Maßbach
Geschichte

Synagoge wieder sichtbar machen

Der Maßbacher Gemeinderat erkundete das Gebäude an der Hauptstraße. Die Gemeinde will das Ensemble kaufen, aber die Sanierung ist nicht ganz einfach.
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Rundgang in der Synagoge: Sanierungsbeauftragte Christiane Wichmann (Schweinfurt) machte sich ein Bild von den Räumlichkeiten, auf dem Foto mit Bürgermeister Matthias Klement und (rechts) Klaus Bub, der vor ein paar Jahren begann, historische Unterlagen zur Synagoge zu sichten. Foto: Isolde Krapf
Rundgang in der Synagoge: Sanierungsbeauftragte Christiane Wichmann (Schweinfurt) machte sich ein Bild von den Räumlichkeiten, auf dem Foto mit Bürgermeister Matthias Klement und (rechts) Klaus Bub, der vor ein paar Jahren begann, historische Unterlagen zur Synagoge zu sichten. Foto: Isolde Krapf

Zweimal war die Synagoge jüngst Thema im Gemeinderat. Die Kommune liebäugelt damit, das Gebäude-Ensemble, in das das frühere jüdische Gotteshaus eingebettet ist, von Privat zu erwerben. Am Dienstag machten sich Gemeinderatsmitglieder und etliche Maßbacher ein Bild von dem etwas zurückgesetzten, relativ unscheinbaren Haus an der Poppenläurer Straße.

Sanierungsbeauftragte Christiane Wichmann verschaffte sich dann am Mittwoch dort einen Überblick.

1920 hatte Sattlermeister Karl Geiling das Haus an der Poppenläurer Straße, das an die Synagoge angrenzte, gekauft und dort seine Werkstatt eingerichtet. In den Pogromnächten von 1938 bekam er die Zerstörung der Synagoge ganz aus der Nähe mit: Alles wurde verwüstet.

Schriften lagen zerfetzt am Boden, berichteten Augenzeugen.

Nachbar Geiling, der als Freund der Juden galt, wollte die Synagoge nach dem Pogrom kaufen, was sich schwierig gestaltete, heißt es in alten Unterlagen. Erst 1942, als die meisten jüdischen Mitbürger schon aus Maßbach verschwunden waren, konnte Geiling das Haus in seiner Nachbarschaft erwerben.

Sigmund Max Eberhardt und David Frank hießen die letzten jüdischen Männer im

Ort, die am 14. Juli 1942 von den Nazis deportiert wurden. Die Beiden ahnten ihr Schicksal wohl, denn ein paar Wochen zuvor hatten sie dem Nachbarn doch zugebilligt, die Synagoge zu kaufen.

Der Sattler führte umfangreiche bauliche Veränderungen durch. Im Prinzip verband er zwei Gebäude zu einem Ensemble. So wurde beispielsweise die Frauen-Empore der Synagoge durch eine neu eingezogene Decke vom Untergeschoss abgetrennt.

Im früheren jüdischen Gebetsraum siedelte Geiling seine Sattler-Werkstatt an. Zudem schuf er einen Anbau zu Wohnzwecken.

Sollte das Projekt realisiert werden, ist die Rekonstruktion des einst von den Juden als Synagoge genutzten Gebäudeteils wohl die größte Herausforderung. Architektin Wichmann runzelte bei der Besichtigung denn auch mehr als einmal die Stirn.

Dass im Anschlussgebäude des einstigen Schuhhauses Geiling früher die Juden

ihre Gottesdienste abhielten, wussten vielleicht noch ältere Maßbacher. Den Jüngeren war das Haus kein Begriff mehr. Selbst Bürgermeister Klement sagt: "Als Kind und Jugendlicher hab ich davon nichts gewusst."


Die Wiederentdeckung

Erst 2008 wurde der geschichtsträchtige Ort so zu sagen wiederentdeckt, als Klaus Bub, Museumsleiter in Poppenlauer, einen Veranstaltungsort für die vom Landkreis angekündigte

Wanderausstellung "Jerusalem lag in Franken" suchte. Er sprach Christa Sauer an, die Enkeltochter Karl Geilings, die sich sofort bereit erklärte, den Raum der einstigen Frauen-Empore sowie drei weitere Zimmer im Haus Nummer vier an der Poppenläurer Straße für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen.

Museumsleiter Bub machte sich an die Arbeit und stellte unter dem Titel "Maßbach unterm Davidstern" eine kleine, aber feine Ausstellung über das

jüdische Leben im Ort zusammen, die im März 2009 erstmals zusammen mit den Wander-Exponaten des Kreises vorgestellt wurde.

2009 entdeckte man auf dem Dachboden der Synagoge eine Geniza. Das sind "verbrauchte" jüdische liturgische Schriften, wie zum Beispiel nicht mehr lesbare Tora-Rollen, die man verschlossen ablegte. Denn für Juden gilt, dass Texte, die das Tetragrammaton (JHWH) oder andere Bezeichnungen Gottes enthalten, nicht weggeworfen werden dürfen.

Die Synagoge soweit wie möglich zu restaurieren, hält Wichmann für eine "tolle Aufgabe". "Da kann man schon etwas draus machen." Was die notwendigen Investitionen angeht, könnte die Kommune möglicherweise mehrere Fördertöpfe anzapfen. Dazu sei jedoch erst mal ein Grobkonzept notwendig. Glücklicherweise wurde die Synagoge 2011 ins Städtebauliche Entwicklungskonzept des Marktes aufgenommen. Klement: "Aber die dort angesetzten 250 000 Euro werden wohl nicht im Entferntesten reichen."

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