Burglauer
Umwelt

Sensationell viele Steinkrebse

Insgesamt 1877 Tiere einer eigentlich äußerst seltenen Art wurden am neuen Rückhaltebecken zwischen Burglauer und Reichenbach umgesiedelt.
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Biologe Stefan Kaminsky und Judith Link am neuen Bachlauf vor der großen Staumauer. Foto: Michael Nöth
Biologe Stefan Kaminsky und Judith Link am neuen Bachlauf vor der großen Staumauer. Foto: Michael Nöth
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Die Ausmaße des neuen Wasserrückhaltebeckens zwischen Reichenbach und Burglauer wirken nahezu gigantisch. Wenn man in den vergangenen Tagen etwas genauer hingeschaut hat, tat sich dort wirklich Beeindruckendes - aus Naturschutzsicht. An die 2000 Steinkrebse wurden umgesiedelt, bevor der Bach in seinem Verlauf verändert wurde.

Beeindruckend deshalb, weil selbst Experten diese Anzahl der bis zu zehn Zentimeter großen Wassertierchen im Reichenbach nicht vermutet hätten. Biologe Stefan Kaminsky, der den äußerst selten vorkommenden Steinkrebs-Bestand in den umliegenden Gewässern vor 13 Jahren kartiert hatte, staunte nicht schlecht. "Ich habe mit etwa 300 Krebsen auf den 250 Metern gerechnet, die wir zur Umsiedlung untersucht haben. Dass wir nun 1877 gefunden haben, ist beachtlich!"


Als schützenswert eingestuft

Das deute auf einen intakten Bestand hin - "einen der besten in Unterfranken", urteilt der Biologe aus Hohenroth. "Und auf eine sehr gute Wasserqualität dieses Baches", fügt Judith Link an. Die examinierte Naturschützerin aus Querbachshof fungierte als Projektleiterin in den vergangenen drei Wochen für Kaminskys Naturschutzplanungsbüro. "Zunächst waren wir nur zu dritt, zwischenzeitlich haben bis zu sechs Leute gesammelt, um die kleinen Krebse, die eine ausgewiesene FFH-Art sind, umzusiedeln", sagt sie.

Diese Aktion ist nötig geworden, weil das alte Flussbett trockengelegt und auf das neue Stauwehr umgeleitet werden muss. Die Fachbehörden, unter anderem die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt und die Fischereifachberatung der Regierung, hatten den Krebs-Bestand als schützenswert eingestuft und die Umsiedlung in der Schonzeit der Tiere zur Auflage gemacht, erklärt Burglauers Bürgermeister Kurt Back. "Erst waren 60 Stunden für die ökologische Baubegleitung angesetzt. Nun haben die Sammler, die die Krebse schonend per Hand gefangen haben, über 170 Stunden aufwenden müssen, um den Bestand zu sichern", so Kaminsky.


Auf Belange eingegangen

Er ist froh, dass Gemeinde und ausführende Baufirma Stolz auf diese zusätzlich notwendig gewordenen Naturschutzbelange eingegangen sind. "Das unterstützen wir natürlich. Schließlich haben wir ja auch beim Baubeginn auf die Fledermäuse Rücksicht genommen", bestätigt Bürgermeister Back.

Link und Kaminsky hatten eigentlich vor, die Krebse in den weiter westlich gelegenen Flüssen Thulba oder Schondra anzusiedeln. Dafür hätte man aber bei der großen Anzahl und der überraschenden Größe der Krebse mehr Transportkapazität und vor allem ein ausgetüfteltes Sauerstoffsystem in den Behältern gebraucht.


Sorgsamer Umgang

"Das wäre sicherlich schwierig geworden. Wir haben uns dann dafür entschieden, die Steinkrebse im Oberlauf des Reichenbachs anzusiedeln", sagt Link. Bis oberhalb der Reichenbacher Mühle haben sie die Schalentiere sorgsam eingesetzt. Biologe Kaminsky geht davon aus, dass sich die Krebse im Bachverlauf ihren Platz suchen. Vom Territorialverhalten dieser Tiere wisse man nicht so viel. "Das wird nicht so ausgeprägt sein", sagt Link, "schließlich haben wir unter einem Stein manchmal 15 kleine Krebse gefunden!"


Noch wenig erforscht

Insgesamt sei der Steinkrebs noch wenig erforscht, bestätigt Kaminsky. Er überlegt sich, ob die im Reichenbach gefundenen Erkenntnisse nicht in eine wissenschaftliche Veröffentlichung fließen sollten. Schließlich gebe es den Steinkrebs nur in etwa 50 Gewässern, in Unterfranken hauptsächlich im Steigerwald oder in den Haßbergen. "Der nächste Bach ist der Tanniggraben zwischen Großbardorf und Kleineibstadt. Aber einen so vitalen Bestand wie hier im Reichenbach wird es dort nicht geben", glaubt der Biologe.

Und da lächelt auch Bürgermeister Kurt Back. "Das ist schon ein besonderes Gebiet. Und das wird richtig schön, wenn die Natur den momentan gigantisch wirkenden Damm wieder eingegrünt hat!" Michael Nöth
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