Hammelburg
Nachruf

Trauer um die gute Seele des Klosters

Frater Pius ist in Oberfranken gestorben.
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Frater Pius Pfaller ist in Vierzehnheiligen gestorben. Foto: Dünnebier
Frater Pius Pfaller ist in Vierzehnheiligen gestorben. Foto: Dünnebier
Jahrzehnte hat Frater Pius Pfaller als gute Seele des Hauses das Franziskanerkloster Altstadt Hammelburg bis zur Schließung 2014 mitgeprägt. Jetzt ist er 83-jährig in Vierzehnheiligen gestorben.
Seine Abberufung aus Hammelburg hatte er schwer verwunden. Dabei hatte er nach seinem ersten Besuch 1967 nicht lange bleiben wollen. Doch rasch entwickelte er sich hier zum gefragten Multitalent. Er machte sich als Guardian, Vorgesetzter, Manager, Mönch und dann auch als leidenschaftlicher Koch bei den Kursteilnehmern der Musikakademie aus dem In- und Ausland einen Namen. Zudem betreute er Besucher der Klosterkirche und kümmerte sich seelsorgerisch um Stadtteile.


Motor der Musikakademie

Durch seinen unkonventionellen Einsatz schaffte es Frater Pius, eine Sanierung der Kirche auf den Weg zu bringen und setzte sich für die wissenschaftliche Untersuchung der Klosterbibliothek ein. Auch wirkte er an Klosterchroniken mit.
Auf den Einsatz von Frater Pius geht auch die Errichtung der Bayerischen Musikakademie in Kloster Altstadt zurück, deren erster Leiter er übergangsweise war. Seine Geselligkeit, Verbindlichkeit und Humor machten Kloster und Musikakademie zum beliebten Anlaufpunkt für viele Repräsentanten aus Politik, Kirche, Militär und Wirtschaft.
Der gebürtige Freystädter war schon mit 18 Jahren in den Orden eingetreten. Seine Kochkünste waren legendär. Auch Patres aus den internationalen Provinzen, die am Schlossberg die deutsche Sprache lernten, bekochte Pius. Dazu Polizeischüler, die das Klostergebäude von 1971 bis 1976 beherbergte. Gemüse, Salate und Kräuter hegte und pflegte der Naturfreund im Klostergarten. Außerdem hatte er eigene Bienenvölker.


Berater der Franziskaner-Provinz

Als Definitor der bayerischen Franziskaner-Provinz nahm er 28 Jahre lang monatlich in München beratend an den Sitzungen des Kapitels teil. Zum Guardian wurde Pius 1992 ernannt. Das war ein Novum, weil mit ihm nach 370 Jahren ein erster weltlicher Bruder die Leitung eines Klosters übernahm.
Besonders gerne erinnerte er sich später an die Präsenz von Sprachschülern, die Erzählungen aus aller Welt mitbrachten. Und auch mit den Polizeischülern und anderen Gästen klopfte er gerne einen anständigen Schafkopf. Für sein Engagement bekam er das Bundesverdienstkreuz verliehen. Bereits 1988 wurde der gebürtige Oberpfälzer mit der Bürgermedaille der Stadt Hammelburg ausgezeichnet. Im Jahr 2000 ehrte ihn der Landkreis mit dem Kulturehrenbrief, und im Jahr 2002 erhielt er zu seinem 50-jährigen Jubiläum eine Ehrenurkunde der Stadt Hammelburg.
Die Beisetzung von Frater Pius ist am Freitag, 30. Juni, um 11 Uhr auf dem Franziskanerfriedhof in Vierzehnheiligen. dübi/win
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