Eltingshausen
Aufbrecher

Umfrage zur Lebensqualität: Luft nach oben

Die meisten Menschen im Landkreis Bad Kissingen sind laut einer repräsentativen Umfrage mit der Lebensqualität zufrieden. Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme gibt. Bei Angeboten für Junge und beim ÖPNV werden Verbesserungen gefordert.
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Die alleinerziehende Sandra Neumann spielt mit ihrer Tochter im Hof. Foto: Benedikt Borst
Die alleinerziehende Sandra Neumann spielt mit ihrer Tochter im Hof. Foto: Benedikt Borst
Im Grunde fühlt sich Sandra Neumann in der Region wohl. Die Würzburgerin lebt seit 17 Jahren im Landkreis Bad Kissingen. Ihr gefällt die Landschaft und die Ruhe im ländlichen und, dass ihre beiden Kinder beschaulich aufwachsen können. "Es spricht nichts gegen die Gegend", sagt sie. Eigentlich. Wenn sie gefragt wird was sie stört, fallen ihr doch recht schnell ein paar Punkte ein. Es geht um Freizeitangebote für Kinder, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und um Einkaufsmöglichkeiten vor Ort. Egal wie schön es ist, "Luft nach oben ist immer", sagt sie.

Damit sich etwas verbessern kann, müssen zunächst die Probleme identifiziert werden. Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Stadt und Landkreis Bad Kissingen in Zusammenarbeit mit der Saale-Zeitung gaben nur drei Prozent aus 533 Befragten an, mit der Lebensqualität im Landkreis eher oder sehr unzufrieden zu sein, fast 80 Prozent sagten, dass sie eher oder sehr zufrieden sind. Trotz des positiven Ergebnisses haben die Befragten klare Problemfelder benannt. Dabei sehen die Einwohner aus der Stadt Bad Kissingen zum Teil andere Probleme als die Menschen aus dem übrigen Landkreis.

Hotellerie, Jobs, Verkehr
18 Prozent der Befragten aus der Stadt bemängelten das Fehlen eines 5-Sterne-Hotels, je 15 Prozent sorgten sich um leerstehende Geschäfte wie auch Gebäude und darum, dass der Kurbetrieb immer unattraktiver wird. Im Landkreis werden die unzureichenden Arbeits- und Ausbildungsplätze (17 Prozent) kritisiert, gefolgt von der schlechten ÖPNV-Anbindung (16 Prozent) und dem maroden Zustand der Straßen (zwölf Prozent). Diejenigen, die den größten Bedarf in Sachen ÖPNV haben, weil sie im Umland wohnen, geben ihm die schlechtesten Noten. Fast jeder zweite außerhalb Bad Kissingens ist mit den Verbindungen eher oder sehr unzufrieden.

Da gehört auch die 36-Jährige aus Eltingshausen dazu. In Bad Kissingen gebe es abseits des örtlichen Vereinslebens mehr Freizeitangebote für ihre beiden Kinder. Neumann denkt, an die Musikschule oder an Ballettunterricht. Nur kommen die Kinder dort nicht hin. "Die Busverbindung von Eltingshausen nach Kissingen reicht nicht", kritisiert sie. Den zwölfjährigen Sohn und die sechs Jahre alte Tochter regelmäßig in die Stadt zu chauffieren, ist zeitlich nicht möglich. "Taximama als berufstätige Alleinerziehende zu spielen, geht nicht", sagt Neumann. Immerhin sei die neue Schülernetzkarte des Landkreises eine Verbesserung.

Die Statistiker der Universität Bamberg haben aus der Umfrage ein Handlungsportfolio errechnet. Darin wird erfasst, wie wichtig einzelne Themen den Menschen sind und wie groß ihr Bedürfnis ist, dass dort etwas verbessert wird. Handlungsbedarf sehen die Einwohner des ganzen Landkreises demnach neben dem ÖPNV vor allem beim Arbeitsplatzangebot, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten für Jugendliche.

Gerade der letzte Punkt brennt der zweifachen Mutter unter den Nägeln. Ihr subjektiver Eindruck: "Es wird alles gemacht, dass es den Älteren gut geht und für die Jungen geht nichts." Das Veranstaltungsangebot in Bad Kissingen sei auf eine ältere Zielgruppe ausgerichtet. Jungen Erwachsenen stehe immerhin die Diskothek Look zur Verfügung. Wer aber jünger ist und sich im Vereinsleben nicht wohl fühlt, hat aus ihrer Sicht wenig Alternativen. Mit ihrer Meinung ist Neumann nicht allein. In der Stadt ist nahezu jeder zweite der Meinung, dass zu wenig für Jugendliche getan wird.

Um attraktives Umfeld bemüht
Ein schwieriges Thema, räumt Oerlenbachs Bürgermeister Franz Kuhn (BBO) ein. "Wir können nicht alles abdecken." Dennoch ist die Gemeinde um ein attraktives Umfeld bemüht. In Oerlenbach und den Ortsteilen gebe es ein intaktes Vereinsleben mit einem breiten Angebot, sich selbstorganisierende Jugendtreffs und Ferienveranstaltungen. Außerdem leistet sich Oerlenbach mit Nüdlingen und Maßbach einen gemeinsamen, kommunalen Jugendbetreuer. "René Felcht wird wahrscheinlich im Frühjahr auf die Kinder zugehen und den Bedarf abfragen", kündigt Kuhn an.

Das Arbeitsplatzangebot wird laut Umfrage vorrangig im Umland als dringliches Problem wahrgenommen. 7,3 Prozent der Befragten äußerten sich als sehr unzufrieden. Schlechter haben in dem Bereich nur der ÖPNV und die Freizeitangebote für Jugendliche abgeschnitten.

Das Problem empfindet Neumann weniger. "Man hat hier Wahnsinnsmöglichkeiten", sagt sie. Der Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner (CSU) sieht den Kreis auf einem guten Weg. "Insgesamt ist die Region mit Perspektive behaftet", meint er. Er verweist auf starke Industriestandorte in Bad Neustadt, Schweinfurt und Fulda, auf den Gesundheits- und Tourismusstandort Bad Kissingen und auf das ortsansässige Handwerk. "Für Fachberufe ist ein breites Angebot vorhanden", sagt er.


Umfrage "Lebensqualität in Stadt und Landkreis"
Methode Das Bamberger Centrum für Empirische Studien (BACES) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hat in Zusammenarbeit mit Saale-Zeitung, Stadt Bad Kissingen und Landkreis 533 Menschen zu Themen rund um Lebensqualität, Angebote in der Region, Handlungsfelder und Mediennutzung befragt. Die Telefon-Interviews dauerten im Schnitt 15 Minuten.

Verteilung Aus der Stadt Bad Kissingen wurden 213 Menschen befragt, das entspricht etwa einem Prozent der Bevölkerung, aus den restlichen 25 Kommunen waren es zusammen 320 Befragte, also etwa 0,4 Prozent der Bevölkerung.

Geschlecht Für die Studie haben die BACES-Mitarbeiter 277 Frauen und 256 Männer befragt. Diese Verteilung von 52 zu 48 Prozent spiegelt in etwa die Verteilung in der Gesamtbevölkerung wider.

Alter und Bildung 171 Teilnehmer waren 18 bis 39 Jahre alt, 212 zwischen 40 und 64, 135 älter als 65. 190 Befragte gaben einen niedrigen, 167 einen mittleren und 168 einen hohen Bildungsabschluss.
 
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