Elfershausen

Milchbauern wenden sich vom Bauernverband ab

Sechs Landwirte aus Unterfranken erklären, warum sie sich jetzt im Bund Deutscher Milchviehhalter engagieren.
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Die Milchbauern (von links) Armin Zehner (Oberschwarzach), Martin Gleichmann (Friesenhausen), Heinz Thorwarth (Fuchsstadt), Bernd Hörner (Kleinlangheim), Albert Fuchs (Eichelsee bei Würzburg) und Alfred Greubel (Elfershausen)  Foto: Norbert Vollmann
Die Milchbauern (von links) Armin Zehner (Oberschwarzach), Martin Gleichmann (Friesenhausen), Heinz Thorwarth (Fuchsstadt), Bernd Hörner (Kleinlangheim), Albert Fuchs (Eichelsee bei Würzburg) und Alfred Greubel (Elfershausen) Foto: Norbert Vollmann
Die sechs gestandenen Milchbauern aus Unterfranken, die sich um den Esstisch von Armin Zehner in Oberschwarzach (Lkr. Schweinfurt) scharen, treibt die Existenzangst um. Die Milchpreise decken ihre Kosten nicht. Seit 2015 die bis dahin geltende Milchquote ersatzlos entfallen ist, hat sich ihre wirtschaftliche Situation weiter verschlechtert.
Noch etwas vereint Armin Zehner und seine Kollegen Bernd Hörner (Kleinlangheim), Albert Fuchs (Eichelsee), Heinz Thorwarth (Fuchsstadt), Alfred
Greubel (Elfershausen) und Martin Gleichmann (Friesenhausen) in der Sorge ums Auskommen für sich und ihre Familien: Sie haben nicht nur von der politischen Führung in Deutschland die Nase voll, sondern besonders vom bayerischen wie deutschen Bauernverband. Das zeigt ihr Austritt.


Dumpingpreise beklagt

Die Standesorganisation vertrete schon lange nicht mehr die Interessen der Milcherzeuger. In erster Linie würden dort die Ernährungsindustrie und die in vielen Molkereien verstrickten Genossenschaftsverbände bei der Milchpolitik die Fäden ziehen, lautet der Hauptvorwurf.
Ziel der "ultraliberalen Milchpolitik" sei es, durch Förderung einer exportorientierten Landwirtschaft in Deutschland dauerhaft für eine Überproduktion und somit für Dumpingpreise zum Nachteil der heimischen Milchbauern zu sorgen.
Die drohen somit im selbst miterzeugten Milchsee unterzugehen. Damit nicht genug. Diese Strategie treibe wiederum die Bauern in den Ländern, in denen der extrem billig produzierte Überschuss aus Europa landet, in den Ruin. Ein Teufelskreis.
Milchbauer Zehner aus Oberschwarzach sagt: "Die Profiteure stecken alle unter einer Decke. Du rennst wie gegen eine Wand." Was Zehner und seine Berufskollegen besonders wurmt, ist, dass sie, wie zuletzt bei der Abschaffung der Milchquote, nie gefragt worden seien. Trotz fehlender Zustimmung werde vom Bauernverband aber stets betont, er spreche für die Bauern.
Nachdem die Krise seit Jahren verleugnet werde und es kein Instrument gebe, auf die Entwicklung zu reagieren, haben alle sechs dem Bauernverband enttäuscht den Rücken gekehrt und sich dem Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) als ihrer neuen Standesvertretung zugewandt.
In dem vom BDM propagierten Milchmarkt-Krisenmanagement sehen sie die einzige Hoffnung für ihre Betriebe. Dieser Vorstoß werde jedoch vom Bauernverband, hinter dem wieder die Milchindustrie stehe, weiter kategorisch abgelehnt.
Den Glauben, dass ein freier Markt das Problem der Überproduktion als Ursache für die sinkenden Preise auch diesmal wieder regeln werde, wie es der Bauernverband hoffe, haben die abtrünnigen Milchbauern aus Unterfranken verloren. Armin Zehner betont: "Die Unzufriedenheit ist groß. Gemeinsames Handeln zu organisieren, wird von der Gegenseite aber nicht gewollt. Man will keine aufmüpfigen Bauern. Der Bauernverband versucht uns deshalb in die radikale Ecke zu stellen, seitdem wir uns jetzt etwa in den Kreisteams beim BDM engagieren."
Wert legen sie darauf, dass sich ihre Kritik gegen die Verbandsspitze in Bayern und im Bund, nicht aber gegen die Basis richte. Viele Landwirte wollten immer noch nicht wahrhaben, dass die kleineren Betriebe auf Dauer zugunsten einer industriell strukturierten Branche wegrationalisiert werden sollen.


Europäische Lösung nötig

Darin sind sich Armin Zehner und seine Kollegen am Tisch einig: "Wir brauchen eine europäische Lösung der strukturellen Probleme. Auf dem Weltmarkt gehen wir unter." Dafür wollen sie kämpfen, während viele Kollegen bereits resigniert hätten.
Instrumente zur finanziellen Unterstützung der Milchbauern wie die durchaus sinnvolle Stallbauförderung hätten sich durch die bei vorzeitiger Aufgabe der Milchproduktion fälligen Rückzahlungen als Korsettstangen erwiesen. Ebenso wie die zeitliche Bindung an die Molkereien, von denen die Bauern ihr Milchgeld bekommen. Armin Zehner: "Wir müssen melken, um unseren Kapitaldienst leisten zu können und um uns freizukaufen. Währenddessen bekommt die Nahrungsindustrie in dieser Zeit den billigen Rohstoff Milch garantiert."
Auch Preisanhebungen bei Trinkmilch und Butter durch die Discounter wären trotz des gut gemeinten, vor allem aber werbewirksamen Ansatzes nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Grund: Nur 13 Prozent der erzeugten Trinkmilch landet im deutschen Einzelhandel. Die vom BDM erarbeitete Lösung sieht mehrere Schritte bis hin zur Deckelung der Milchmenge als letzte Stufe vor, um in Krisenzeiten die Überschüsse abzubauen und die Milchmenge flexibel und gerecht auf den Bedarf abzustimmen, bis sich der Markt wieder beruhigt habe.
Die sechs Milchbauern betonten: "Wir wollen nicht mehr weiter nur der Spielball sein und geführt werden. Wir wollen auch keine Almosenempfänger werden. Wir wollen vielmehr eine Handhabe, um in der EU in den Markt und die Menge eingreifen zu können, sobald der Milchpreis unter die Schwelle der Erzeugungskosten rutscht."
Ein Hoffnungsschimmer könnte die als Ergebnis der Fuldaer Agrarministerkonferenz von einem "Runden Tisch" eingesetzte Arbeitsgruppe sein. Sie soll sich mit dem Thema Angebotssteuerung auseinandersetzen und es auch EU-weit voranbringen. Norbert Vollmann

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