Lohr am Main
Pflanzen

Misteln auf dem Vormarsch

In Lohr sieht man in Bäumen immer mehr der sagenumwobenen, kugelförmigen Gewächse. Aus alten Obstbäumen sollte man sie entfernen, raten Experten.
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Misteln in Bäumen an der Valentinuskapelle in Lohr. Foto: Björn Kohlhepp
Misteln in Bäumen an der Valentinuskapelle in Lohr. Foto: Björn Kohlhepp
Wer einmal auf den Valentinusberg in Lohr steigt, dem fallen vor allem in der laubfreien Zeit sofort die grünen Kugeln in den Baumwipfeln auf: Misteln. Wie Geisterfinger scheinen von Misteln beschwerte Äste nach der Valentinuskapelle zu greifen. Auf einer Streuobstwiese hinter der Kapelle gibt es keinen Baum, der nicht reich gesegnet mit Misteln wäre. Auf manchen zählt man Dutzende der parasitischen, genauer: halbparasitischen Gewächse. Doch auch andernorts in Lohr fallen Misteln ins Auge. Ist das ein Problem? Und was sollte man tun, wenn eigene Bäume betroffen sind?


Früher wurden sie verehrt

Früher einmal wurde die Mistel verehrt. Bei Asterix und Obelix ist sie ein wichtiger Bestandteil des Zaubertranks. Tatsächlich haben keltische Druiden Misteln offenbar als heilige Pflanzen angesehen, besonders auf Eichen. Laut dem Römer Plinius schnitten sie die Gewächse mit einer goldenen Sichel. In der alternativen Krebsbehandlung gibt es heute eine Misteltherapie, deren Wirksamkeit jedoch als äußerst fragwürdig gilt. In den USA und England gibt es den Weihnachtsbrauch, sich unter in Wohnungen aufgehängten Mistelzweigen zu küssen.Zitat
Die Eigentümer der Bäume am Valentinusberg scheinen die Misteln nicht weiter zu stören. Der Lohrer Armin Heintze, dem einige der Apfelbäume gehören, sagt, dass dort schon immer Misteln gewesen seien. Früher habe er sie auch weggemacht, aber jetzt nutze er die ohnehin wenig ertragreichen Apfelbäume selbst nicht mehr, weswegen er die Misteln gewähren lasse.
Obstbauer Peter Stenger aus Halsbach hat in letzter Zeit beobachtet, dass die Zahl der Misteln in der Gegend zunimmt. Früher habe er beim Anblick einer Mistel gedacht: Oh, ist ja schön. Als er klein war, erinnert er sich, hat sich sein Vater einmal furchtbar geärgert, weil ein Arbeiter beim Baumschnitt die einzige Mistel weit und breit herausschnitt. Heute habe er einen alten Apfelbaum der Sorte Stör, auf dem ein paar Misteln wachsen. Das merke man dem Baum auch an, Misteln seien "wie Blutsauger". Da vor allem alte Obstbäume, die sich schon auf dem absteigenden Ast befinden, betroffen sind, hat Stenger ansonsten keine Probleme mit Misteln. Alte Apfelbäume hat er wenig. In Halsbach seien Misteln generell noch keine Plage. Stenger: "Wenn das überhand nimmt, ist es besser, man entfernt sie." Der Obstbauer verweist auf einen Artikel der Fachzeitschrift "Obst & Garten" (Märzausgabe). Darin ist zu lesen, dass die Mistel vor allem auf alten Apfel-Hochstämmen vorkommt und sich vermutlich aufgrund der Klimaerwärmung ausbreitet. Um ein allmähliches Absterben der Bäume zu verhindern, wird geraten, befallene Äste im Zuge der Winterschnittarbeiten zu entfernen, am besten 30 Zentimeter hinter der Ansatzstelle der Mistel. Bei extremem Befall könne sogar die Rodung alter Bäume notwendig werden, heißt es im Artikel.


Kein großes Thema

Sonst müssten viele starke Äste entfernt werden. Die Autorin nennt auch einen anderen Grund, weswegen man die weitere Ausbreitung der Mistel eindämmen sollte: Ihre weißen Beeren dienen dem Obstbaumschädling Kirschessigfliege zur Eiablage. Bei der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim ist die Mistel momentan kein großes Thema, sagt Frank Angermüller von der Abteilung Landespflege. Sein Eindruck sei schon, dass sich die Mistel weiter ausbreite. Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er die Misteln in den Pappeln am Main. Sogar im Lehr- und Schaugarten der Anstalt hingen einige Misteln in den Bäumen. "Weshalb sollte man die wegmachen, wenn sie keinen Schaden anrichten?" Allerdings würde er Obstbauern empfehlen, Misteln zu entfernen. Eine mache nichts, aber mehrere in einem Baum könnten diesen schwächen.
Auch für die Stadt Lohr sind Misteln kein großes Problem. Stadtgärtner Thomas Schecher sagt, dass er Misteln in städtischen Bäumen nicht entferne. Björn Kohlhepp
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