Lager Hammelburg
Einblick

Schlange stehen am Fermenter

Kritik an der aktuellen Energiepolitik gab es beim Tag der offenen Tür der Biogasanlage im Lager Hammelburg.
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Geduld brauchten die Besucher beim Tag der offenen Tür an der Biogasanlage für einen Blick in den Fermenter. Foto: Wolfgang Dünnebier
Geduld brauchten die Besucher beim Tag der offenen Tür an der Biogasanlage für einen Blick in den Fermenter. Foto: Wolfgang Dünnebier
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Der Kampf um den Bau der Biogasanlage im Lager Hammelburg vor zehn Jahren ist Vergangenheit. Die Technik ist unter den Vorzeichen des Atomausstieges positiv im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Dies machte der Tag der offenen Tür am Sonntag deutlich. Rege strömte das Publikum den ganzen Tag über aus dem Verbreitungsgebiet der 17 Gesellschafter zwischen Bachgrund (Landkreis Main-Spessart) und Völkersleier.
Bei allem Lob für den Pioniergeist der beteiligten Landwirte gab es auch kritische Töne. Denn durch das Zurückfahren der Vergütung durch das Einspeisegesetz für erneuerbare Energien (EEG) sei der Neubau solch beispielhafter Anlagen fast zum Erliegen gekommen. "Damit sterben auch Baufirmen und Technologie", bedauert Werner Link, Geschäftsführer der Maschinenring Rhön-Spessart-Main GmbH. Er dankte den Gesellschaftern für ihre Weitsicht, den drei Anlagenbetreibern für ihre Arbeit und dem Bayernwerk als zuverlässigen Gasabnehmer. Und schließlich der Gemeinde Fuchsstadt: "Ohne deren Unterstützung säßen wir heute nicht hier."


Vorreiterrolle verspielt

"Es waren manch dicke Bretter zu bohren", pflichtete deren Bürgermeister Peter Hart bei. Die Baugeräte standen schon da, als die staatliche Genehmigung für die erforderliche Ausweisung eines Sondergebietes auf sich warten ließ. Hart lobte den allzeit sauberen Betrieb der Anlage und forderte eine stärkere Rückbesinnung auf die regenerativen Energien in der großen Politik, die er aktuell nicht genügend im Mittelpunkt sieht.
Hans-Josef Fell, seinerzeit Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Grüne, erinnerte an seine Überzeugungsarbeit bei der Bundeswehr, um den Standort mit Energie aus der Region zu versorgen. Der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung stellte Fell erwartungsgemäß kein gutes Zeugnis aus. Mit der Anlage auf dem Lagerberg zeigten die Landwirte, was möglich ist. Fernsehteams aus Japan, China und den Vereinigten Staaten hätten sich die neue Anlage zeigen lassen. Inzwischen habe die Bundesrepublik ihre Vorreiterrolle verspielt. Die Musik spielt in China, berichtete er unter dem Eindruck des Besuches einer Photovoltaikmesse vor wenigen Tagen in Shanghai mit 220 000 Besuchern.
Fake news nannte es Fell, dass das EEG für die aktuellen Strompreiserhöhungen in Deutschland verantwortlichen sei. Der Strompreis befinde sich durch das wachsende Angebot an regenerativem Strom im freien Fall. "Nur der Strompreis der privaten Haushalte steigt. Das müssen wir diskutieren", forderte er.


Detailreiche Führungen

90 Prozent der Investitionen in die Stromerzeugung der vergangenen zehn Jahre seien von neuen Akteuren gekommen. Die vier großen Stromkonzerne hätten an der Energiewende nicht teilgenommen. Fell kündigte für dieses Jahr den Nachweis seiner Energie Watch Group an, dass die Erde rund um die Uhr zu 100 Prozent klimafreundlich mit regenerativer Energie versorgt werden kann. Wie gut Wertschöpfung vor Ort durch lokale Energieerzeugung funktioniert, erfuhren die Gäste anschließend bei detailreichen Führungen. Bisweilen mussten sie anstehen, um einen Blick in den Fermenter zu werfen, wo der Mais zum Gären gebracht wird. Wer die Geduld aufbrachte weiß jetzt, dass die eingebrachte Silage zu zwei Dritteln aus Wasser besteht und die 25 000 Euro teure Plane über den Fermentern mit Gebläsen auf Spannung gehalten wird. Oder dass der Maishäcksler, der mit 775 PS und neun Meter breitem Mähbalken die Maisfelder aberntet, ein fahrbares Labor ist. Mit seinen Sensoren errechnet er unterwegs den Reifegrad des Mähgutes und den Ertrag des jeweiligen Feldes. Für Stärkung nach den erschöpfenden Auskünften sorgte die Feuerwehr Schwärzelbach.
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