Bad Kissingen
Aktion

NP3: Fragen und Antworten

Leser schickten uns in den vergangenen Wochen ihre Kritik oder ihr Lob, was die Pläne zum Nationalpark Rhön angehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Umweltministerin Ulrike Scharf sucht nach einem 3. Nationalpark in Bayern. Einigen Volkerser Bürgern gefällt nicht, dass dabei die Rhön in den Fokus rückt. Foto: Susanne Will
Umweltministerin Ulrike Scharf sucht nach einem 3. Nationalpark in Bayern. Einigen Volkerser Bürgern gefällt nicht, dass dabei die Rhön in den Fokus rückt. Foto: Susanne Will
Lob, Kritik und konkrete Fragen, das ist das Ergebnis eines Aufrufes dieser Redaktion an die Leser, Fragen zum Thema Nationalpark zu stellen. In wenigen Wochen soll darüber entschieden werden, ob in der Rhön möglicherweise ein dritter bayerische Nationalpark eingerichtet wird.
Die Rhöner sollen bei der Entscheidung mitreden. Die Antworten zu den Fragen kommen von Experten, unter anderem auch aus dem Umweltministerium.
Natürlich können auch noch weitere an die Redaktion gesandt werden. Saale-Zeitung, Theresienstraße 21, 97688 Bad Kissingen oder redaktion.badkissingen@infranken.de

Wie groß ist die Fläche der Kernzonen des Biosphärenreservats, die im Gebietsvorschlag für den Nationalpark liegen?

In dem auf NP3.bayern.de veröffentlichten Suchraum liegen 1003,95 ha Kernzone, so die Auskunft von Michael Geier, Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle für das Biosphärenreservat. Somit stehen schon mehr als zehn Prozent der der geforderten Nationalparkfläche unter entsprechendem Schutz.

Inwieweit können Kommunen oder Firmen dafür sorgen, dass künftige Erweiterungen ihrer Gewerbeflächen möglich sind ?

Diese Frage hat unter anderem Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz mit Blick auf die Gewerbebetriebe wie Paul und Co in Oberwildflecken an die Umweltministerin gestellt. Die hat darauf verwiesen, dass die Grenzen eines Nationalparks in Abstimmung mit Kommunen "maßgeschneidert" festgelegt und so mögliche Erweiterungswünsche von Firmen berücksichtigt würden.

Wie positioniert sich der Rhönklub zum Thema Nationalpark ?

Bei der Verbändediskussion in Burglauer vor wenigen Wochen äußerten sich Vertreter der Rhönklub Saale-Sinn-Region klar positiv.
Gibt es Einschränkungen bei der Trinkwassergewinnung aus einem Nationalpark ?

Laut Umweltministerin Ulrike Scharf gibt es für bestehende Anlagen Bestandschutz, bei einem Neubau gibt es keine Einschränkungen. In Bereich Berchtesgaden werde das Trinkwasser überwiegend aus dem Nationalpark bezogen.
Vertreter des Bund Naturschutz in Bayern (BN) haben sich zwar auch für einen Nationalpark Rhön ausgesprochen. Massiv geworben haben Vertreter des BN aber in den vergangenen Wochen aber für einen Nationalpark Spessart. Bevorzugen sie den Spessart ?

Die Antwort vom Landesbeauftragten des BN, Richard Mergner, auf diese Frage ist ein klares "Nein". Die Position des BN sei klar: Er fordere eine faire Chance für den Steigerwald. Den Spessart halte er wegen der Geschlossenheit des Gebietes für geeignet. Das gelte auch für die Rhön, die vor allem eine große geologische Vielfalt aufzuweisen habe. Der BN präferiere keine der Regionen.

"Mich würden Zahlen von anderen Nationalparks interessieren Was musste investiert werden? Wie war die Entwicklung im Laufe der Jahre? Welche Gewinne konnten erzielt werden?", fragt Maria Knüttel aus Oberleichtersbach.

Das Umweltministerium gab Mitte 2015 bekannt, dass für die beiden bayerischen Nationalparke seit 2004 knapp 260 Millionen Euro (davon 130 Millionen Personalkosten) aufgewendet wurden. Schwerpunkt der Investitionen waren die Verbesserung der Infrastruktur für Besucher wie das "Haus der Berge" in Berchtesgaden.
Umweltministerin Scharf hat nach der Rhön-Rundfahrt am Kreuzberg erklärt, in beiden Nationalparken würden pro Jahr etwa knapp drei Millionen Besucher gezählt (1,3 Millionen Bayerischer Wald und 1,6 Millionen in Berchtesgaden), was eine Wertschöpfung von etwa 70 Millionen Euro bedeute.
In der Studie "Der Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor", die vom Nationalpark herausgegeben wurde ist über den Bayerischen Wald zu lesen: "Mit insgesamt 760 000 Besuchern im Jahr 2007 stellt der Nationalpark die am häufigsten besuchte Attraktion der Region dar. Fast die Hälfte der Touristen wird erst durch die Präsenz des Nationalparks zu einem Besuch der Region motiviert. Der ausschließlich durch den Nationalpark motivierte Tourismus sorgt in der Region für ein Vollzeitbeschäftigungsäquivalent von 456 Personen - alle Nationalparkbesucher finanzieren 939 Vollzeitbeschäftigungsäquivalente, während die Nationalparkverwaltung etwa 200 Vollzeitarbeitsplätze unterhält."

Weiter interessiert Maria Knüttel wie auch Leser Marco Herbert, wie sich der Tourismus in unserer Gegend mit der Einführung des Biosphärenreservates entwickelt hat? Lohnt es sich für die Umwelt/tiervielfalt?

Professor Hubert Job von der Universität Würzburg hat 2013 eine Studie über die "Regionalökonomische Effekte des BiosphärenreservatsRhön" veröffentlicht. Nach seinen Erhebungen aus dem Jahr 2011 besuchen 6,4 Millionen Menschen jährlich das Biosphärenreservat Rhön. Allerdings spielt es nur für 13,7 Prozent der Besucher eine große Rolle, dass sie sich in einem Biosphärenreservat befinden.
Alleine die Besucher, die wegen des Prädikats Biosphärenreservat in die Rhön kommen, "erzeugen ein jährliches Einkommen von mehr als zwölf Millionen Euro, was einem Einkommensäquivalent von 611 Personen entspricht". Insgesamt leben im Biosphärenreservat Rhön rechnerisch 4786 Menschen vom Tourismus. Die "Einkommenswirkung" durch den Tourismus beträgt gemäß der Studie rund 94,5 Millionen Euro.
Welche Auswirkungen das Biosphärenreservat auf die Artenvielfalt hat, lässt sich, laut Michael Geier, so gar nicht beantworten, "da es in der Rhön nicht darum geht/gegangen ist, die Artenvielfalt zu erhöhen, sondern die vorhandene, außerordentliche Qualität zu erhalten."

Ob derzeit schlechte Straßen wie von Sandberg nach Bischofsheim im künftigen Nationapark noch ausgebaut werden können, will Marco Herbert wissen.

Notwendige Straßeninstandsetzungsmaßnahmen sind selbstverständlich auch mit einem Nationalpark möglich, sagt Karl-Friedrich Barthmann, Leiter der Projektgruppe NP3 beim Umweltministerium.

Marco Herbert weiter: Im Gebiet des NP wird eine starke Vermehrung von Wild befürchtet, das sich nicht an die Grenzen des Parks halten wird. Für die Jagdgenossenschaften wird es schwierig bis unmöglich, Jagdpächter zu finden, die eine solche Jagd pachten und Wildschäden begleichen. Gibt es Lösungsvorschläge?

Karl-Friedrich Barthmann: Im Nationalpark gibt es ein umfassendes Wildtiermanagement. Zentrales Ziel ist zum einen, die Schutzziele des Parks umzusetzen. Es geht aber auch darum, Auswirkungen der Wildbestände des Parks auf die angrenzende Kulturlandschaft so weit wie möglich zu vermeiden oder Tierseuchen zu verhindern. Die genaue Ausgestaltung der Jagd in einem Nationalpark wollen wir gemeinsam im Dialog mit der Region entwickeln.

Was musste in das Biosphärenreservat investiert werden und was hat es gebracht?, lautete eine gleich mehrfach geäußerte Frage.

Die zu beantworten ist nicht einfach. Dankenswerterweise hat Michael Geier das versucht: "Direkt hat der Freistaat Bayern für die staatlichen Liegenschaften (Managementzentrum Oberelsbach, Haus der Langen Rhön, Infostelle und Naturvermittlung Schwarzes Moor, Aussichtsturm Schwarzes Moor) rund sechs Millionen Euro investiert, wobei über die Hälfte des Betrags aus EU-Mittel bestand. Dazu kommen 5,35 Millionen Euro aus KP II für die Umweltbildungsstätte Oberelsbach. Ab jetzt wird es schwierig. Die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat war 1991 der Grund dafür, dass die bayerische Rhön in das EU-LEADER-Programm als eine von vier Modellregionen in Bayern aufgenommen wurde. Daraus wurde zum Beispiel der Umbau der Schule in Oberbach zum Haus der Schwarzen Berge und vieles andere mehr kofinanziert."
Die Dachmarke, der Hochrhöner mitden Extratouren oder der Wurstmarkt in Ostheim sind, laut Geier, Leitprojekte, die es ohne das Biosphärenreservat Rhön vielleicht nicht gegeben hätten. Ihre finanziellen Auswirkungen lassen sich kaum ermitteln.
Weiter sind derzeit bei der Verwaltungsstelle in Oberelsbach 7,7 Stellen und beim Verein Naturpark für den Bereich Umweltbildung knapp 11 Stellen angesiedelt. Der Verein erhält dafür knapp 1,1 Millionen Euro Defizitausgleich vom Freistaat Bayern. 2,5 Millionen Euro fließen aus dem Vertragsnaturschutz in die bayerische Rhön.

Was bedeutet ein Nationalpark für die Artenvielfalt?

Auf diese Frage findet sich auf der Informationsseite des Umweltministeriums zum dritten Nationalpark (www.np3.bayern.de) eine klare Antwort. Demnach nehmen Artenreichtum und biologische Vielfalt nehmen in Nationalparken zu. Es wird auf verschiedene Untersuchungen verwiesen, die in Waldnationalparken eine ungleich höhere Artenvielfalt als in regulären Wirtschaftswäldern nachgewiesen haben. Demnach komme es "in Prozessschutzwäldern wegen ihrer artenreichen Struktur, ihres Totholzangebotes und den dabei entstehenden lichten Wäldern zu einer Steigerung der Artenvielfalt". Vor allem gefährdete Arten der Roten Liste profitieren hiervon. Im Nationalpark Bayerischer Wald kämen 3850 Tierarten und 760 höhere Pflanzenarten vor.

Wo gibt es Informationen über den Fragenkatalog, den die Landräte Thomas Habermann und Thomas Bold an das Umweltministerium versendet haben?

Der Fragenkatalog ist auf im Internet auf der Homepage des Landkreises Bad Kissingen in Unterpunkt "Nationalpark" unter "Fragen an Staatsministerin Ulrike Scharf" zu finden.

Bis wann wird der Fragenkatalog beantwortet?

Das ist noch nicht ganz geklärt. Wie die Vorsitzende der Kreuzbergallianz, Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb erklärt, ist am 29. Mai auf dem Kreuzberg eine öffentliche Sitzung aller Allianz-Gemeinderäte geplant. Spätestens bis zu diesem Termin, an dem Vertreter des Umweltministeriums Rede und Antwort stehen, soll der Antwortkatalog vorliegen. Falls das eher der Fall ist, wird die Öffentlichkeit umgehend informiert.

Die Gegner des Nationalparks formieren sich. Organisieren sich auch die Befürworter?

Seit kurzem gibt es eine Facebook-Seite mit dem Namen "Pro Nationalpark Bayerische Rhön", auf der Argument für den Nationalpark gesammelt beziehungsweise gegen Aussagen der Gegner argumentiert wird. Allerdings gibt sich der Macher der Seite nicht zu erkennen. Inhalte seien wichtiger als Namen begründete er dies auch gegenüber dieser Redaktion.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren