken das Festival

Was allerdings wiederum erfreulich ist, ist die deutlich zugenommene Internationalisierung des Festivals. "Bisher kanem die Besucher aus acht bis zehn verschiedenen Ländern", sagte Erna Buscham. Aber alleine bei der Durchsicht der Kartenbestellungen konnte ihr Team feststellen. dass es heuer 28 Länder waren. Spitzenreiter sind Holland und Österreich, aber es kamen auch viele Gäste aus China und Russland - und zwei aus Dubai. An zwei Abenden wurden außerdem die Besucher nach ihrer Herkunft befragt. Die Ergebnisse, so Buscham, liegen allerdings noch nicht vor.
Tieferschürfende Auskünfte über ihre Befindlichkeit am Ende einer 32-jährigen Intendanz sind von Kari Kahl-Wolfsjäger erwartungsgemäß nicht zu bekommen. Aber eines sagt sie doch noch: "Was gab es hier einmal für tolle Geschäfte und gute Konditoreien. Bad Kissingen hat sich sehr verändert, aber nicht zu seinem Vorteil. Vielleicht ändert sich das mit fünf Sternen wieder.


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