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Obersfeld
Vorhaben

Pyropark ist vor allem ein Lager

Zu den geplanten Feuerwerkstests ist es bei Obersfeld bisher nie gekommen. Die Gründe sind vielfältig: lange Bürokratiewege und Billigimporte aus Fernost.
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Nach wie vor gut gesichert ist der "Pyropark" zwischen Obersfeld und Sachserhof. Die Hallen und Bunker sind an verschiedene Firmen vermietet. Feuerwerkstechnik wird bisher hier weder gelagert noch getestet. Foto: Karlheinz Haase
Nach wie vor gut gesichert ist der "Pyropark" zwischen Obersfeld und Sachserhof. Die Hallen und Bunker sind an verschiedene Firmen vermietet. Feuerwerkstechnik wird bisher hier weder gelagert noch getestet. Foto: Karlheinz Haase
Vor zehn Jahren war Markus Pfleghardt noch voller Pläne für den "Pyropark" bei Obersfeld. Der Fürther Pyrotechnik-Unternehmer wollte hier Pyrotechnik entwickeln, testen, herstellen und lagern. Das hätte neue Arbeitsplätze gegeben. Auch der Hammelburger Stadtrat diskutierte über mögliche Auswirkungen auf den Stadtteil Gauaschach.
Doch bis heute kommen Obersfeld und die Nachbarorte nicht in den Genuss kostenloser Testfeuerwerke. Nicht einmal als Lager für solche Feuerwerke dient das Areal. Genutzt wird es dennoch. Landwirte und Firmen haben sich dort eingemietet.
Die 18 vorhandenen Bunker waren der Hauptgrund, weshalb Pfleghardt 2005 das 20 Hektar große, ehemalige Materialaußenlager der Bundeswehr kaufte. 2004 begann er, Anträge für die Nutzung als "Pyropark" zu stellen. Er rechnete damit, dass bis 2008 alles durch sein dürfte. Besonders beim Bundesamt für Materialprüfung (BAM) ging er von langen Wartezeiten aus.


Bis zu 25 Beschäftigte bei Höxter

"Die Vorschriften ändern sich alle fünf Minuten", schildert er aus heutiger Sicht den steinigen Genehmigungsweg für ein solches Vorhaben. Diesen Weg zu gehen, erübrigte sich, da er 2006 eine komplette Feuerwerksfabrik in Marienmünster-Altenbergen bei Höxter/Weser kaufen konnte.
Dort ließ er mehrere Jahre lang von bis zu 25 Beschäftigten auch Pyrotechnik produzieren. Inzwischen aber sei dies in Deutschland wegen des Mindestlohns einerseits und wegen der Billigware aus China andererseits nicht mehr möglich. Pfleghardt lässt in dem Werk jetzt nur forschen und entwickeln. Unter anderem hat er einen Doktor der Chemie beschäftigt.
Vor allem der Ersatz von unerwünschten Chemikalien, die zur Farberzeugung in Feuerwerken dienen, spielt hier eine Rolle. Die Feuerwerke sollen umweltfreundlicher werden. "Oft geht es um den Ersatz von Blei oder Chromat", erklärt Pfleghardt. Statt Blei, das für den Crackeling-Effekt zuständig ist, lässt sich Bismuttrioxid einsetzen, das übrigens auch in Damen-Gesichtskosmetik enthalten ist.
Daneben betreiben die Brüder Markus und Stefan Pfleghardt die Firma Startrade GmbH & Co. KG, einen Feuerwerkshandel. Das Sortiment reicht von Vogelschreckraketen über Großfeuerwerke bis zu pyrotechnischer Munition. Vogelvergrämung wird auf Flughäfen, aber auch in der Landwirtschaft eingesetzt.


Mit Experten der Branche

Der Diplom-Betriebswirt Markus Pfleghardt begeisterte sich in der Jugend für das Basteln von Feuerwerken. Heute kommt er weltweit mit Experten dieser Branche zusammen und ist auch mit Qualitätssicherung betraut. Überdies engagiert er sich in der Immobilienbranche und im Solarbereich. Somit passt es, dass er das Lager bei Obersfeld nur als Mietobjekt betreibt. Die fünf großen und eine kleine Halle sowie sieben offene Hallen hat er mit Photovoltaik-Modulen bestückt. Die offenen Hallen sind an Landwirte vermietet, die hier Heu und landwirtschaftliche Maschinen lagern. In den anderen Hallen und Bunkern befinden sich Airbags, Baumaterial, Material für Kältetechnik und Backofenzubehör. Ein Metallbauer im Nebenerwerb und ein Spediteur gehören weiterhin zu den Mietern.
Bei der Fortschreibung des Regionalplans ging es im vergangenen Jahr auch um die Abstände zu dem "Pyropark", auch wenn bisher dort nichts mit Pyrotechnik läuft. Er werde das Objekt behalten, sagt Markus Pfleghardt. Zusätzliche Bauten sind nicht geplant, auch weil dafür Wald gerodet werden müsste. Aber wer weiß, vielleicht sind hier irgendwann doch einmal Feuerwerke zu bestaunen.