Bad Kissingen
Haushaltsdebatte

Terrassenbad: Künftig vier statt fünf Becken?

Die Freibadsanierung war Thema bei der Haushaltsberatung. Der Verzicht aufs Aktionsbecken würde der Stadt 320 000 Euro sparen.
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Das Freibad Bad Kissingen Foto: Thomas Mäuser/Archiv
Das Freibad Bad Kissingen Foto: Thomas Mäuser/Archiv
Es hatte sich bereits im Vorfeld angedeutet, dass die Sanierung des Terrassenschwimmbades bei den Haushaltsberatungen eine Rolle spielen wird. So kam es dann auch in der Sitzung am Mittwochabend: Der Finanzausschuss stritt lange darüber und stellte am Ende den Stadtratsbeschluss zum ersten Bauabschnitt wieder in Frage, obwohl der erst im September gefasst worden ist. Auslöser für die erneute Diskussion waren Bedenken der Kämmerei zur Finanzierung des Großprojekts. Die angespannte Haushaltslage, die laufende Konsolidierung und die anstehende Altstadt-Erneuerung für mehr als 20 Millionen Euro beschränken die Möglichkeiten, zu investieren.

Im Gegensatz zu Pflichtausgaben etwa im Bereich Kanäle und Straßen handle es sich bei der Freibadsanierung rechtlich gesehen um eine freiwillige Investition der Stadt, erklärte Kämmerer Gerhard Schneider. Da spiele es auch keine Rolle, dass Bad Kissingen als zentraler Ort und Staatsbad ein Freibad zwingend brauche. Die Sanierung, so wie sie beschlossen wurde, könne zu Problemen bei der Genehmigung des Haushaltes führen. "Wir kriegen den deutlichen Fingerzeig von der Rechtsaufsicht, dass wir sparen sollten", sagte Schneider.


CSU will große Lösung

Im September drehte sich die Diskussion im Wesentlichen darum, ob auf die Sanierung des Aktionsbeckens verzichtet und der Bereich stattdessen zur Liegewiese umgestaltet werden soll. "Wir hätten ein wesentliches Sparpotenzial von 320 000 Euro", betonte der Leiter des Bauamts, Jan Voll. Am Nichtschwimmer- und am Kinderplanschbecken soll nicht gespart werden. Laut Planung werden sie so erneuert, dass Beckengröße, Wassertiefe und Attraktionen wie die Rutschen erhalten bleiben. Sprung- und Schwimmerbecken werden in späteren Bauabschnitten saniert.

Die CSU-Fraktion stellte sich gegen den Sparvorschlag der Verwaltung und setzte sich für die große Lösung ein. "Es sind weniger als zehn Prozent der Gesamtsumme, die wir einsparen", rechnete Wolfgang Lutz vor. Der Stadtrat habe die teuerste Variante gewählt, weil es sich bei der Freibadsanierung um ein Leuchtturmprojekt für Bad Kissingen handle. Auch Steffen Hörtler warnte davor, am Terrassenbad zu sparen. "Wenn wir schon kein Geld haben, um neue Attraktionen oben drauf zu setzen, dann aber bitte keine Verkleinerung", plädierte er für den Erhalt des Aktionsbeckens. Im September fiel die Entscheidung knapp mit 15:11 Stimmen zugunsten der großen Lösung aus. Damals hatten neben der CSU auch einige Mitglieder aus der SPD-Fraktion sowie Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) für den Erhalt des Aktionsbeckens gestimmt.


OB: Aktionsbecken verzichtbar

Nun hat sich die Stimmung geändert."Wenn wir so viel Geld ausgeben, muss es ein Leuchtturmprojekt sein", stimmte der Oberbürgermeister der CSU zunächst zu, aber: "Das Becken ist keine Attraktion für das Schwimmbad, sondern läuft unter ferner liefen", meinte Blankenburg. Es werde von den Besuchern kaum benutzt. Deshalb sei er mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, "dass das Aktionsbecken verzichtbar ist, ohne dass das Schwimmbad seine Leuchtturmfunktion verliert". Die Anlage auf dem Finsterberg wird regelmäßig in Rankings zu den schönsten Freibädern Deutschlands gelistet, zuletzt etwa vergangenen Sommer vom zum Springerverlag gehörenden Internetportal Travelbook.de.

Deutliche Worte zum Aktionsbecken kamen von den Grünen. "Das Aktionsbecken ist keine Attraktion und es kostet einen Haufen Geld", schimpfte Richard Fix. Er war bereits im September Wortführer bei den Kritikern. Er erinnerte daran, dass das Freibad ohnehin ein Defizit-Betrieb ist. "720 000 Euro Minus sind für 2017 geplant. Das ist doch verrückt", kommentierte er. Der Stadtrat sei verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sich das Defizit nicht weiter vergrößere. Den Verzicht auf das Aktionsbecken hält er deshalb insofern auch für wichtig, weil in Zukunft Betriebs- und Unterhaltskosten für das Becken entfallen. Parteikollege Klaus Werner sprach sich für die Einsparung aus, weil weitere Kostensteigerungen nicht auszuschließen sind. Alexander Koller (DBK) hielt den Verzicht auf das Aktionsbecken ebenfalls für sinnvoll. Er schlug jedoch eine neue Kinderspielfläche anstelle der Liegewiese vor.


Mehrheit für kleine Variante

Im Finanzausschuss hat sich eine Mehrheit für die kleinere Variante abgezeichnet. Allerdings wurde nicht einzeln zum Terrassenbad abgestimmt, sondern der Haushalt wurde dem Stadtrat als Ganzes mit 8:3 Stimmen empfohlen. Sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am 25. Januar nur Geld für die Variante ohne Aktionsbecken bereit stellen, müsste danach der erste Sanierungsabschnitt umgeplant und erneut im Bauausschuss oder Stadtrat beraten werden. Damit könnte der geplante Baubeginn im Herbst 2017 wackeln. Die Stadt geht im Moment allerdings davon aus, dass nach der nächsten Badesaison die Sanierung beginnt.
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