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Bad Kissingen
Stadtrat

Stein für Stein zur Neuen Bad Kissinger Altstadt

Im Herbst 2017 sollen die Bagger in der Fußgängerzone rollen. Das Tiefbauamt plant eine bundesweit einmalige Kanalmaßnahme.
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Tiefbauchef Thomas Hornung Foto: Benedikt Borst
Tiefbauchef Thomas Hornung Foto: Benedikt Borst
Die Bad Kissinger Heilquellen sind berühmt, einmalig und deshalb besonders schützenswert. Dass die Altstadt direkt über ihnen erbaut wurde, erschwert aber bekanntermaßen die Sanierung der Fußgängerzone. Genau genommen ergeben sich die größten Probleme dabei, die undichten und teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammenden Kanäle zu erneuern. "Wir bauen ein Heilquellenschutzsystem." Das betonen Tiefbauchef Thomas Hornung und Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) immer wieder, wenn sie nach den Verzögerungen für den Baubeginn gefragt werden. Das Heilquellenschutzsystem hat es in sich: Hornung plant eine deutschlandweit einmalige Sanierungsmaßnahme, um Häuser und Heilwasser zu schützen.


Arbeiten beginnen im Herbst 2017

Eigentlich hätte vor zwei Jahren Baustart sein sollen, der Stadtrat hatte damals bereits die Plattenbeläge ausgesucht. Noch vor einem dreiviertel Jahr wünschte sich die Stadt, dass 2016 mit dem Projekt Neue Altstadt losgelegt wird. Da war der Leiter des Tiefbauamts allerdings schon der Ansicht, dass die Bagger nicht vor Herbst 2017 anrücken.

Das bekräftigte Hornung am Mittwoch auch noch einmal im Stadtrat, als er ausführlich über den Projektstand berichtete. Der Termin sei belastbar. Grundsätzliche Kritik an den langen Vorplanungen kam dabei von verschiedenen CSU-Stadträten. Hornung entgegnete, dass die Schwierigkeiten in dem eingetretenen Maß vor fünf Jahren noch nicht absehbar waren. "Wir stoßen hier an bautechnische Grenzen. Wenn wir einen Fehler machen, gibt es einen Worst-Case", betonte er.


Fünf wichtige Fragen zur Kanalsanierung

Was macht die Kanalerneuerung so kompliziert? Die Heilquellen sind sehr sensibel. Bauarbeiten im Untergrund der Innenstadt wirken sich auf das Heilwasser aus. "Das ist nachgewiesen", sagt Hornung. Im schlimmsten Fall könnte sich die Mineralisierung des Heilwassers verändern. "Sobald sich etwas an der mineralischen Zusammensetzung ändert, können wir den Status als Heilquelle verlieren", warnt er. Die Brunnen könnten aber auch trocken fallen oder das Heilwasser könnte verschmutzt werden. Solche Fälle gab es bereits. Bei der ersten Kanalbaustelle Ende des 19 Jahrhunderts sank der Grundwasserpegel, woraufhin der Maxbrunnen versiegte. In den 1980er Jahren war wurde ebenfalls der Maxbrunnen geschlossen, weil er verunreinigt war.

Was wird gemacht? Der Kanal und viele Hausanschlüsse zur Grundstücksentwässerung sind undicht. Abwasser tritt in das Grundwasser aus. "Das darf nicht sein", meint Hornung. Die Stadt plant, in den Nebengassen einen neuen Kanal auf dem alten zu verlegen. Der alte Kanal soll mit einer Drainageleitung ausgestattet werden, so dass er den Grundwasserpegel reguliert. Über dem Hauptkanal werden hingegen keine neuen Rohre verlegt. Er wird mit einem Innenschlauch mit Drainagefunktion erneuert. "In Deutschland wurde so etwas noch nicht gebaut", merkt der Tiefbauchef in Bezug auf die ganze Kanalsanierung an. Planung und technische Umsetzung sei schwierig, weil es keine Erfahrungswerte gebe.

Was bedeutet das für die Hauseigentümer? Die Hauseigentümer sind verpflichtet, die Hausanschlüsse auf eigene Kosten abzudichten oder zu erneuern. Außerdem haben sie die Hausanschlüsse höher zu legen. Im Einzelfall können die nötigen Baumaßnahmen teuer werden. Konkrete Summen nennt Hornung nicht, schätzt aber, dass sie im zehnt ausender Bereich liegen.

Was wird jetzt gemacht? "Der nächste Schritt ist die individuelle Beratung mit den Eigentümern. Wir haben 150 Eigentümer, die wir ansprechen müssen", erklärt Hornung. Für jedes Haus ist zu klären, welche Arbeiten gemacht werden müssen und wann. Gasse für Gasse werde exakt durchgeplant.

Welche weiteren Risiken gibt es? Der Boden, auf dem die Innenstadt steht, ist setzungsempfindlich. Außerdem sind viele Fundamente schlecht tragfähig "Wenn sie ein Glas Grundwasser aus dem Boden entnehmen, neigen sich die Gebäude", verdeutlicht der Leiter des Tiefbauamts. Wird eine Gasse aufgegraben, müssen diese Häuser aufwendig unterfangen werden.
 


Aus dem Stadtrat: Marktgebühren werden teurer

Beteiligungen Der Stadtrat ist der Empfehlung des Finanzausschusses gefolgt und hat den städtischen Beteiligungsbericht für 2014 gebilligt.

Gebühren Das Aufstellen von Altkleidercontainern ist in Zukunft gegen eine Jahresgebühr von 2000 Euro je Container gestattet. Die Räte haben eine entsprechende Änderung der Gebührensatzung für die Sondernutzung öffentlicher Straßen beschlossen. Bisher durften nur gemeinnützige Organisationen Sammelcontainer aufstellen. Außerdem wurden die Marktgebühren angepasst. Die Teilnahme am Wochenmarkt wurde von jährlich 10,50 Euro je Quadratmeter auf 52 Euro angehoben. Die Tagesgebühren für den Jahrmarkt kosten künftig fünf statt 2,50 Euro je Meter Frontlänge.

Kurgebiet Der Bauausschuss hatte jüngst die Änderung der Kurzonensatzung beschlossen. Deshalb ist jetzt auch der Flächennutzungsplan zu ändern. Die Gebiete, die aus dem Sondergebiet Kur herausfallen, sind neu zu überplanen. Betroffen sind Areale an der Bismarck-, der Kurhaus- und der Bahnhofstraße, an der Von- der-Tann- und umliegenden Straßen sowie an der Ludwig-, Schönborn- und Rosenstraße. Die Bereiche werden künftig mehrheitlich als Wohngebiete im Flächennutzungsplan geführt. Der Stadtrat hat diese und weitere kleine Anpassungen am Flächennutzungsplan beschlossen.